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Zu viel Seehofer-Bashing: Claudia Roth nervt Dunja Hayali

Dunja Hayali: Fünf Dinge, die man über die Moderatorin wissen muss

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Berlin  Viele Themen, wenig Zeit: Mal wieder schaffte es das ZDF-Format nicht, in die Tiefe zu gehen – was diesmal auch an den Gästen lag.

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ZDF-Moderatorin Dunja Hayali hat’s nicht leicht. Besonders beim Fußball gehen hin und wieder die Emotionen mit ihr durch. Dann nämlich, wenn die deutsche Nationalmannschaft spielt. Sobald die Hymne erklingt, springt sie auf, singt mit – bis sie merkt, dass sie damit ziemlich allein ist. „Könnte an meinen Wurzeln liegen“, sagte die Tochter irakischer Christen entschuldigend am Mittwochabend.

Ihr „Talkmagazin“, diese Mischung aus Einspielfilmen und klassischem Talk, befasste sich diesmal, pünktlich zum Tag der Deutschen Einheit , mit den ganz großen Themen: Identität, Einheit, Zusammenhalt.

Gute Ansätze wurden nicht vertieft

„Ost-West gestresst – Wie einig sind wir uns?“, wollte die Moderatorin von ihren Gästen wissen. Und es fing auch vielversprechend an: Hayali besuchte die „Zeit“-Journalistin Valerie Schönian in ihrer ostdeutschen Heimat. Obwohl die 28-Jährige keine Erinnerung an die untergegangene DDR hat, entwickelte sie eine ostdeutsche Identität – aus Trotz und Solidarität, wie sie bekannte. Schönian berichtete von den Umbrüchen in ostdeutschen Biografien, einem Land, das von heute auf morgen verschwand, und enttäuschten Hoffnungen. Über den Osten werde noch immer klischeebehaftet geredet, was sie ärgere.

Die Gedanken der jungen Frau hätten ein guter Anknüpfungspunkt für die anschließende Diskussion sein können. Doch es schien so, als hätten die drei Gäste – neben Schönian hatte Hayalis Redaktion noch den ehemaligen Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Regisseur Leander Haußmann („Sonnenallee“) ins TV-Studio geholt – eine jeweils eigene Agenda mitgebracht.

Ex-Minister de Maizière lobte die Ostdeutschen für höhere Geburtenraten, die tolle Infrastruktur und ein im Vergleich zum Westen oft leistungsfähigeres Bildungssystem. Gleichzeitig forderte er Respekt und Anerkennung für verschiedene Lebensleistungen. Was man halt so sagt als Politiker. Regisseur Haußmann, der 30 Jahre im Osten und 30 im Westen lebte, meinte, dass sich ein Rechtsruck schon 1990 angekündigt hätte. Eine Breitseite gegen Sachsen, das „Tal der Ahnungslosen“, konnte er sich nicht verkneifen.

Schönians Bekenntnis zur ostdeutschen Identität bezeichnete er als „nett“, aber „nicht politisch“. Dass seinen Ausführungen und Gedanken doch etwas die Struktur fehlte, merkte er immerhin irgendwann selber: „Was rede ich hier eigentlich, ich mache ja lustige Filme oder Theaterstücke“.

„Schneller, höher, weiter“ könnte das Motto der Sendung sein

Auch Gastgeberin Hayali schaffte es nicht, der Diskussion Tiefgang zu geben – was auch daran lag, dass sie sofort wieder beim nächsten Thema ist. Sie portraitiert Menschen in den Einspielfilmen, diskutiert mit ihren Gästen, ist im Studio wieder unterwegs zu den Protagonisten des Films. Es geht hin und her. „Schneller, höher, weiter“ scheint das Motto zu sein.

Auch der zweite Block der Sendung, der sich mit Patriotismus und einem unverkrampften Umgang mit Nationalsymbolen beschäftigte, krankte an diesem Problem. Und an Claudia Roth. Die Grünen-Politikerin, die neu in die Diskussion kam, schien es sich so kurz vor der Bayern-Wahl zur Aufgabe gemacht zu haben, CSU-Chef Horst Seehofer in gefühlt jedem zweiten Satz anzugreifen. Das war so ermüdend, dass auch Hayali irgendwann genervt intervenierte und Roths Ausführungen als „schlicht“ bezeichnete.

Neue Erkenntnisse über ein gesundes Nationalbewusstsein oder die Frage, welche Werte etwa Flüchtlingen in ihrer neuen Heimat vermittelt werden könnten, lieferte diese Runde nicht.

Andererseits: Für eine wirklich tiefgehende Auseinandersetzung über das, was Deutschland 29 Jahre nach dem Mauerfall zusammenhält, war an diesem Abend ohnehin keine Zeit.

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