ARD-Krimi

„Tatort“-Faktencheck: Wie gefährlich sind Weltkriegsbomben?

In vielen Teilen Deutschlands liegen auch über 70 Jahre nach Kriegsende noch Fliegerbomben vergraben.

In vielen Teilen Deutschlands liegen auch über 70 Jahre nach Kriegsende noch Fliegerbomben vergraben.

Foto: FRANK HORMANN / dpa

Berlin  Der Zweite Weltkrieg liegt über 70 Jahre zurück. Im Boden liegen trotzdem noch viele Blindgänger. Wie gefährlich sind Weltkriegsbomben?

Im „Tatort“ haben es die Kölner Ermittler Ballauf und Schenk mit einem Bombenentschärfer zu tun, der unter mysteriösen Umständen bei einer Explosion stirbt. Generell dreht sich im Krimi „Bombengeschäft“ alles um Fliegerbomben und deren Entschärfung.

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Bezirks Düsseldorf hat die Macher des Films bei der Umsetzung unterstützt. Beatrix Van Vlodrop, Pressesprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf, beantwortet die wichtigsten Fragen zu Bombenfunden:

Wie viele Fliegerbomben liegen noch in Deutschland?

Beatrix Van Vlodrop: Die Bezirksregierung Düsseldorf kann prinzipiell nur Aussagen über den Zuständigkeitsbereich des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KBD) Rheinland (Regierungsbezirk Düsseldorf und Köln) treffen. Eine belastbare Zahl gibt es aber nicht. Bezogen auf ein Flächenland wie NRW ist eine Aussage nicht seriös möglich.

Pauschal lässt sich nur sagen, dass im Zweiten Weltkrieg etwa 2,7 Mio. Tonnen abgeworfen wurden, inklusive aller Brand- und sonstiger Munition, davon etwa die Hälfte auf deutsches Reichsgebiet – und davon noch mal knapp die Hälfte auf NRW.

Daraus lässt sich jedoch keine belastbare Schätzung zur Anzahl der Blindgänger ableiten. Wird ein Blindgänger gefunden, kümmert sich der KBD um die Entschärfung oder auch Sprengung sowie um den Abtransport des Kampfmittels.

Wie groß ist die Gefahr, dass so eine Bombe ohne Fremdeinwirkung auch nach Jahrzehnten noch explodiert?

Van Vlodrop: Selbstdetonationen von Kampfmitteln sind glücklicherweise äußerst selten. Bleiben Blindgänger unbewegt im Erdreich, ist damit nicht zu rechnen.

Was mache ich, wenn ich eine Bombe entdecke?

Van Vlodrop: Oberste Regel: Den Fund nicht berühren oder bewegen und Experten informieren. Erster Ansprechpartner ist die örtliche Ordnungsbehörde, also in der Regel das Ordnungsamt der jeweiligen Stadt. Diese ist für die Gefahrenabwehr in ihrem Bereich zuständig.

Wie groß ist der Anteil der Bomben, die gesprengt und entschärft werden?

Van Vlodrop: Zwischen ein und zehn Prozent der Bomben werden vor Ort gesprengt, und ein Fünftel der Funde kann ohne Entschärfung abtransportiert werden, weil sie über keinen Zünder verfügen.

Was muss ich beim Bebauen eines Grundstücks beachten?

Van Vlodrop: In NRW prüft die Kommune bei der Aufstellung von Bebauungsplänen oder auch im einzelnen Baugenehmigungsverfahren, ob der Baugrund für die Bebauung geeignet ist. Hierzu führt die Bezirksregierung auf Antrag der Kommune eine Luftbildauswertung durch.

Wenn dabei ein Kampfmittelverdacht entsteht, lässt die Kommune diesen in aller Regel auch überprüfen, bevor die Baumaßnahme genehmigt wird. Diese Überprüfung führt die Bezirksregierung durch oder auch Fachfirmen, die auf Antrag der Kommune von uns beauftragt werden.

Im „Tatort“ lagert ein Mitarbeiter des Räumdienstes von der Polizei konfiszierte Handgranaten. Diese lässt er undokumentiert und ohne Aufsicht in seiner Behörde – „ein Gefallen für einen befreundeten Beamten auf kleinem Dienstweg“. Wie realistisch ist so ein Szenario?

Van Vlodrop: Dieses Szenario ist unrealistisch. Wenn die Polizei Handgranaten sicherstellt, kümmern sich in NRW die Experten des LKA um diese Sicherstellungen. Gelegentlich unterstützen Fachleute der Bezirksregierung sie vor Ort, falls es sich um Kampfmittel aus den Weltkriegen handelt, bei denen deren Fachwissen gefragt ist. Aber eine Aufbewahrung von explosionsgefährlichen Gegenständen – egal welcher Art – an ungeeigneten Orten und ungesichert ist fern der Realität.

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