Theater

"Drei Männer im Schnee" als knalliges Weihnachtsmärchen

Bochum.   Das Bochumer Schauspielhaus serviert mit der Umsetzung von Erich Kästners Roman auf der Bühne die dritte Komödie in Folge. Es wirkt wie ein greller Comic-Strip: Das Ganze ist reine Unterhaltung, die durchaus vorhandenen moralischen Untertöne in Kästners Roman werden konsequent ausgeblendet.

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Heiter weiter geht es im Schauspielhaus, wo nach „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ und „Delikatessen“ am Wochenende mit „Drei Männer im Schnee“ bereits das dritte Lustspiel in Folge Premiere hatte. Regisseur Christian Brey setzt Erich Kästners Unterhaltungsroman in durchgeknallter „Klimbim“-Manier in Szene. Kein Gag wird ausgespart, noch der letzte Kalauer sorgsam ausgewrungen, und wirklich jede Pointe gerät zum rappelnden Tischfeuerwerk. Zweieinhalb Stunden Kurzweil, und am Ende viel Applaus.

Brey hat viel mit Harald Schmidt zusammengearbeitet, und ein bisschen von Dirty Harrys gepflegter Anarchie scheint abgefärbt zu haben. Auch wenn die Stückauswahl nicht politisch oder nach Aktualisierungsaspekten erfolgte, so peppt der Regisseur Kästners gut abgehangene Verwechslungskomödie doch nach bestem Wissen auf.

Optisch angelehnt, wenn auch leicht verfremdet, an die bekannte Verfilmung von 1955 mit Paul Dahlke, Günther Lüders und Claus Biederstaedt, fächert Brey mit Sinn fürs komödiantische Detail, atemlos, flott und musikalisch durchaus stilsicher, die Geschichte um den Millionär Tobler auf, der sich inkognito ins Grandhotel einschleust, um die Menschen so kennenzulernen, wie sie wirklich sind – dauernde Verwechselungen inklusive. Heraus kommt ein knalliger Comicstrip, eingerichtet als bilderschönes Weihnachtsmärchen für Erwachsene, ein temporeiches Lustspiel mit vielen Show-Effekten.

Gut gerüstet für Weihnachten

Das Ganze ist reine Unterhaltung, die durchaus vorhandenen moralischen Untertöne in Kästners Roman werden konsequent ausgeblendet. Dafür kommt der Abend stellenweise so übersteuert rüber, dass man unwillkürlich denkt: Huh, ein bisschen weniger von allem wäre vielleicht mehr gewesen. Aber mit Martin Horn, Günter Alt und Matthias Kelle stehen drei Schauspieler im Fokus, die sich lustvoll in all die komischen Turbulenzen werfen, ohne jemals peinlich zu wirken.

Bettina Engelhardt als rattenscharfe Frau Casparius und Henrik Schubert als gebeutelter Portier liefern knallige Stichwortgeber ab, Ensembleneuling Juliane Fisch stellt sich als fescher Backfisch Hilde vor.

So gesehen ist Bochum gerüstet. Weihnachten kann kommen!

  • Vorstellungen: 23./24.10. - 13.11. - 6./26./27.12.
  • Karten: 0234/3333-5555
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