ARD-Krimi

Der neue „Polizeiruf“ liefert viele spannende Wendungen

Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Kriminalhauptkommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz, re.) sichern Spuren nach dem tödlichen Übergriff auf den polnischen Bauern Wojciech Sekula (Grzegorz Stosz)

Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Kriminalhauptkommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz, re.) sichern Spuren nach dem tödlichen Übergriff auf den polnischen Bauern Wojciech Sekula (Grzegorz Stosz)

Foto: Oliver Feist / rbb / dpa

Essen.  Der neue „Polizeiruf 110“ mit dem deutsch-polnischen Duo Lenski-Raczek ist hart für die Ermittler – und für Zuschauer sehr spannend.

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Das kann kein Zufall sein. Zuerst geht die Scheune der polnischen Bauernfamilie Sekula samt Kühen in Flammen auf. Kurz darauf wird der Bauer zu Tode geprügelt. Das ruft die Ermittler Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) von der Mordkommission im deutsch-polnischen Grenzgebiet auf den Plan. Mit „Polizeiruf 110: Heimatliebe“ bürdet Regisseur und Drehbuchautor Christian Bach ihnen eine Menge auf. Er lässt sie in falsche Richtungen tappen, auf Reichsbürger, eine marode Familie und einen sehr nachsichtigen Bürgermeister treffen.

Vor allem aber erfährt der Zuschauer eine Menge über die Art, mit der deutsche Firmen in Polen weitflächig Land kaufen wollen, um zu expandieren. Wie sich manche Bauern dagegen auflehnen – Motto: „Unser Land, unser Boden!“ Das hat schon fast Ähnlichkeit mit dem Kampf der Kleinfarmer gegen Großgrundbesitzer im Wilden Westen.

Bei den Sekulas geht der Krieg nach dem Tod des Vaters erst richtig los. Jenny (Anna König), die deutsche Frau des Ermordeten, möchte möglichst schnell weg von hier, hat bereits Kontakt zum Strohmann eines deutschen Agrarkonzerns. Wohlweislich hat sie das Testament ihres Gatten schon mal beiseite geschafft, denn als einziger Erbe ist dort Sohn Tomasz aufgeführt.

„Polizeiruf 110“ wird zum Ende hin immer spannender

Regisseur Bach liebt es anscheinend, seine Ermittler hin und her zu jagen, ohne dass sie ein Stück weiter kämen. Plötzlich ist da ein abgeschnittener Finger, den sie nicht zuordnen können, von dem der Zuschauer aber längst weiß, dass er ein Teil des Strohmanns war, der auch noch ein Ohr verlieren wird.

Der anfangs putzig wirkende Reichsbürger (Waldemar Kobus) mit seiner „Provinz Brandenburg“ hat plötzlich Gleichgesinnte mit Waffen aufgelesen. Einer, der ihn immer als Spinner abtut, ist der Bürgermeister (Hans Zischler), der früher mal mit Olgas Mutter liiert war.

Es tut diesem Film gut, dass die polnische Sprache hier nicht einfach weggedrückt wird. Dafür gibt es endlich einmal Untertitel, bei denen offensichtlich sorgfältig gearbeitet wurde. Und je weiter „Heimatliebe“ fortschreitet, umso größer wird eine Spannung, die am Ende in eine völlig andere Richtung weist.

Man könnte also durchaus zufrieden sein, doch Kommissarin Lenski hat nach diesem kriminalistischen Parforceritt einfach keine Nerven mehr. „Sollen sich die Idioten alleine abknallen“, schreit sie aus Frust. Bald braucht sie das nicht mehr: Maria Simon hat für das kommenden Jahr ihren Ausstieg aus der Reihe angekündigt.

• Sonntag, 25. August, 20.15 Uhr, Das Erste: „Polizeiruf 110: Heimatliebe“

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