MONDPALAST

„Die (fast) glorreichen Sieben“ mit Revier-Hymne in Herne

Kneipenseligkeit fetzt sich mit russischer Seele, Ballermann-Stimmung prallt auf AC/DC-Sozialisation: Und das Publikum bebt vor Lachen.

Kneipenseligkeit fetzt sich mit russischer Seele, Ballermann-Stimmung prallt auf AC/DC-Sozialisation: Und das Publikum bebt vor Lachen.

Foto: Rainer Raffalski

Wanne-Eickel.  Sigi Domkes neue Komödie „Die (fast) glorreichen Sieben“ hat Längen. Letztlich überzeugt sie aber mit ihrem Mix aus Rock, Rap und Schlager.

Wenn der Pausenvorhang fällt, erklingt der alte Beatles-Song „We can work it out“ – frei übersetzt: „Wir können das wuppen.“ Natürlich schafft es das bunt zusammengewürfelte Häuflein aus Gelsentrop-Wattenhausen, sich zu einem veritablen Chor zusammenzuraufen und doch noch die definitive Revier-Hymne zu präsentieren. Bis „Die (fast) glorreichen Sieben“, so Sigi Domkes neue Komödie mit und um Musik, das Publikum im Mondpalast mit ihrer genialischen Mischung aus Rock, Volkslied, Rap und Schlager beim Publikum einen Sturm der Begeisterung entfachen, geht Zeit ins Land. Mit knapp zweieinhalb Stunden reiner Spieldauer allerdings reichlich viel Zeit.

Nur sechs Wochen bleiben der ehrgeizigen Kulturamtsleiterin Dörte Obermann (Astrid Breidbach), um im Rahmen ihres Projekts „Starkes Stadtviertel“ einen lokalen Beitrag zum anstehenden Festakt aus dem Boden zu stampfen. Es geht um 500 Jahre Wattenhausen (bzw. 50 Jahre Zwangsehe mit Gelsentrop), an Fördergeldern aus EU-Töpfen herrscht kein Mangel, der Bundespräsident hat sich angekündigt. Ein Bürger-Chor soll’s nun richten. Aus Österreich wurde schon, Brüssel sei Dank, der Stardirigent Clemens-Maria Vogel (köstlich blasiert wienert: Andreas Wunnenberg) verpflichtet, nur bei den Sängern hapert’s leider. Auf einen Medienaufruf reagiert nur eine junge, eher talentfreie „Performerin“, sechs weitere Bürger kann Dörte nur mit Mühe und Bestechungsgeld überreden. Schließlich sind es mit ihr acht Mitwirkende, also „fast sieben“.

Musikalische Vorlieben gehen auseinander

Nun ist nicht jedem, der gern singt, das Singen wirklich gegeben, manchmal sinkt auch nur das Niveau. Zumal die musikalischen Vorlieben weit auseinander gehen. Heimattrunkene Kneipenseligkeit fetzt sich mit russischer Seele, Ballermann-Stimmung prallt auf AC/DC-Sozialisation.

Wie Domke diese disparate Truppe zu einer Einheit verschweißt und gemeinsam die Tonleiter zum Glück erklimmen lässt, das ist wieder Volkstheater im beste Sinne: voller Situationskomik, krachender Wortgefechte und trefflicher Anspielungen auf das reale Ruhrgebiet.

Neun Rollen, neun Darsteller

Es stellt aber auch Regisseur Thomas Rech vor Probleme. Neun Rollen bedeuten neun Darsteller, denen nach zeitraubender Einführung in der Folge zumindest eine Gelegenheit zu einem längeren Solo, zu einem Kabinettstückchen eingeräumt werden muss.

Das ist vom Ensemble zwar wunderbar gespielt, zieht sich aber, wenn Rech in oft etwas zu schrillen Bildern dem Affen Zucker gibt und den Witz eines Satzes szenisch auf Absatzlänge dehnt.

Der Begeisterung des Publikums tat’s keinen Abbruch. Und eine Straffung liegt künftig ja durchaus im Bereich des Machbaren.

Die Eckdaten in Kürze

Termine: 13.4. (20 Uhr); 14. April (17 Uhr);10. u. 11.5. (20 Uhr); 12.5. (17 Uhr). Tel. 02325-588999, Mondpalast Herne im Netz.

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