OFFENBACH-JAHR

Die Stadt Köln ehrt ihren berühmten Sohn Jacques Offenbach

Szene aus Jacques Offenbachs Operette „Pariser Leben“, von Jerome Savary 2002 an der Oper Leipzig inszeniert.

Szene aus Jacques Offenbachs Operette „Pariser Leben“, von Jerome Savary 2002 an der Oper Leipzig inszeniert.

Foto: dpa

Köln.   Am 20. Juni 2019 hätte der berühmte Komponist Jacques Offenbach seinen 200. Geburtstag gefeiert. In Köln gibt es viele Jubiläumsveranstaltungen.

In diesem Jahr, in dem am 20. Juni der 200. Geburtstag von Jacques Offenbach ansteht, wollen es die Kölner besser machen. Denn nach dem Verdikt durch die Nazis ist die Domstadt lange Jahre nicht besser mit ihrem berühmtesten Komponisten umgegangen als der Rest Deutschlands. Nicht nur, dass vielen Kölnern auch heute noch nicht bewusst ist, dass der Meister ein waschechter Kölner war, geboren am heutigen Griechenmarkt Nr. 1, aufgewachsen unweit der heutigen Oper in der Glockengasse, wo sein Vater als Kantor an der Synagoge wirkte. Ernst genommen wurde er nach 1945 lediglich als Komponist der Oper „Hoffmanns Erzählungen“.

Der Umgang mit seinen zu Lebzeiten erfolgreichsten Werken, darunter Opéra Bouffes wie „Orpheus in der Unterwelt“, „Die schöne Helena“ oder „Pariser Leben“, zeugte hingegen meist von wenig Respekt und noch weniger Esprit. In Köln zuletzt noch vor 14 Jahren in einer grässlich platten Bearbeitung des „Orpheus“ von Konrad Beikircher, die so grottenschlecht gewesen ist, dass die Intendanz die Produktion nach zwei Vorstellungen abgesetzt hat.

Seit 1956 gibt es den „Offenbachplatz“

Immerhin ehrt man sowohl den Komponisten als auch die von den Nazis zerstörte Synagoge, indem man 1956 den Platz vor dem neuen Opernhaus in „Offenbachplatz“ benannte. Der Ort, an dem der kleine Jakob, genannt „das Köbesche“, seine ersten musikalischen Erfahrungen aus der deutschen Klassik, der Synagogalmusik seines Vaters und dem Kölner Karneval bezog.

Die 2016 gegründete „Kölner Offenbach-Gesellschaft“ möchte mit allen Altlasten und Versäumnissen aufräumen und stellt das Jubiläumsjahr unter das Motto „Yes, we CanCan!“. Und damit will man nicht nur zeigen, dass „Offenbach mehr zu bieten hat als CanCan und Barcarole“.

Zeitweise war Offenbach in Ungnade gefallen

Man will sich auch der verwickelten und nicht immer ruhmreichen Rezeption des Komponisten stellen: eines zum Katholizismus konvertierten Juden, der als „französischer Deutscher“ und „deutscher Franzose“ große Erfolge in Paris feiern konnte, der aber nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870 in beiden Ländern in Ungnade fiel, in Frankreich als „Spion“ der Deutschen verunglimpft wurde, in Deutschland als „Vaterlandsverräter“, verknüpft mit antisemitischen Anfeindungen.

Heikle Themen, die in diesem Jahr unter denkbar vielfältigen Aspekten zur Sprache kommen sollen. Und zwar in mehr als 125 Veranstaltungen, ausgerichtet von 45 Partnern und Gesellschaften der Stadt. Von der Oper, dem Gürzenich-Orchester und dem WDR als den musikalischen Giganten der Stadt bis zu Karnevalsgesellschaften, dem Hänneschen-Puppentheater und dem Zoo werden sich, einschließlich jüdischer und französischer Gesellschaften, alle kulturellen Institutionen der Stadt in den Dienst des Jubiläums stellen.

Vortrag: „Leichtigkeit & Lachen in der Kirche“

Dabei sollen, auch in Symposien, folgende Aspekte besonders berücksichtigt werden: Offenbach als europäischer Künstler - Offenbachs jüdische Wurzeln - der Einfluss seiner Kölner Herkunft - das Verhältnis Kölns zu Offenbach - Offenbach versus Richard Wagner sowie die „emanzipierte Frau“ in seinen Bühnenstücken.

Und selbst der Dom bleibt nicht außen vor, in dem Offenbach 1848 als Cellist zur 600-Jahr-Feier gastierte, wohin er vor den blutigen Aufständen vorübergehend aus Paris geflohen ist. Kardinal Wölki persönlich wird sich am 18. Juni im Rahmen eines Vortrags dem Thema „Leichtigkeit & Lachen in der Kirche“ widmen.

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