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US-Gründungsvater Alexander Hamilton wird zur Musicalfigur

Alexander Hamilton (Lin-Manuel Miranda) mit seiner Frau Elizabeth Schuyler (Phillipa Soo) – die Ehe der beiden war nicht immer harmonisch.

Alexander Hamilton (Lin-Manuel Miranda) mit seiner Frau Elizabeth Schuyler (Phillipa Soo) – die Ehe der beiden war nicht immer harmonisch.

Foto: Disney

Nach dem Broadway-Erfolg ist das Musical „Hamilton“ als Filmversion auf Disney Plus zu sehen. Der Clou: Hip-Hop gibt den Ton an.

Seit 2015 sind sämtliche Vorstellungen des Broadway-Musicals „Hamilton“ ausverkauft. Erdacht wurde es von Lin-Manuel Miranda, der auch die Hauptrolle übernahm und einen riesigen Erfolg landete. Unter anderem, weil es als das erste Hip-Hop-Musical gilt und so illustre Gäste wie Barack Obama zum Publikum zählten.

Wer es bisher zu Gesicht bekommen wollte, musste nach New York fliegen oder sich mit einer Audiofassung zufrieden geben. Nun erschien die Filmversion unter der Regie von Thomas Kail auf Disney Plus. Das Musical beleuchtet das Leben von Alexander Hamilton, einem der Gründungsväter der USA, die Geschichte führt die Zuschauer durch die wichtigen Stationen seines Lebens.

Gründungsmythos und Pathos

Das Stück beginnt mit seinem Umzug nach New York. Dort werden sein Kampf in der Revolution und seine Begegnungen mit George Washington, Aaron Burr und seiner Ehefrau Elizabeth Schuyler nacherzählt. Weitere Themen: Seine Arbeit an der Verfassung und sein Wunsch nach einem starken und geeintem Amerika. Darüber hinaus findet auch die Affäre mit Maria Reynolds ihren Platz.

Hamiltons Lebensgeschichte gehört zum Gründungsmythos der USA. Auf der Bühne wird sie recht schnell abgerissen, immerhin muss ein ganzes Leben in unter drei Stunden passen. Vieles wird daher von den Figuren im Lied erzählt, anstatt es schauspielerisch auszuarbeiten. In solchen Szenen steckt jede Menge Pathos und Heldenverehrung. Auf das europäische Publikum kann das zuweilen befremdlich wirken, zumal es einen distanzierteren Blick auf die Figuren haben dürfte.

Musikalisch setzt das Stück vor allem auf Hip-Hop und Rap. Das funktioniert meist gut, aber nicht immer fließt der Rap flüssig aus den Schauspielern heraus. An anderer Stelle passt das wiederum ganz prima zum Konzept des Musicals, etwa wenn Rap und Sprechpassagen so ineinander übergehen, dass sie nicht mehr unterscheidbar sind.

Das Publikum lacht auf Kommando

Darüber hinaus bietet „Hamilton“ auch einiges an Humor – etwa, wenn der englische König George als Witzfigur daherkommt, die immer wieder ausgelacht wird. Das Problem dabei ist nur, dass das Lachen (und der Applaus) des Publikums wie aus der Pistole geschossen kommt. Offenbar leisten die Anheizer hier gute Arbeit, doch authentisch wirkt das nicht. Sieht man darüber hinweg, ist „Hamilton“ ein durchaus unterhaltsames Musiktheater und eine willkommene Abwechslung im Streaming-Angebot.

Hamilton
2 Std. 40 Min.
Onlinestreaming, Disney Plus
FSK k.A., Wertung: 3/5

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