Kino

„Die Addams Family“ kommt zurück, animiert fürs Kino

Neu im Kino: Die Addams Family.

Neu im Kino: Die Addams Family.

Foto: Metro Goldwyn Mayer Pictures

Essen.  Das „Eiskalte Händchen“ ließ schon unsere Großeltern lachend zittern. Nun ist die „Addams Family“ reif für den großen Kino-Trickfilm.

Fällt Hollywood gar nichts Neues mehr ein? Die Frage drängt sich auf in einem Jahr voller Filmreihen, Fortsetzungen und Neuauflagen. Sicher, das meiste davon ist seelenlos aus der Schablone gestanzte Fließbandware für den schnellen Dollar an der Kinokasse. Und doch finden sich auch interessante, inspirierte Schätzchen, denen das nicht auf Anhieb anzusehen war. Ein aktuelles Beispiel dafür ist „Die Addams Family“ gehört seit ihrer Erfindung 1938 als Comicstrip für die Zeitschrift „The New Yorker“ zum festen Inventar der US-Popkultur.

Wesentlichen Anteil am dauerhaften Erfolg zeitigten die gleichnamige TV-Serie aus den 60er-Jahren mit Vic Mizzys schnippiger Titelmelodie und die beiden Spielfilme, die Barry Sonnenfeld 1991 und 1993 mit Raul Julia und Anjelica Huston in den Hauptrollen drehte. Nachdem 2009 auch ein Musical herausgebracht worden war, kommt die Addams Family nun in computer-generierter 3D-Animation in die Kinos.

Die Handlung führt fast ganz zurück zu den Ursprüngen. Der Clan um das milliardenschwere Familienoberhaupt Gomez Addams wurde wieder einmal wegen seiner absonderlichen Lebensgewohnheiten von den normalen Bürgern einer Kleinstadt gewaltsam vertrieben. Auf der Suche nach einem neuen Zuhause stößt man auf eine verrottende Go­thic-Villa auf einem Hügel, umgeben von einem Garten, der aus Sumpf und Friedhof besteht.

Die Addams Family ist zurück im Kino, diesmal auf den Spuren von Tim Burton

In diesem freudlosen, staubigen und garantiert farbfreien Ambiente fühlen die Addams sich auf Anhieb heimisch, und adoptieren auch nur zu gern den Butler des Hauses und ein Faktotum, das eiskalte Händchen. Lange währt das Gruselidyll nicht. In der Neubausiedlung im Tal beginnt Immobilienhändlerin Margaux Needler die Bevölkerung gegen die neuen Bewohner aufzuwiegeln. Den eigentlichen Grund für Unruhe liefert aber die Tochter des Hauses. Wednesday Addams, hochintelligenter, sarkastisch ausgebildeter Liebling ihrer bleichen Mama Morticia, ist erstmals zur Schule gegangen und mit einer farbigen Spange im Haar zurückgekommen. Sollte alle Erziehung umsonst gewesen sein? Es ist eine der schönsten und witzigsten Szenen des Films, wenn die echauffierte Mama an rosig frischer Gesichtsfarbe erkrankt und nur dank schneller Hilfe einer flugs herbeieilenden Vampir-Fledermaus zu gesunder Bleiche zurückfindet. Die Welt ist eben liebevoll verdreht in den Reihen der Addams Family, womit Erfinder Charles Addams dem heiligen Denkmal der keimfrei sauberen amerikanischen Kernfamilie einen mit makabren Details gespickten Zerrspiegel vorhielt. In heutigen Zeiten wirkt das alles eher harmlos, durchschaubar das Kalkül, mit einem Animationsspaß um die Addams Family auf der Erfolgswelle von „Hotel Transsylvania“ mit zu reiten.

Die Trickfilmversion der Addams Family zeigt Ironie, sucht aber ein extrem harmonisches Ende

Glücklicherweise wählte das Regieteam Greg Tiernan und Conrad Vernon (sie realisierten zuvor gemeinsam den extrem ordinären Trickfilm „Sausage Party“) eine Abkehr vom ADHS-Kino mit Bildgewittern und Maschinengewehrdialogen hin zu einem vergleichsweise ruhigen Bildstil und einem Figurendesign, das sich von den Trickfilmen Tim Burtons („A Nightmare before Christmas“, „Frankenweenie“) inspiriert zeigt. Der Humor ist, wie stets im US-Trickfilm, zu spitzfindig für ein hiesiges Vor- und Grundschulpublikum; diesmal zielt das morbide Spaßkabinett auf ein Teenpublikum im Selbstfindungsmodus. Was erstaunlich gut funktioniert. Nur am Ende mochten auch die aktuellen Macher nicht über den Schatten der US-Moral springen. Im versöhnlichen Finale finden wirklich alle friedlich und fröhlich zusammen. Die Addams Family als Musternachbarn? Lustig ist das, aber unter der Politur gärt die Botschaft, dass alles, was anders ist, unbedingt eingeebnet gehört.

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Die Addams Family war nicht das einzige Gruselkabinett mit Spaßfaktor. Zeitgleich lief 1964 bis 1966 auf CBS die Serie „The Munsters“, die mit ganz ähnlichen Figuren bestückt war. Der Witz funktionierte stets gleich: Die Leute im Hause Addams oder Munster halten sich für völlig normal, alle anderen sehen das komplett anders.

Hierzulande wurde ein vergleichbarer Versuch mit der Filmreihe „Die Vampirschwestern“ nach den Büchern von Franziska Gehm unternommen.

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