Vorabendserie

ARD-Alpenkrimi „Watzmann ermittelt“ startet vielversprechend

Watzmann ermittelt: Jerry Paulsen (Peter Marton, l.) sitzt mit Josef Lahner (Franz Buchrieser, r.) vor dessen Hütte auf der Bank - der vertraut ihm ein dunkles Geheimnis an. Die alte Wirtin Paula (Luise Deschauer, unten)  hört zu.

Watzmann ermittelt: Jerry Paulsen (Peter Marton, l.) sitzt mit Josef Lahner (Franz Buchrieser, r.) vor dessen Hütte auf der Bank - der vertraut ihm ein dunkles Geheimnis an. Die alte Wirtin Paula (Luise Deschauer, unten) hört zu.

Foto: ARD/Susanne Bernhard

Essen.   Ein bayerisches Urgestein und einen zugereisten Hamburger lässt die ARD jetzt in Berchtesgaden ermitteln. Das klingt bemüht – funktioniert aber.

Wer eine neue Krimi-Vorabendserie einführen will, hat im Wesentlichen zwei Optionen. Entweder er siedelt das Geschehen irgendwo in Küstennähe an, oder er entscheidet sich für Deutschlands Süden, also für Bayern. Mit „Watzmann ermittelt“ geht die ARD den zweiten Weg, und nach dem ersten Fall „Der Alte vom Berg“, dem in den nächsten Wochen jeweils mittwochs zunächst sieben weitere Geschichten folgen werden, dürfte der Zuschauer diesen Weg bereitwillig mitgehen.

Die Polizeiwache scheint zu schön, um wahr zu sein – es ist aber die echte

Der eindeutig mehrdeutige Serientitel gibt bereits augenzwinkernd die Richtung vor. Das traumhaft schöne Berchtesgadener Land mit dem alles überragenden, gut 2700 Meter hohen Watzmann spielt natürlich eine entscheidende Rolle. Doch kaum weniger mächtig und unverrückbar erscheint auch der Berchtesgadener Hauptkommissar Benedikt Beissl, der in der massigen Gestalt des Münchner Schauspielers und Kabarettisten Andreas Giebel („München 7“) ebenfalls etwas Naturgewaltiges ausstrahlt. Dieser wortkarge Polizist, der „sein“ Berchtesgaden aus dem Effeff kennt und am liebsten im Alleingang wuselt, hat es plötzlich mit zwei Fällen zu tun. Da ist zum einen der Mordversuch an dem dementen, hoch verschuldeten Altbauern Josef Lahner (Franz Buchrieser), dessen eigentlich wertlose Wiese offenbar Begehrlichkeiten geweckt hat. Das zweite Problem ist fast noch gravierender, und das hat ihm ausgerechnet eine seiner drei Töchter eingebrockt. Die Journalistin Johanna (Ines Lutz) hat Hamburg den Rücken gekehrt, um wieder in der Heimat zu arbeiten; ihr Freund, der dunkelhäutige LKA-Mitarbeiter Jerry Paulsen (Peter Marton), ist dem Ruf der Liebe gefolgt und hat sich ebenfalls versetzen lassen. Jetzt ist der Schwiegersohn in spe Beissls neuer Kollege und bringt, mit Charme, Selbstbewusstsein und unbestreitbarer Kompetenz, unerwünscht frischen Wind in die Dienststelle. Die ist übrigens absolut authentisch. Das Gebäude – eine denkmalgeschützte Gründerzeit-Villa in Berchtesgaden – gilt als schönste Polizeidienststelle Bayerns.

Die Serie hat einen launigen, verhalten ironischen Grundtenor

Wie sich der Grantler mit Herz Beissl und der empathische, auf Teamarbeit eingeschworene Jerry durch den verwirrenden Fall Lahner einander annähern, wie sich zu gegenseitigem Respekt so etwas wie unausgesprochene Sympathie gesellt, das bestimmt den launigen, verhalten ironischen Grundtenor der Serie. Dabei ist der Film durchaus spannend und weit davon entfernt, als weiteres gefälliges Beispiel für die Kategorie des Schmunzelkrimis dienen zu können. Weil es den Drehbuchautoren gelingt, polizeiliche Ermittlungsarbeit und den so oft überstrapazierten Familienstrang tatsächlich mit leichter Hand glaubwürdig zu verzahnen. In den Charakteren und Konstellationen, nicht zuletzt in Beissls Fünf-Maderl-Anhang (Ehefrau, drei Töchter, Enkelin) liegt zudem beträchtliches Entwicklungspotenzial für die künftigen Folgen. Nach dem Serienstart kann man, mit den knurrigen Worten des Hauptkommissars, jedenfalls nur sagen: „Passt scho!“

ARD, Mittwoch, 18.50 Uhr

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