Interview

Nora Tschirner verkündet: „Tatort“ Weimar geht nicht weiter

| Lesedauer: 6 Minuten
Das sagt Nora Tschirner zu Body Shaming und GNTM

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Berlin.  Nora Tschirner über die neue Wissensreihe „42“, Klischees über kluge Jungs und musische Mädchen und das Aus ihres Weimar-„Tatorts“.

Millionen Zuschauer kennen Nora Tschirner aus Kinofilmen wie „Keinohrhasen“ oder als schräge „Tatort“-Kommissarin aus Weimar. Jetzt will die populäre Schauspielerin als Sprecherin der neuen wöchentlichen Reihe „42 – Die Antwort auf fast alles“ (ab 4.9. samstags, 22.40 Uhr, Arte) wissenschaftliche Sachverhalte unterhaltsam erklären.

Das Thema der ersten Folge lautet: „Können wir uns durch die Erdkugel graben?“

Frau Tschirner, Sie führen als Sprecherin durch die neue Wissensreihe „42“ – sind Sie ein wissbegieriger Mensch?

Nora Tschirner: Da kann ich Ihnen die kürzeste Antwort der Welt geben: Ja! Ich bin umfassend interessiert. Naturwissenschaften faszinieren mich, aber auch philosophische Fragen, und da bietet die Sendung eine gute Mischung. Ich bin ein riesiger Fan der Reihe, weil ich in jeder Folge so viel lerne und mein Gehirn enorm daran wächst. Mehr zum Thema: Nora Tschirner über GNTM: „Liebe Heidi, lass es doch lieber“

Sie entsprechen also nicht dem Klischee vom künstlerisch-kreativen Menschen, der von Mathe und Physik keine Ahnung hat?

Tschirner: Überhaupt nicht! Von diesen Abgrenzungen und Zuschreibungen sollten wir uns wirklich frei machen. Ich bin selber in der Schule lange in diese Falle gegangen, wonach die Mädels eher musisch sind und die Jungs eher für Naturwissenschaften – aber dann habe ich zum Beispiel mit Mathe ganz unterschiedliche Momente gehabt: Erst hatte ich eine riesige Abneigung, und dann war es meine beste Klausur im Abitur mit einer Eins in Wahrscheinlichkeitsrechnung. Später habe ich mir auf eigene Faust Physikbücher und anderes gekauft. Letztlich ist das doch alles gar nicht trennbar, in der Musik zum Beispiel spielt Mathe eine riesige Rolle – das Ganzheitliche, das verbindende Element interessiert mich da viel mehr.

In der Dokureihe treten Sie quasi in pädagogischer Funktion auf. Hätten Sie das Zeug zur Lehrerin gehabt?

Tschirner: Ich glaube, dass ich das gehabt hätte und immer noch habe. Lehrerin war mein erster Traumberuf, zusammen mit Tierpflegerin – ich habe auch eine große Empathie für Lehrer. Die nächste Generation mit Weisheit zu versorgen und aufs Leben vorzubereiten, das ist so unfassbar wichtig, deshalb müsste dieser Beruf gesellschaftlich viel höher eingeordnet werden. Wird er aber nicht, und deshalb bin ich froh, dass ich mich dagegen entschieden habe, weil ich schon sehr früh gemerkt habe, dass ich in unserem Schulsystem verschleißen und seelisch leiden würde. Auch interessant: Warum der „Tatort“ aus Weimar nicht überzeugen kann

Sie sind ja als Tochter eines Dokumentarfilmers aufgewachsen, Sie haben also bei der Reihe „42“ schon Vorwissen mitgebracht…

Tschirner: Ich habe vor allem auch eine Mutter, die Journalistin ist und Kulturredakteurin war. Deshalb ist mir dieser Blick auf die Welt mitgegeben worden, dass wir uns interessieren für Geschichten von anderen Menschen, aus anderen Kulturen, für die Welt als Ganzes. Dass man offen für sein Gegenüber und für Fakten ist, das war gelebte Kultur bei uns und hat mich geprägt.

Was erhoffen Sie sich von der Reihe?

Tschirner: Mein Anliegen ist es, den Leuten klar zu machen, dass auch vermeintlich trockene Inhalte megaspannend und lustvoll rezipiert werden können. Ich bin ja kein großer Fan davon, wie Schule in unserer Gesellschaft funktioniert, bei unserer Haltung zum Lernen gibt es noch viel Potenzial. Diese Tonalität, Verve und Leidenschaft, mit der in der Reihe Inhalte vermittelt werden, so hätte ich mir meine Schulzeit gewünscht.

Der Titel der Wissensreihe bezieht sich auf den Kultroman „Per Anhalter durch die Galaxis“. Haben Sie ihn eigentlich gelesen?

Tschirner: Nein, ich habe ihn nicht gelesen. Zufällig wurde ich zwei Wochen, bevor ich den Titel erfuhr, von einem Bekannten, der selber gerade 42 geworden war, über den Zusammenhang aufgeklärt. Ich konnte dann zumindest wissend tun, als ich von dem Titel hörte (lacht).

Die Zahl 42 ist in dem Buch – vereinfacht gesagt - die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, die ein Supercomputer nach Millionen Jahren des Nachdenkens ausspuckt. Hätten Sie eine Frage, die Sie diesem Rechner gerne stellen würden?

Tschirner: Ich glaube, der Rechner hätte andere Aufgaben als meine Fragen zu beantworten. Und ich habe auch das Gefühl, dass ich genug Ahnung vom Sinn des Lebens habe, als dass ich da jemandem die Zeit stehlen müsste. Also nein, ich habe keine Fragen.

Eine Frage, die Sie ja sicher beantworten können: Wie geht es mit dem „Tatort“ aus Weimar nach dem Tod des von Christian Ulmen gespielten Kommissars weiter? Werden Sie ohne ihn ermitteln?

Tschirner: Der aktuelle Stand ist: Es geht nicht weiter. Ich weiß natürlich nicht, was der MDR mit dem Weimarer „Tatort“ plant, aber in dieser Konstellation wird es ihn nicht mehr geben. Ich finde, wir sind einfach zu einem fulminanten Ende gekommen.

Und welchen anderen beruflichen Projekten wollen Sie sich, abgesehen von „42“, als nächstes zuwenden?

Tschirner: Ich arbeite gerade an einem neuen Projekt mit Karoline Herfurth, sie ist ja meine Lieblingsfigur in der deutschen Filmlandschaft, wir finden sowohl privat als auch inhaltlich immer sehr gut zusammen. Und ich werde nächstes Jahr bei Vox noch eine Wissenssendung starten, wo ich aber auch als Protagonistin auftrete, es geht ums Thema Neurowissenschaft – das wird ein Riesenabenteuer.

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