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"Hart aber fair": Sondierungsgespräche sorgen für Zündstoff

| Lesedauer: 4 Minuten
CSU: Jamaika hat "Chance" und "Charme"

CSU: Jamaika hat "Chance" und "Charme"

"Jamaika ist eine Chance, Jamaika hat eine Chance, Jamaika hat auch Charme": Das CSU-Präsidium hat sich einmütig für schnelle Sondierungsgespräche zur Bildung einer Jamaika-Koalition von Union, Grünen und FDP ausgesprochen.

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Berlin  Laschet werde zu hart angegangen, die FDP würde von einer Ampel profitieren: Bei "Hart aber fair" wurden beachtliche Thesen formuliert.

Die Regierungsbildung beschäftigt das Land – und am Montagabend auch die Runde bei "Hart aber fair". "Gelingt den Parteien ein Aufbruch?", lautete die Leitfrage des Talks von Moderator Frank Plasberg, nachdem am Wochenende die Sondierungsgespräche begonnen hatten.

Diskutiert wurde die Frage von einem bunt gemischten Podium. Mit dabei: Die Journalisten Ulrike Herrmann und Robin Alexander, die Politiker Gerhart Baum (FDP) und Felix Banaszak (Grüne) sowie die Unternehmerin Sarna Röser. Es wurde eine ebenso bunte Debatte, bei der fünf bedenkenswerte Gedanken formuliert wurden.

"Hart aber fair": Diese Gäste waren am Montag dabei

  • Gerhart Baum, Rechtsanwalt und Politiker (FDP)
  • Felix Banaszak, Politiker (Bündnis 90/Die Grünen)
  • Robin Alexander, Journalist ("Welt")
  • Ulrike Herrmann, Journalistin ("taz")
  • Sarna Röser, Unternehmerin

These 1: Grüne und FDP schmusen – ein Wunschbündnis ist es nicht

Schulterschluss, Selfies, Dominanz der Großen: Fast wirkt es, als ob das grün-gelbe Bündnis ganz natürlich ist. Gegen den Eindruck wehrte sich Robin Alexander. "Wir wollen doch nicht glauben, dass die Vier voneinander begeistert sind", warnte der "Welt"-Journalist mit Blick auf das legendäre Selfie der Verhandlungsführer von Grünen und FDP. Dieses wurde auf Instagram gepostet: "Dort, wo Pferdebilder sind und schöne Frauen – nicht Inhalte." Letztlich habe man nur zusammen gefunden, weil es dafür eine Mehrheit gibt.

Das war reichlich giftig, aber plausibel. Unterstützung fand Alexander bei Ulrike Herrmann. Eigentlich hätten die Grünen lange ein Bündnis mit der Union favorisiert, stellte die "taz"-Journalistin fest. Das habe insbesondere Robert Habeck vorangetrieben. Dass es dann anders kam, liege in erster Linie an Armin Laschet: "Wir sitzen nur hier, weil die CDU den falschen Kanzlerkandidaten ausgewählt hat", stellte Herrmann fest.

These 2: Armin Laschet ist nicht an allem schuld

Da war sie wieder, die fundamentale Kritik am CDU-Chef, in diesem Fall gepaart mit einem Lob für CSU-Chef Markus Söder. Fast erfrischend, dass Gerhart Baum an einer Stelle entschieden eine Lanze für Laschet brach. "Das hat er wirklich nicht verdient", sagte der FDP-Politiker mit Blick auf die vielen Attacken gegen den Parteichef. Schließlich habe Laschet die Wahl nicht alleine verbockt. "Die Zukunftsfähigkeit der Union ist nicht gegeben, und das war schon vor ihm so."

These 3: Die Ampel wird ihre Differenzen überwinden

Tempolimit, Schuldenbremse, Steuern: Es gibt viele Punkte, an denen die Ampel-Gespräche kompliziert werden könnten. Verbauen die vielen roten Linien, die vor dem Wahltag gezogen wurden, am Ende eine Koalitionsbildung?

Für Mut sprachen sich Gerhart Baum und Felix Banaszak aus. Der 88-jährige FDP-Politiker erinnerte sich an äußerst schwierige Verhandlungen, in denen am Ende vorher kaum denkbare Kompromisse gefunden wurden, einfach, indem man völlig neue Wege ging. Und der grüne Banaszak stellte in Aussicht, dass man im Detail Zugeständnisse werde machen können, wenn die übergeordnete Idee der potenziellen Regierung stimme.

These 4: Die FDP würde von der Ampel profitieren

Häufig ist dieser Tage zu hören, dass eine Ampel der FDP am meisten wehtun würde – und dass sie eigentlich Jamaika favorisiere. Ulrike Herrmann stellte das infrage: Bisher habe Christian Lindner die Partei rechts von der Union gehalten. Nun könnten die Liberalen in die Mitte rücken, sich aber gleichzeitig gegen Grüne und SPD profilieren, prognostizierte die Journalistin.

These 5: Corona hat den Grünen bei den Jungen geschadet

Grüne und FDP sind bei den Erstwählern gleichauf: Das war eine der Überraschungen der Bundestagswahl. Robin Alexander erklärte das auch mit der grünen Unterstützung der Corona-Politik.

So hätten die Grünen damit geliebäugelt, den starken Corona-Staat auch auf das Klima-Thema anzuwenden. Das habe viele junge Menschen zur FDP getrieben. Eine verbreitete, aber gewagte These, wenn man bedenkt, dass die Liberalen die Jugend auch mit Themen wie Digitalisierung und Bildung sowie einem modernen Auftritt angesprochen haben.

Das Fazit

Bei der Koalitionsbildung gibt es noch viel zu besprechen. Solange die Gespräche so fruchtbar ablaufen wie die Runde bei "Hart aber fair", kann es den Zuschauern recht sein.

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