ARD-Film

„Vadder, Kutter, Sohn“ ist beste Familienunterhaltung

Nicht immer leicht, das Gleichgewicht zu halten: Axel Prahl als Vadder Knud mit Jonas Nay als Sohn Lenny in der ARD-Produktion „Vadder, Kutter, Sohn“.

Foto: ARD Degeto/Georges Pauly

Nicht immer leicht, das Gleichgewicht zu halten: Axel Prahl als Vadder Knud mit Jonas Nay als Sohn Lenny in der ARD-Produktion „Vadder, Kutter, Sohn“. Foto: ARD Degeto/Georges Pauly

Essen  Der ARD-Film „Vadder, Kutter, Sohn“ wartet mit großen Darstellern auf. Axel Prahl spielt den sympathischen Haudegen von der Küste.

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Schon in einem der ersten Dialoge im Film steckt all die große Enttäuschung, die immer wieder eine Rolle spielen wird. Lenny trifft auf einen alten Schulfreund, den er zehn Jahre nicht gesehen hat. So lange war er nicht mehr in dem kleinen Dithmarschen-Küstenkaff an der Nordsee, seiner Heimat.

Entsprechend verkrampft reagieren die beiden aufeinander. Zwischen „Mensch, ewig nicht gesehen“ und „Ja denn, ich muss dann auch mal wieder“ fragt Lenny: „Doch nicht Neuseeland?“, und der alte Schulfreund antwortet: „Nee, Wasserwirtschaftsamt.“ Dann ruft er seinen Sohn zu sich.

Der Film „Vadder, Kutter, Sohn“ kommt als Fernsehfilm über einen Familienstreit an der Küste daher, entpuppt sich aber als feingezeichnetes Gemälde von Menschen in außergewöhnlichen Umständen.

Jonas Nay spielt den Sohn Lenny, der den Kontakt zum Vater abgebrochen hat, nachdem die Mutter starb. Er versuchte sein Glück lieber in Hamburg. Da sind offene Wunden und noch mehr Familiengeheimnisse im Spiel, die der Regisseur Lars Jessen aber gekonnt auch einmal im Dunklen lässt. Gerade erst durch diese Rätselhaftigkeit beginnen die Figuren glaubhaft zu werden.

Nordsee eignet sich nicht so gut zum Baden

Axel Prahl gibt den Vater Knud als sympathischen Haudegen, der zwar ein gutes Herz hat, aber auch gern mit gezinkten Karten spielt und bei Sportwetten schwach wird. Das nordische Gemüt musste sich Prahl aber nicht erst mühsam antrainieren. „Ich bin ja in Neustadt in Holstein an der Ostsee geboren“, sagt er, „und wir hatten Verwandte an der Nordseeküste.“ Aber er sei damals enttäuscht gewesen, weil die Nordsee sich nicht so gut zum Baden eignete.

Das Filmteam um Lars Jessen hatte eigentlich mit stürmischem und trostlosem Wetter gerechnet für die Drehtage. Aber dann kam alles anders: Fast jeden Tag schien die Sonne damals im Spätsommer, und so entstand eine fast postkar­tenhafte Atmosphäre für dieses an sich sehr ernste Familiendrama: Schließlich ist der Streit und vor allem das lange Schweigen zwischen Vater und Sohn über die Jahre wie zu einer zweiten Haut geworden.

Probleme in der Krabbenfischerei

Dabei haben beide viel gemeinsam: Das Geschäft von Lenny in Hamburg läuft nicht gut, und auch die Krabbenfischerei von Knud wirft nicht genug ab. Da hilft es nicht, dass Lenny sich betrinkt und Knud eine kleine Lüge über das Geburtsjahr des Shanty-Chores zu einer großen historischen Lüge aufbläst. Und wenn Lenny, der Sohn, seinem Vater väterliche Lebenshilfe gibt, dann ist er es, der wie ein Pubertierender quengelt: „Mach dich mal geschmeidig.“

Familienstreit, lebenslange Freundschaften und die Liebe zu einer schönen Frau: Vater und Sohn machen alles parallel durch. Am Ende singen alle ein Lied, das nicht zufällig nach Element of Crime klingt: Der Gitarrist der Band hat die Filmmusik geschrieben. „Woher auch immer der Wind weht, ich lieb dich – und du liebst mich auch!“

Fazit: Beste Familienunterhaltung mit großen Darstellern, nur wenig Klamauk und immer einer Brise Nordseeluft.

• ARD, Freitag, 6. Oktober, 20.15 Uhr

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