Kino

Film „Foxtrot“: Zwei Schritte vor, zwei zurück

Lior Ashkenazi als trauernder Vater.

Foto: NFP

Lior Ashkenazi als trauernder Vater. Foto: NFP

Samuel Moaz’ Film „Foxtrot“ erzählt von der Ausweglosigkeit des Krieges und der wütenden Trauer eines Vaters.

Rhythmisierte Ausweglosigkeit, das ist der Foxtrott. Das tanzende Paar ist zwar fortwährend in Bewegung, aber es kommt letzten Endes nicht von der Stelle. Zwei Schritte vor, einer zur Seite, dann wieder zwei Schritte zurück und einer zur Seite. So landen die Tanzenden jedes Mal von neuem an ihrem Ausgangspunkt. Dieses ewige Hin und Zurück, das zweifellos etwas Absurdes hat, wird in „Foxtrot“, Samuel Maoz’ zweitem Spielfilm, zu einer hintersinnigen Metapher für das Leben in Israel und die menschliche Existenz im Allgemeinen.

An einem Montagmorgen kurz vor acht bricht die schicke, emotional aber auch sehr anfällige Welt des Architekten Michael Feldmann (Lior Ashkenazi) und seiner Frau Daphna (Sarah Adler) zusammen. Es schellt, und drei Vertreter des israelischen Militärs stehen vor der Tür, um den beiden mitzuteilen, dass ihr gut 20-jähriger Sohn Jonathan (Yonaton Shiray) in heldenhafter Erfüllung seiner Pflicht gefallen ist. Daphna fällt schon in sich zusammen, als einer der Offiziere nur ihren Nachnamen ausgesprochen hat, und muss umgehend sediert werden. Ihr Mann reagiert anders, aber nicht weniger heftig. Er bewahrt zwar die Kontrolle über seinen Körper, aber seine Trauer schlägt sofort in eine unbändige Wut um, die er an den Soldaten und seinem Hund auslässt.

Die späten Folgen traumatischer Ereignisse

In seinem eindringlichen Debüt „Lebanon“ hat Samuel Moaz eigene Erfahrungen aus dem Libanon-Krieg in den frühen 1980er Jahren verarbeitet. Und auch in „Foxtrot“ greift der 1962 in Tel Aviv geborene Filmemacher auf sein Wissen über das israelische Militär und die späten Folgen traumatischer Erlebnisse zurück. Aber zugleich weitet er den Blick. Vom Persönlichen zum Allegorischen ist in dieser dreiaktigen Tragikomödie nur ein ganz kleiner Schritt. Während der erste der drei etwa gleichlangen, stilistisch aber sehr unterschiedlichen Teile des Films sich ganz auf die Trauer eines Vaters konzentriert und einen regelrecht in einen Orkan von Empfindungen hineinzieht, porträtiert der zweite die geisttötende Routine an einem entlegenen Grenzposten. Nun steht Jonathan und dessen kleine Einheit im Zentrum des Geschehens, das deutlich absurde Züge trägt.

Jonathan und seine drei Kameraden leisten ihren Dienst zwar in der Wüste ab. Aber der Container, in dem sie schlafen und essen, rutscht trotzdem Tag für Tag tiefer in eine sumpfige Pfütze. Der kippende Container wird ebenso wie die Foxtrott-Schritte, die Jonathan einmal auf der staubigen Wüstenpiste vollführt, zum Sinnbild eines Lebens, das keinen Ausweg aus einer sinnentleerten Routine kennt. Alleine die Machtspielchen, die die jungen Soldaten mit den von ihnen kontrollierten Palästinensern treiben, bringen ein wenig Abwechslung in ihren Alltag. Zugleich sind sie Ausdruck einer strukturellen Gewalt, deren Nachwirkungen der dritte Teil des Films beschreibt.

Gott ist als Kamerablick senkrecht von oben präsent

Moaz kehrt noch einmal zu Daphna und Michael zurück und erzählt davon, wie traumatische Erinnerungen und nagende Schuldgefühle ein Leben nach und nach zersetzen. Doch am Ende schwingt trotz allem Hoffnung in Moaz’ düsteren Bildern mit, Hoffnung für die Feldmanns und die israelische Gesellschaft. Gott, der als Kamerablick senkrecht von oben in „Foxtrot“ immer präsent ist, mag die Menschen wie einst Hiob und Jona ständig hin und her stoßen, aber auch das kann man mit Humor nehmen. Das menschliche Leben ist absurd, wer das akzeptiert, wird im Foxtrott eine tröstliche Geborgenheit finden.

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