TV-Kritik

"Illner": Virologin warnt – "Omikron nicht unterschätzen"

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Maybrit Illner im Portrait

Maybrit Illner im Portrait

Maybrit Illner ist nur seit über 20 Jahren das Gesicht der gleichnamigen Sendung "maybrit illner" im ZDF. Beruflich erfolgreich, hat Illner auch privat ihr Glück gefunden.

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Berlin  Die Omikron-Welle hat Deutschland erfasst. Maybrit Illner will von ihren Talk-Gästen wissen, inwiefern das die Corona-Politik ändert.

Inzwischen liegt der Anteil der Omikron-Variante in Deutschland nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei 73,3 Prozent. In der Woche zuvor waren es noch 44,3 Prozent. In seinem aktuellen Wochenbericht schreibt das RKI, dass damit die fünfte Welle der Pandemie begonnen hat.

Während die Zahlen in die Höhe schnellen, scheint die Politik mit Maßnahmen gegen das Coronavirus zu zögern. Auch die Bund-Länder-Beschlüsse aus der vergangenen Woche werden nicht einheitlich umgesetzt. So gilt in Bayern beispielsweise in der Gastronomie kein 2G plus. Lesen Sie auch: Arzt zeigt: So führen Sie Corona-Schnelltests richtig durch

"Maybrit Illner" – Das waren ihre Gäste

  • Manuale Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommern
  • Ranga Yogeshwar, Journalist und Physiker
  • Melanie Brinkmann, Virologin
  • Klaus Holetschek (CSU), Gesundheitsminister Bayern
  • Eva Quadbeck, Leiterin Hauptstadtbüro RND
  • Anne Arend, ZDF-Korrespondentin

Klaus Holetschek (CSU) ist Gesundheitsminister im Bundesland und sicher, dass die Maßnahmen im Freistaat ausreichend sind. "Vorsicht und Augenmaß schließen sich nicht aus", sagt er. "Ich finde das ist das völlig falsche Signal", kontert die Journalistin Eva Quadbeck vom RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Sie ist der Meinung, dass es Anreize geben müsse, damit mehr Menschen sich boostern lassen.

Virologin warnt bei "Illner": "Corona ist keine Grippe"

Überhaupt sei die niedrige Impfquote eines der größten Probleme in der derzeitigen Omikron-Welle. Darin ist sich die Runde am Donnerstag bei Illner einig. So sieht Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar in der Corona-Impfung etwa "den Schlüsselweg" aus der Pandemie. Je mehr Menschen geimpft seien, desto weniger schwere Verläufe gebe es. Lesen Sie hier: "Maybrit Illner" – Warum scheitert Deutschland beim Impfen?

Auch die Virologin Melanie Brinkmann ruft an diesem Abend mehrfach zur Impfung auf. "Covid-19 ist keine Grippe. Das Wort 'mild' stößt mir auf. Die Natur ist grausam, das haben viele anscheinend vergessen", mahnt sie. Über Omikron wisse man zu vieles noch nicht, etwa wie es mit Long-Covid sei oder welche Auswirkungen eine Infektion bei Kindern habe.

Deshalb betrachtet die Virologin auch eine von dieser Tage getätigte Aussage skeptisch. Der Virologe sagte im NDR-Podcast "Corona-Update": "Wir müssen die Tore für das Virus weiter öffnen." Brinkmann meint, dass wir noch weit davon entfernt seien, die Türen wie in anderen europäischen Ländern weiter zu öffnen, weil hierzulande wesentlich weniger Menschen geimpft seien.

"Maybrit Illner" im ZDF: Schwesig springt Lauterbach zur Seite

Doch worüber die Runde bei Illner an diesem Donnerstag nicht spricht ist, wie mehr Menschen von einer Impfung überzeugt werden können. RND-Journalistin Quadbeck kritisiert in Sachen Impfpflicht Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Sie können zwar nachvollziehen, weshalb er in seiner neuen Rolle nicht mehr nur dem "Team Vorsicht" angehöre – schließlich befasse er sich intensiv mit Studien zum Thema. Lesen Sie auch: "Maybrit Illner" – Liefers erzählt vom Corona-Overkill

Quadbeck sagt aber, dass sie nicht verstehen können, weshalb er keinen Gesetzesentwurf zur Impfpflicht vorlege. Das hatte Lauterbach eigentlich schon für den 5. Januar angekündigt, in dieser Woche aber zurückgezogen. "Er hätte sich an die Spitze der Bewegung setzen müssen. Das ist ein sehr großer Widerspruch, da hat er Vertrauen verloren", so die Journalistin.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) will das so nicht stehen lassen. "Er ist ein richtig guter Gesundheitsminister" sagt sie. Lauterbach habe den Entwurf nicht vorgebracht, weil diese ethische Frage ohne Fraktionszwang im Bundestag entschieden werden müsse. Quadbeck ist sich derweil sicher, dass eine Impfpflicht ohnehin nicht kommen wird. "Die Parteien haben sich alle nicht mit Ruhm bekleckert."

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