Nachrichtensprecher

Jan Hofer: Das Leben als Mr. Tagesschau in der ARD

Jan Hofer ist Nachrichtensprecher der „Tagesschau“.

Jan Hofer ist Nachrichtensprecher der „Tagesschau“.

Foto: Gisela Schober / Getty Images

Hamburg.  Jan Hofer sehen täglich Millionen Deutsche und lauschen der Stimme. Trotzdem weiß man nicht alles über ihn. Wie er das Private schützt.

ielstrebig steuert der Mann mit der Brille und den kurzen Haaren den Tisch ganz hinten in der Ecke des Literaturhauscafés an der Alster an. Lässt sich in einen Stuhl fallen, bestellt ein stilles Wasser und einen Cappuccino. „Den brauche ich jetzt ganz dringend“, sagt Jan Hofer.

„Ich bin heute um drei Uhr aufgestanden, habe bis neun Uhr moderiert.“ Hinterher habe er eine Weile am Schreibtisch gearbeitet. Nun dieses Interview, danach noch einen Termin. Und am Nachmittag wolle er noch wieder zurück an den Schreibtisch. Ein verdammt langer Tag, oder? „Ein ganz normaler Arbeitstag.“

Der Chefsprecher der „Tagesschau“ wird im kommenden Jahr 70 Jahre alt. Man merkt es ihm nicht an, und das liegt nicht nur an den Turnschuhen, die er zum klassischen Sakko mit Krawatte und Einstecktuch trägt. „Ich habe einfach eine unglaubliche Freude an der Arbeit.“ Ende kommenden Jahres läuft sein Vertrag bei der „Tagesschau“ aus: „Wir setzen uns demnächst zusammen und beraten dann, wie es weitergeht.“ Wie ein Rentner fühle er noch lange nicht. „Ich bin total fit.“

Jan Hofer erlitt Schwächeanfall in der Live-Sendung

Vor ein paar Wochen sah das für die TV-Zuschauer anders aus. Mitte März erlitt Hofer mitten in der „Tagesschau“ um 20 Uhr einen Schwächeanfall. Er verhaspelte sich, sackte weg. Die Sendung endete abrupt ohne Abmoderation. Eine verschleppte Grippe war der Grund für diese schlimmen Minuten vor laufender Kamera. „Ich hatte kurz vorher die Influenza“, sagt Hofer.

Die habe sein Immunsystem so geschwächt, dass er sich direkt hinterher einen multiresistenten Keim einfing. Eine Woche habe er deshalb im Krankenhaus liegen müssen. „Als es mir besser ging, habe ich mich selbst entlassen. Ich fühlte mich gesund. Ein Fehler, wie ich heute weiß.“

Zu schnell sei er wieder an den Arbeitsplatz zurückgekehrt. An dem besagten Abend habe dann vor laufender Kamera sein Körper gestreikt. „Ich hatte hohes Fieber.“ Hofer wurde direkt nach dem Ende der Sendung mit einem Krankenwagen in das Universitätsklinikum Eppendorf gebracht und durchgecheckt. Ergebnis: Der Keim war zurück. „Also bin ich nach Hause in der Hoffnung, dass es nun besser wird.“ Als es ihm nach zwei Tagen mit hohem Fieber immer noch schlecht ging, habe er sich freiwillig in der Klinik gemeldet. „Und mich dann endlich richtig auskuriert ...“ Doch Hofer kam zurück um 20 Uhr in der „Tagesschau“ – So lief die Rückkehr.

Hofer haben diese Wochen zwei Dinge gezeigt. Zum einen, auch mal auf den Körper zu hören. Zum anderen, wie sehr man als „Tagesschau“-Sprecher doch im Rampenlicht steht. „Die Reaktionen der Zuschauer waren einfach unglaublich“, sagt er. Noch nie habe er so viele besorgte und aufmunternde Post bekommen, noch nie insgesamt so viel Rückmeldungen. „Natürlich gab es auch einige wenige bösartige Kommentare. Aber das bin ich ja schon gewöhnt.“

Tageschau wird immer kritisiert

Zu den Sendungen gebe es immer viele Meinungsäußerungen von Zuschauern. Lobende und freundliche Reaktionen, dazu Kritik. Wie beispielsweise beim Brand von Notre-Dame. Hier hieß es unter anderem, die ARD habe zu spät und zu wenig über die dramatische Lage in Paris an dem Abend des 15. April berichtet. Hofer sieht das anders. „Unser Bericht aus Frankreich war erst um 19.59 Uhr fertig und überspielt. Den konnten wir nicht als erste Meldung in der ,Tagesschau‘ eine Minute später bringen“, sagt er.

Zuvor habe es nur Bilder der Rauchsäule gegeben. „Unser Verständnis ist aber, nicht nur Bilder des Rauches zu zeigen, ohne zu wissen, was dort wirklich los ist, sondern einen fundierten Bericht zu haben.“ Und gerade bei diesem Beispiel sei die Lage zwischendurch sehr undurchsichtig gewesen. „Wir bemühen uns einfach bei jedem Thema, so zuverlässig wie möglich zu recherchieren.“

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Das sei in Zeiten, in denen den Medien immer wieder falsche Berichterstattung vorgeworfen würde, besonders wichtig. „Gerade die ,Tagesschau‘ ist eine Instanz in Deutschland. Von uns wird fehlerfreies Arbeiten erwartet.“ Sorgen um die Zukunft der Tagesschau macht Hofer sich nicht. Er habe das Gefühl, dass in unsicheren Zeiten das Interesse an fundierten Nachrichten zunehme. „Wir haben gerade im vergangenen Jahr viele junge Zuschauer hinzugewonnen. Das ist eine erfreuliche Entwicklung.

Die beiden Geschichten, der Zusammenbruch vor laufender Kamera, aber auch die Reaktionen auf die Berichte aus Paris hätten einmal mehr verdeutlicht, wie genau seine Kollegen und er unter Beobachtung stünden: „In dem Moment, in dem man zum ersten Mal die 20-Uhr-Nachrichten liest, ist man kein Privatmensch mehr.“ Das kennt Hofer seit mehr als 30 Jahren nicht anders. Der Unterschied zu früher: „Jetzt kommen diese Reaktionen alle in Echtzeit. Böser, bissiger, oftmals komplett unter der Gürtellinie. Das muss man schon aushalten können.“

Hofer: Familie soll nicht in die Öffentlichkeit

Keinen Spaß versteht der sympathische Mann beim Thema Familie. Die versucht er aus der Öffentlichkeit zu halten. Hofer hat einen dreijährigen Sohn, dessen Schutz ihm über alles geht. So gibt es von dem Kleinen auch keine Bilder in der Öffentlichkeit. Gegen jedes Foto würde er sofort anwaltlich vorgehen. „Wenn ein Bild einmal in der Welt ist, dann gibt es kein zurück mehr“, sagt er. „Und das wollen wir auf keinen Fall.“

Überhaupt erzählt Hofer in diesen Stunden viel von seinem kleinen Sohn. „Ich versuche, ihn morgens in die Kita zu bringen.“ Eine große Liebe herrsche zwischen Hofers drei großen Kindern aus erster Ehe (42, 34 und 30 Jahre alt), deren Partnern und dem kleinen Nachzügler. Die würden dann hin und wieder auch Aufgaben übernehmen, die für ihn als älterer Vater nichts mehr wären. „Rumtoben oder Huckepack nehmen, dazu habe ich keine Lust mehr. Das machen jetzt meine großen Söhne.“ Und vielleicht ist es auch der kleine Sohn, der dafür sorgt, dass Hofer trotz seiner mittlerweile 69 Jahre hin und wieder einfach nur wirkt wie ein junger glücklicher Vater. Und nicht wie ein Mann im Rentenalter.

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