Kanzlerkandidat

ProSieben-Interview: Fall Maaßen bringt Laschet ins Rudern

Lesedauer: 5 Minuten
Armin Laschet: Lange belächelt und oft unterschätzt

Armin Laschet: Lange belächelt und oft unterschätzt

Armin Laschet gilt vielen als langweilig und wenig durchsetzungsstark. Mit seinem vermittelnden Stil hat er dennoch das sozialdemokratische Stammland NRW erobert. Und Angela Merkel ist mit einem ähnlichen Regierungsstil seit 16 Jahren Bundeskanzlerin. PORTRAIT COURT d'Armin Laschet

Beschreibung anzeigen

Berlin/Düsseldorf  Im Interview mit Zervakis und Klamroth plauderte NRW-Ministerpräsident und Kanzlerkandidat der Union, Armin Laschet. Es gab aber Fallstricke.

Mit dieser Eröffnung hat Armin Laschet erkennbar nicht gerechnet. Welche kritische Frage er, der ehemalige freie Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks und Ex-Chefredakteur der Aachener Kirchenzeitung, denn unbedingt an sich selbst richten würde, wird der CDU-Chef am Montagabend im „Kanzlerkandidaten-Interview“ bei ProSieben gefragt.

Laschet windet sich endlos wirkende Sekunden im Ledersessel, rollt mit den Augen, grübelt - und kapituliert. In eigener Sache kann er auf die Schnelle keinen journalistischen Eifer entwickeln. „Sie finden schon was Kritisches“, bescheidet der 60-Jährige seine Interviewer Linda Zervakis und Louis Klamroth.

Laschet im ProSieben-Interview: Plauderlaune und Weglächeln

Tatsächlich wird in den folgenden 45 Minuten jedoch selten der Grill angeworfen. Das macht aber nichts, denn vielleicht vermitteln sich Stärken und Schwächen Laschets dem geneigten Fernsehzuschauer im freundlichen Plauderton sogar besser als in einem krawalligen Verhör. Im Persönlichen gewinnt der freundliche Aachener. Wann er in der Politik geweint habe (beim Germanwings-Absturz und bei der letzten Kohle-Schicht), ob er neidisch sei auf die vielen Follower seines Mode-Influencer-Sohns – es menschelt so richtig.

Selbst seine seit Wochen alarmierend schlechten Umfragewerte scheinen Laschet nicht bitter zu machen. Söder-Fragen lächelt er weg. „Ich habe kein Messer in der Tasche.“ Und erst die Rivalen. Scholz? „Ein sehr sachlicher Mann“. Baerbock? „Sehr herzliche Art.“

Umfragen können Laschet nicht die Laune verderben

Auch die von Zervakis zitierte frische Umfrage, nach der 61,5 Prozent der Deutschen Wechselstimmung verspüren, kann dem Gast ebenso wenig die Laune verderben wie die böse Spekulation, die Union müsse nach der Landtagswahl Anfang Juni in Sachsen-Anhalt womöglich eilig den Kanzlerkandidaten austauschen. Nimmt dann entgegen dem bisherigen ProSieben-Sendeplan noch mal Markus Söder im englischen Landhaus-Talksessel Platz? Es hilft wohl, dass der Schlager-Kenner Laschet den Klassiker „Wunder gibt es immer wieder“ mag.

Wenn sich der leutselige CDU-Politiker im Gespräch wohlfühlt, lauern gleichwohl immer auch Gefahren. Er kommt dann ins „Verzelle“, wie der Rheinländer das spontan-muntere Reden nennt. Jede rhetorische Unschärfe auf Kanzler-Flughöhe wird allerdings heutzutage mit mindestens zwei Wochen Twitter-Kirmes bestraft. Als Laschet etwa über seinen katholischen Glauben spricht, eigentlich ein Neigungsthema, schwant ihm irgendwann, dass es heikel werden könnte.

Die jüngste Segnung von Homosexuellen durch mutige Priester gegen den ausdrücklichen Willen des Vatikan findet Laschet erst auf mehrmalige Nachfrage „in Ordnung“. Dass Frauen einfach gegen die Lehrmeinung vor ihrer Gemeinde predigen, sieht er recht lauwarm außerhalb des eigenen Zuständigkeitsbereichs („Politik sollte nicht der Kirche sagen, wie sie ihre internen Dinge zu regeln hat“) und entgegen dann matt: „Ich darf auch nicht einfach predigen.“

Kanzlerkandidat der Union: Laschet gegen Verbot von Kurzstrecken-Flügen

Die Gendersprache empört Laschet nicht so sehr wie sein bislang einziges Wahlkampfteam-Mitglied Friedrich Merz, aber er befleißigt sich ihrer ausdrücklich nicht. „Wenn Sie so sprechen wollen, gerne“, putzt er die Moderatoren ab. Harte Nachrichten produziert der Talk nicht, da sich Laschet beim Abschied von Kohleverstromung und Verbrennungsmotor auf keine neuen Jahreszahlen einlässt und die zweifelhafte Parteispenden-Sammelpraxis von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) knapp unter der gesetzlichen Veröffentlichungsgrenze eher so halbgut hieß.

Lesen Sie auch: Das hat es mit Laschets "Notenaffäre" auf sich

Der von den Grünen angemahnte Kurzflug-Verzicht kommt im Laschet-Universum offenbar nicht vor, was die klimabewegten jungen Zuschauer eher irritiert haben dürfte. „Was soll ein Kurzstrecken-Flug sein? Hamburg-München?“, fragt er entgeistert. Zervakis trocken: „Zum Beispiel.“ Laschet: „Wie bewegen wir uns dann von einem Ort zum anderen?“ Zervakis: „Mit der Bahn?“

Beim Thema Maaßen gerät Laschet aus dem Konzept

Nur einmal gerät der Kanzlerkandidat („Ich bin nicht der Kandidat des Weiter-So“), der sich nach 16 Jahren Merkel mit der Aufbruchstimmung gerade so schwer tut, kräftig ins Schwimmen. Laschet kann auf hartnäckige Nachfrage von Klamroth nicht darlegen, was ihn eigentlich mit Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen verbindet, der für seine Partei als Wahlkreiskandidat in Südthüringen antritt.

Viele Aussagen des Rechtsauslegers teile er nicht, sagt der CDU-Chef. Auch wenn er ihn erneut gegen den Vorwurf in Schutz nimmt, antisemitische Positionen zu teilen: „Ist, wenn jemand ‚Globalist‘ sagt, der dann schon Antisemit?“ Aber welche Gemeinsamkeiten gibt es, hakt Klamroth nach. „Ich denke, dass er zur sozialen Marktwirtschaft Positionen vertritt, die zur CDU passen.“

Na, da kann man nur fröhlichen gemeinsamen Wahlkampf wünschen. Zu einem Maaßen-Wahlaufruf an die Südthüringer kann sich Laschet bei ProSieben gleichwohl nicht durchringen. Wollen Sie, dass Hans-Georg Maaßen gewählt wird? „Das ist keine Frage des Wollens, das entscheiden jetzt die Wähler in Schmalkalden.“

Auch interessant: Gehalt, Aufgaben, Wahl – Alles zum Amt der Bundeskanzlerin

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Fernsehen

Leserkommentare (11) Kommentar schreiben