ZDF-Talk

Krebspatient sorgt für emotionalen Moment bei Dunja Hayali

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Berlin  Das war ein wilder Themenmix bei Dunja Hayali. Es ging um die Mieterproteste und um Sterbehilfe - und ein kleines bisschen um den DFB.

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Erwartbar, beeindruckend, unnötig: Der monatliche Talk von Moderatorin Dunja Hayali zeichnete sich am Mittwochabend durch gleich alle drei Eigenschaften aus. Vor allem auf das Ende hätte das ZDF lieber verzichten können.

Wer das erst einige Monate alte Format nicht kennt: Anders als Talksendungen wie „Maischberger“ oder „Maybrit Illner“ spricht Hayali in einer Stunde Sendezeit mehrere Themen mit unterschiedlichen Studiogästen an. Dieses Mal: Sterbehilfe, Mieterproteste, DFB.

Dunja Hayali – Gäste der Sendung:

• Katja Kipping Parteivorsitzende Die Linke

• Christoph Gröner Vorstandsvorsitzender der CG Gruppe

• Tanja Oppel, Mieter aus Berlin

• Hans von Maydell, Mieter aus Berlin

• Hans-Jürgen Brennecke, Krebspatient

• Anne Schneider, Theologin, war an Krebs erkrankt

• Nikolaus Schneider, ehemaliger EKD-Ratsvorsitzender

• Volker Finke, ehemaliger Fußball-Trainer

Etwa 20 Minuten blieb für jedes Thema. Zu wenig? Naja, in anderen Talksendungen drehen sich die Gäste häufig auch nur im Kreis – das dann aber eine Stunde lang. Gut, dass beim Thema Mieterproteste Linken-Chefin Katja Kipping und Christoph Gröner, größter Bauunternehmer Deutschlands, nur einige Minuten blieben. Gegensätzlicher hätten ihre Ansichten nicht sein können – und dennoch waren sie erwartbar.

Hayali greift Enteignungen auf

Hayali griff ein in den vergangenen Tagen stark diskutiertes Problem auf: Investoren kaufen Wohnungen, erhöhen die Miete und verdrängen so die Bewohner. Weil die sich das nicht gefallen lassen wollen, gehen sie auf die Straße und fordern die Politik zum Handeln auf.

Dunja Hayali- Fünf Dinge, die man über die Moderatorin wissen muss

Besitzer enteignen – kann das die Lösung sein? Eine Umfrage unserer Redaktion hatte erst vor wenigen Tagen ergeben, dass die Mehrheit der Deutschen gegen eine Enteignung von Wohnungskonzernen ist.

Christoph Gröner, der jährlich 1.000 Wohnungen bau, versuchte die Schuld von sich und seinen Kollegen zu weisen. Ziemlich erwartbar. Gröner sollte als der „böser“ Vertreter der Immobilienwirtschaft dargestellt werden.

Katja Kipping will Staat bei Wohnungsbau in die Pflicht nehmen

„Regulär kann keiner aus seiner Wohnung vertrieben werden“, sagte er. Es gebe genug juristische Möglichkeiten für Mieter. Die Ängste seien unberechtigt. Ebenso den Vorwurf, die Immobilienwirtschaft würde große Gewinne mit solchen Objekten machen, wollte er nicht auf sich sitzen lassen. VW würde an einem einzigen Polo deutlich mehr gewinnen. Die Politik habe versagt, nicht die Immobilienwirtschaft.

Genau andersherum sah das erwartungsgemäß Katja Kipping von den Linken. Bei den Protesten der Bewohner handele es sich um „Notwehr“. Sie plädierte dafür, dass der Staat mehr Wohnungen bauen sollte – statt privater Unternehmen. Auch unser Kommentator findet, dass Wohnen kein Luxusgut werden darf.

Menschen wie Gröner würden weniger Vermögende aus der Stadt drängen. „Das ist doch Unfug“, schritt Gröner daraufhin ein. Gedacht haben mag er: „Immer diese Linken!“

Sterbehilfe Thema bei Hayali - Krebspatient mit emotionalem Auftritt

Das Adjektiv „beeindruckend“ hatte hingegen das zweite Thema der Sendung verdient. Es ging um Sterbehilfe. Wobei, vielmehr war die Person beeindruckend, die Dunja Hayali vorstellte. Hans-Jürgen Brennecke ist unheilbar an Krebs erkrankt. Bei der letzten Chemo hatte er starke Schmerzen. Das möchte er nicht noch einmal erleben.

Vom Staat fordert er für die Sterbehilfe die Freigabe eines tödlichen Mittels, mit dem er seinem Leben ein Ende bereiten kann – nämlich dann, wenn er es für richtig hält. Sein Wunsch wurde bisher abgelehnt, doch er gibt die Hoffnung nicht auf. Er habe Angst vor einem „würdelosen Dahinsiechen.“ Immer wieder äußern Menschen den Wunsch, selbstbestimmt zu sterben – mit Unterstützung. Erst vor wenigen Tagen etwa hatte die Schauspielerin Ellen Schwiers gesagt, dass sie sterben möchte.

Brennecke sagte in der Talk-Sendung, er wolle in den letzten Stunden, Tagen, Wochen oder sogar Monaten seines Lebens nicht leiden müssen. „Ich möchte nicht, dass mir jemand sagt, wie ich sterben soll“, sagt Brennecke. Selten begegnet man einem Menschen, der so gefestigt in seiner Entscheidung ist und gleichzeitig so offen darüber sprechen kann.

Und dennoch: „Abschied tut weh“, sagte er schließlich. Ein emotionaler Moment.

Sterbehilfe - ein hohes Gut

Ebenfalls zu Gast waren die Theologin Anne Schneider und ihr Mann Nikolaus Schneider, ehemaliger Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche. Ihre Krebserkrankung ruht zurzeit, über Sterbehilfe aber habe auch sie schon nachgedacht. Selbstbestimmt sterben – ein hohes Gut, darüber sind sich alle Drei schnell einig. Warum sich drei Kinder in Belgien fürs Sterben entschieden haben.

Einzig Nikolaus Schneider äußerte die Sorge, dass Sterbehilfe nicht zum Normalfall werde dürfe und man stattdessen noch stärker die Palliativpflege ausbauen solle. Zuletzt hatte der Freitod eines 104-Jährigen eine Sterbehilfe-Debatte ausgelöst.

Fußball war am Ende der Hayali-Runde völlig deplatziert

Völlig unnötig kam in den letzten Minuten dann das Thema DFB daher. Zugegeben ein harter Wechsel. Volker Finke, langjähriger Trainer beim SC Freiburg und seit einer Woche Träger des DFB-Ehrenpreises für sein Lebenswerk, sollte den Rücktritt von Reinhard Grindel als DFB-Präsident bewerten und analysieren.

Eklat im TV: Zuschauerin bedrängt Hayali im „Morgenmagazin“

Warum ausgerechnet Volker Finke? Ein Rätsel. Dunja Hayali schloss die Unterhaltung schließlich mit den Worten: „Einmal noch den DFB abgearbeitet.“ Da hatte sie leider Recht. Abgearbeitet wie ein lästiges Pflichtthema.

Dunja Hayali in der Mediathek anschauen

Sie haben die Sendung von Dunja Hayali verpasst? Hier können Sie die Sendung in der ZDF-Mediathek anschauen.

(Julia Bernewasser)

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