Museum

„Das Haustierprojekt“ im Kunstmuseum Bochum

„Pfötchen für alle“ heißt dieses Werk aus der Bochumer Schau.

„Pfötchen für alle“ heißt dieses Werk aus der Bochumer Schau.

Foto: Kunstmuseum Bochum

Bochum.   Tierisch entfremdet: „Das Haustierprojekt“ im Kunstmuseum Bochum hinterfragt menschliche Tierliebe – und lässt die Ironie von der Leine.

Schluss mit Leinenzwang, Hundeshampoo und Stöckchenholen! Jeder Hund hat das Recht auf ein freies Leben. Die Initiative „Fiffy go wild!“ schenkt Schoßhunden aus Deutschland die Freiheit, etwa in Rumänien. „Ich bin so froh, dass mein Waldi auf seine alten Tage nochmal so richtig einen draufmachen kann“, sagt Silke W., eine der vielen Unterstützerinnen des Projektes.

Doch so frei wie Waldi ist wohl nur: die Kunst.

Und wenn Studierende für „Das Haustierprojekt“ im Museum Bochum die tierschützenden Bemühungen der vielen Rumänienhunde-Hilfevereine in Deutschland hinterfragen (wer entscheidet eigentlich, was ein gutes Hundeleben ist?), dann wird zugleich jene Ironie von der Leine gelassen, die im Nachdenken über das Verhältnis von Mensch und Tier dringend nötig scheint. Ansonsten wäre das Thema ja viel zu traurig: Offenbart sich doch schon im eingangs aufgetürmten Kuscheltierhaufen, wie unnatürlich unser Verhältnis zur Natur längst ist.

Künstler Matthias Schamp hat die Schau kuratiert

Ein Fisch, geformt aus Draht und Plastikmüll. Ein Hasenfellmuff, Leihgabe einer 80-Jährigen, daneben ihr Chinchillafell. Und ein Zoo setzt kleine Plastikmenschen in die Käfige, beobachtet von flanierenden Schweinen, Kühen, Affen. Diese Schau will ganz sicher schlafende Hunde wecken, will aufrütteln. Mehrere Seminare lang haben Studierende der Evangelischen Hochschule RWL unter Leitung von Helene Skladny tierisch diskutiert, gemalt, geformt, fotografiert.

Kurator Matthias Schamp hat ihre Werke zu einem Kunst-Karneval der Tiere vereint. So zeigt eine große Fotowand, wie präsent die Tierwelt einerseits in unserem Leben ist: als Werbeträger für Produkte, als Zeichentrickfiguren, als Glücksbringer, kuschelige Tröster oder Porzellanfigürchen-Nippes. Andererseits erinnern künstliche Spinnennetze auf Nagelbrettern daran, wie schnell viele Menschen bereit sind, die vielleicht nicht ganz so kuscheligen Tierarten zu bekämpfen. Und am Schimpfwort-Telefon dürfen wir uns anhören, wie kreativ der Mensch Tiernamen zur Verunglimpfung der eigenen Gattung benutzt.

Was für eine Eselei! Trost verspricht das Fischen im Netz: Via Facebook waren Haustierbesitzer aufgerufen, Fotos zu posten – die Videowand zeugt nun von familiären Banden zwischen zwei Beinen und vier Pfoten, gerne vor blendend weißer Meereskulisse oder in der Abendsonne des heimischen Gartens: das Tier als letzter Abgesandter aus Bullerbü, ein Mittsommernachtstraum mit Bambi-Augen.

Der Mensch sitzt auf allzu hohem Ross

Und dann steht da noch in der Ecke eine Pferde-Putzkiste: Trense und Putzzeug als exotische Anfass-Objekte im Museum, dazu Bild und Ton eines jungen Menschen, der auf dem Therapiepferd seine körperlichen Behinderungen vergessen darf: „Alle Schmerzen verschwinden, sobald ich auf dem Pferd sitze.“

Vielleicht sind die Studierenden mit diesem Beitrag am dichtesten dran an jener moralischen Frage, die auf leisen Pfoten unser Gewissen umkreist: Müssten wir Wesen, die uns so viel zu geben imstande sind, nicht in ihrer Gesamtheit etwas besser behandeln, mehr respektieren?

„Das Haustierprojekt“ im Kunstmuseum Bochum, Kortumstraße 147. Bis 25. August. Di-So 10-17 Uhr, Mi bis 20 Uhr. www.kunstmuseumbochum.de

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