Pläne

Erben von Stieg Larsson wollen Millennium-Reihe fortsetzen

Auftragsautor David Lagercrantz hat die Millennium-Reihe nach Larssons Tod weitergeschrieben.

Auftragsautor David Lagercrantz hat die Millennium-Reihe nach Larssons Tod weitergeschrieben.

Foto: TT NEWS AGENCY / Reuters

Stockholm.  Schwedische Medien berichten vom Plan, die Millennium-Reihe fortzusetzen. Die Erben von Stieg Larsson verhandeln mit Verlagen über neue Projekte.

Lisbeth Salander ist möglicherweise doch nicht zum letzten Mal zurück. Mit Band 6 steht seit Montag der angeblich letzte Teil der schwedischen Millennium-Krimireihe mit Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist in den Regalen der Buchläden. Der Verfasser der ersten drei Romane, Stieg Larsson, erlebte den außerordentlichen Erfolg seiner zunächst dreiteiligen gesellschaftskritischen Krimireihe und deren spätere Doppelverfilmung in Schweden und Hollywood nicht mehr. 2004 verstarb er mit nur 50 Jahren unerwartet an einem Herzinfarkt. Der umstrittene Auftragsschriftsteller David Lagercrantz, der zuvor eine Biografie über den Fußballer Zlatan Ibrahimovic mitverfasste, übernahm Larssons Platz für drei weitere Bände. Der nun erschienene sechste Band „Vernichtung“ sei unwiderruflich sein Letzter trotz wiederholten Aufforderungen, er möge die kommerziell erfolgreiche Serie doch weiter schreiben, beteuerte Lagercrantz.

Doch nun meldet die große schwedische Zeitung DN, dass Stieg Larssons Vater Erland und dessen Bruder Joakim die Zusammenarbeit mit dem die Krimireihe seit 15 Jahren veröffentlichenden Verlag Nordstedt beenden. Sie verhandeln demnach mit vier anderen Verlagen um zukünftige Millennium-Projekte. „Ihre Absicht war es, einen eigenen Verlag mit einem anderen Akteur auf dem schwedischen Buchmarkt zu starten und weitere Millennium-Bücher herauszugeben“, sagte Nordsteds Verlagchefin Eva Gedin der Zeitung DN.

Kritik an der Fortsetzung der Millennium-Reihe

Unterdessen gibt es in Schweden schon seit längerem beißende Kritik an der Fortsetzung der Reihe nach Larssons Tod. Diese aus fremder Hand, noch dazu im Gegensatz zum linksorientierten Larsson vom eher bürgerlichen Autor Lagercrantz kommenden Fortsetzungen dienen nur noch dem Kommerz, den Larsson zu Lebzeiten so kritisiert haben soll.

Auch die schlechte Behandlung der Quasi-Witwe Larssons durch dessen Familie stößt auf. Die langjährige Lebenspartnerin von Larsson, Eva Gabrielsson, bezeichnet die Fortsetzung scharf als geldgierige Grabplünderung durch Larssons Verwandte und den Verlag Nordstedt. Gabrielsson lebte 32 Jahre in einer „engen Seelenverwandtschaft“ mit ihrem Freund, wie sie im längeren Gespräch mit dieser Zeitung in einem Stockholmer Café vor einigen Jahren erzählte. Sie selbst sei an der Schaffung der Romane maßgeblich beteiligt gewesen. „Stieg schrieb die Romane auch als Krimis, um damit Gesellschaftskritik in einer leicht zugänglichen Form zu verbreiten“, sagte sie da. Doch inzwischen gehe es nur noch um Gier. „Das hier ist nicht richtig. Das hätte Stieg nicht gewollt“. Der Fußballerbiograf Lagercrantz habe überhaupt kein Gespür für die Lebenswelt ihres verstorbenen Mannes. Tatsächlich liest sich die zahm gehaltene Gesellschaftskritik in den Fortsetzungsromanen nicht so, wie die des linksorientierten Larsson in den ersten drei Teilen.

Larsson hatte insgesamt zehn Teile vorgesehen

Nach Larssons Tod erhielt Gabrielsson nichts vom gewaltigen Erbe, weil sich Larsson als Mitbegründer der antifaschistischen Zeitschrift „Expo“ aus Angst vor Rechtsradikalen in der gemeinsamen Wohnung in Stockholm nicht als ihr Lebenspartner hatte eintragen lassen. So ging sein gewaltiges Erbe an Vater und Bruder im nordschwedischen Umeå, zu denen er laut Gabrielsson zeitlebens wenig Kontakt hatte. Die frischgebackenen Millionäre wollten die Lebenspartnerin mitten in ihrer Trauer sogar aus Larssons bescheidener Stockholmer Wohnung schmeißen. Einen Computer, auf dem sich ein von Larsson selbst bereits in großen Teilen vollendeter echter vierter Teil der Krimiserie mit dem Titel „Die Rache Gottes“ befinden soll, hält Gabrielsson offenbar bis heute versteckt. Der Inhalt gehört ja rechtlich Vater und Bruder. Als Druckmittel reichte das aber nicht aus. Larsson hatte im übrigen insgesamt 10 Teile vorgesehen.

Die Verlagssprecherin Eva Gedin sagte einmal, die Fortsetzung ohne Larsson diene dazu, Larssons „Werk am Leben zu erhalten“. Die Frage, ob Larsson das gewollt hätte, halte sie für „müßig“. Einen fünften Teil plane der Verlag nicht, behauptete sie da taktisch, nachdem die Kritik so laut wurde über die Fortsetzung der Krimireihe und die schlechte Behandlung der Quasi-Witwe Larssons.

20 Millionen Kronen Abfindung angeboten

Im relativ kleinen Umeå, dem Wohnsitz von Vater und Bruder, wurden die beiden zeitweilig auf der Straße von Passanten beschimpft, wegen ihrem bauernschlauen Geiz. Nachdem der Druck immer größer wurde, gaben die beiden Erben einen geringeren Teil der Tantiemen an „Expo“ und andere Organisationen weiter, für die Larsson früher gearbeitet oder sich eingesetzt hat. Auch haben die Erben seiner Lebenspartnerin Ende 2009 immerhin 20 Millionen Kronen Abfindung angeboten (1,9 Millionen Euro). Die im Vergleich zu den gewaltigen weltweiten Einnahmen durch Bücher und Verfilmungen eher lächerliche Summe lehnte die stolze Frau aber ab. „Ich möchte Stiegs Vermächtnis verwalten und weiterentwickeln. Um Geld geht es mir gar nicht“, sagte sie dieser Zeitung. Finanziell hatte sie es da nicht einfach, über die Runden zu kommen, während ihr Mann postum weltberühmt wurde. Ihre letzte kleine Hoffnung ist eine Änderung der Gesetzeslage in Schweden zur Registrierung von Lebensgemeinschaften, die retroaktiv gelten könnte. Die wird zwar diskutiert. Politische Mehrheiten dafür gibt es jedoch nicht.

Letztlich ist die Lebenspartnerin des Frauenrechtlers Larsson selbst eine vom Staat, Rechtswesen und Männern hintergangene Frau geworden, genauso wie die Romanheldin Lisbeth Salander, verglichen Kritiker recht treffend.

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