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„Die Blumen von gestern“ im Kino - passt Komödie zu Holocaust?

Szene aus „Die Blumen von gestern“

Szene aus „Die Blumen von gestern“

.   Konzentrationslager als Projektionsfläche für Gags? „Die Blumen von gestern“ versucht im Kino den Spagat. Mit zweifelhaftem Erfolg.

Passt das zusammen, eine Komödie und der Holocaust? Oder noch einmal etwas anders gefragt: Darf ein Filmemacher vom Leiden und Sterben in den Konzentrationslagern erzählen und zugleich einen exaltierten Gag an den anderen reihen? Genau diese Fragen wirft Chris Kraus in seiner völlig überdrehten Screwball Comedy „Die Blumen von gestern“ auf, um sie dann sogleich mit einem beherzten „Ja“ zu beantworten. Allerdings sichert er sich ab. Vom organisierten Massenmord an den deutschen und europäischen Juden erzählt er nur indirekt.

„Die Blumen von gestern“ treiben Blüten in der Gegenwart

Der deutsche Historiker Totila Blumen (Lars Eidinger) hat einen klaren Standpunkt, den bisher nichts verrücken konnte: „Ich bin Holocaustforscher, ich verdiene mein Geld damit, negativ zu sein.“ Doch diese verbiesterte Haltung will seine neue Assistentin, die Französin Zazie Lideau (Adèle Haenel), einfach nicht akzeptieren. Also fordert sie Totila immer wieder heraus. Dabei sollen die beiden eigentlich gemeinsam einen Holocaust-Kongress organisieren, der an sich schon unter einem schlechten Stern steht. Dem Institut, für das Totila arbeitet, fehlt Geld. Also hat man einen Automobilhersteller als Sponsor ins Boot geholt, was den Historiker zur Weißglut treibt.

Mit seinen starren Vorstellungen manövriert sich Totila immer wieder ins Abseits. Einmal geht er sogar so weit, einer Holocaust-Überlebenden den Satz ins Gesicht zu schleudern: „Sie haben ja wirklich keine Ahnung, was den Juden angetan wurde!“ In diesen Momenten geht Chris Kraus’ Rechnung perfekt auf. Man lacht, zugleich setzt aber auch ein komplexer Reflexionsprozess ein.

Lars Eidinger als Historiker: überzogen und selbstgefällig

Doch Kraus’ hellsichtige Kommentare zur deutschen Erinnerungskultur und zu den Traumata, die die Generation der Täter- wie auch der Opfer-Enkel mit sich schleppt, können die Schwächen in seiner Figurenzeichnung nicht aufwiegen. In dem Bestreben, den Tonfall der amerikanischen Screwball Comedys der 30er- und 40er-Jahre zu imitieren, schießen er und seine beiden Hauptdarsteller fortwährend übers Ziel hinaus. Vor allem Lars Eidinger spielt den verstörten Historiker derart selbstgefällig und überzogen, dass man weder Totilas Nöte noch seinen langsamen Wandel ernstnehmen kann.

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