Kabarett

Frank Goosen gibt voller Selbstironie sein Bestes in Siegen

Frank Goosen blickt mit 51 Jahren zurück – und bietet dem Publikum im Lyz ein Best-of seines Werks. 

Foto: Michael Fassel

Frank Goosen blickt mit 51 Jahren zurück – und bietet dem Publikum im Lyz ein Best-of seines Werks.  Foto: Michael Fassel

Siegen.  Frank Goosen, 51-jähriger Schriftsteller und Kabarettist, präsentiert in Siegen sein Best-of: eine Mischung aus Lesung und Anekdoten.

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„Geschichten liegen auf der Straße – man muss sie nur aufheben.“ Dieses Credo hat der Schriftsteller und Kabarettist Frank Goosen verinnerlicht, wenn er im Alter von 51 Jahren auf sein bisheriges literarisches Werk zurückblickt und das Beste daraus auswählt. Mit dem Soloprogramm „Frank Goosen liest quer: Ich und sein Leben“ nahm der gebürtige Bochumer das Publikum im Lyz mit auf eine Reise in seine Vergangenheit.

Was daraus geworden ist? Eine gelungene Mischung aus Lesung und Anekdoten mit einer großen Portion Selbstironie und subtilen Zwischentönen. Dabei fällt dem Publikum schnell auf, dass der Romanautor tatsächlich viel Stoff aus seinem Leben in die Geschichten fließen lässt.

Da ist zum Beispiel sein Opa, der das reale Vorbild für die Figur des ewig gestrigen Onkels Bertram aus dem Roman „Liegen lernen“ darstellt. „Mein Opa ist mir unheimlich auf die Nerven gegangen“, bemerkt Goosen. „Er war auch politisch nicht ganz Mitte“, umschreibt er die braune Gesinnung des Großvaters. Für den Schriftsteller ist damit rückblickend klar, dass er die „Speerspitze des antifaschistischen Kampfes innerhalb der Familie“ gewesen ist. Stolz leuchtet in den Augen des Bochumers.

Eine finstere Seite

Für seine Großmutter, die er liebevoll „Omma“ nennt, hat der Ruhrpott-Poet hingegen lobende Worte übrig. Die heute 94 Jahre alte Frau habe seinen Humor sehr bereichert, der in seinen Texten zu finden ist. So habe sie ihm wichtige Sätze mit auf den Weg gegeben: „Wenn die Sonne weg ist, ist frisch.“ Auf den ersten Blick erscheint diese Aussage geradezu banal, aber Goosen sieht einen tieferen Sinn darin. „Das passt in die heutige Zeit“, sagt er nachdenklich. Ob er damit die aktuelle politische Lage und das Erstarken rechtspopulistischer Strömungen, die globale Erderwärmung oder etwas anderes meint, lässt er offen.

Das Siegener Publikum aber versteht ihn und vor allem seinen Humor, wie die unzähligen Lacher beweisen. Mit feinem Gespür entlarvt er in seinen Geschichten das Skurrile des Alltags und führt Figuren vor, wie beispielsweise den eigenwilligen Manager Frohnberg aus dem Roman „Raketenmänner“, der morgens im Garten einen aufgehängten Maulwurf an einem Luftballon entdeckt. Als sei das nicht genug für einen Tag, scheitert er mittags beim Spaghetti-Kochen kläglich. Der Grund: Der Deckel klebt am heißen Topf fest. Der Manager muss seine 68-jährige Mutter anrufen. Vielen Zuschauern stehen vor Lachen Tränen in den Augen. Nach der amüsanten Passage gibt Goosen unumwunden zu, dass ihm die Geschichte mit dem Topf tatsächlich passiert sei und fügt in verschwörerischem Ton hinzu: „Der Topf war ein Geschenk meiner Schwiegermutter und ich glaube bis heute, dass sie das beabsichtigt hat.“

Bei aller Selbstironie offenbart Goosen auch eine finstere Seite: „Ich kann auch ein richtiger Arsch sein.“ So schickt er Frauen, die ihn früher nicht haben wollten, heute seine Kontoauszüge.

Der ein oder andere Zuschauer mag sich nach der Veranstaltung fragen, was nun wirklich in Goosens Leben passiert ist und was dem Reich seiner Phantasie entstammt. Gänzlich lässt sich bei dem Bochumer Realität und Fiktion nicht trennscharf unterscheiden.

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