Lust aufs Wochenende

Deutsche Skateboard-Meisterschaft im Rahmen der Skate Week

Deutsche Skateboardmeisterschaften an diesem Wochenende

An diesem Wochenende finden die Deutschen Skateboardmeisterschaften im Düsseldorfer Skatepark Eller statt. Veranstalter Norbert Szombati zeigt Tricks und erklärt die Vorraussetzungen, um an dem Event teilzunehmen.

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Bei der "SKTWK" im Düsseldorfer Skatepark Eller tricksen die besten Skateboarder in verschiedenen Disziplinen um die Deutsche Meisterschaft.

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Noch sind es rund 20 Meter Entfernung zum Hindernis. Dann rollt Marcel Kühnemund auf das schwarze Treppengeländer zu, wird schneller und schneller, hebt ab – und landet nach einem blitzsauberen Sprung einen knappen Meter tiefer sicher auf seinem Board. Sollte er auch. Denn der „Ollie“ genannte Trick, den er soeben vorgeführt hat, gilt als einfachste Aktion des Skateboardsports und ist die Grundlage für alle spektakulären Aktionen, die die Zuschauer an diesem Wochenende im Düsseldorfer Skatepark Eller erwarten.

Bei der Deutschen Skateboardmeisterschaft im Rahmen der SKTWK, kurz für „Skate Week“, treten die besten Board-Akrobaten des Landes in verschiedenen Disziplinen um insgesamt 20 000 Euro Preisgeld an.

Mit dabei sind Marcel Kühnemund (29) und Aladin Cabart (30) vom Kollektiv „Almaros“, die mit zwölf Jahren auf der Straße mit dem Skaten anfingen. „Da ist ja immer auch was Rebellisches dabei, denn viele wollen uns Skater gerne von der Straße weghaben. Wir versuchen trotzdem, so viel wie möglich in der Stadt zu sein“, sagen sie.

Und stehen natürlich blutigen Anfängern mit Rat und Tat zur Seite. Denn bis ein „Greenhorn“ als Profi bei Titelkämpfen um Preisgelder mitmischen kann, braucht es einige Jahre Training. Das Einstiegsalter spielt keine Rolle, vor allem kommt es auf Körperbeherrschung und Gleichgewichtssinn an. Am Anfang steht die Wahl des richtigen Bretts. „Gute Boards für Anfänger gibt es ab ca. 180 Euro. Wichtig ist, dass keine Supermarkt-Skateboards gekauft werden. Da stoppen die Rollen eher, als dass sie rollen“, sagt Kühnemund.

Zu Beginn gilt es, die Grundlagen zu perfektionieren: „Einfach nur fahren, geradeaus und Kurven. Viele Anfänger haben keinen Gleichgewichtssinn und versuchen sich trotzdem direkt an Tricks.“ Wichtig ist auch, sich nicht von Stürzen entmutigen zu lassen und „dann aus Frust direkt anzufangen, Kickroller zu fahren“, wie es Kühnemund ausdrückt.

Auf eine Feststellung legen die Jungs von „Almaros“ darüber hinaus besonderen Wert: Skateboardsport ist viel mehr als nur das Aufführen von Tricks auf Holzbrettern mit Rollen. Die SKTWK huldigt so auch der Kunst drumherum und präsentiert sie im Düsseldorfer Stadtgebiet (siehe Zweittext).

Härtetest für die brandneue Anlage

Natürlich sind aber die Titelkämpfe das Herzstück der Veranstaltung. Für sie könnte es keine passendere Location geben als den erst im Juni neu eröffneten Skatepark Eller an der Heidelberger Straße. Er ist mit 3800 Quadratmetern Fläche der größte in Deutschland und kommt auch bei Straßenskate-Liebhabern wie Marcel Kühnemund gut an: „Das ist ein cooles Areal mit vielen Möglichkeiten. Aber man wird uns Skateboarder trotzdem niemals von der Straße kriegen.“

Schon gewusst?

Historie. Der Skateboard-Sport hat seinen Ursprung in den 60er-Jahren. Die Skater der ersten Stunde übertrugen den in den 50ern in den USA populär gewordenen Surfsport auf Asphalt und Beton. Material und Konstruktion gelten mittlerweile als ausgereift. Seit den 80-ern ist Skateboarding als Wettkampfsport etabliert, 2020 ist er in Tokio erstmals olympisch. Dafür qualifizieren können sich Skater u.a. bei den Deutschen Meisterschaften 2019 – wieder in Düsseldorf übrigens.

900°. Dem US-Amerikaner Tony Hawk gelang es bei der Veranstaltung „X-Games“ im Juni 1999 als ersten von bislang nur zehn Skatern, den als schwersten Trick der Welt bezeichneten „900°“ öffentlich aufzuführen. Dabei handelt es sich um eine zweieinhalbfache Drehung des Skaters in der Luft.

Regen. Der größte Feind des Skateboarders. „Selbst bei leichtem Fisseln wird es auf dem Asphalt schon rutschig“, sagt SKTWK-Mitveranstalter Norbert Szombati. Regnet es bei Wettbewerben, werden z.B. Qualifikationsturniere gestrichen. Geskatet wird nur bei Trockenheit.

60 Sekunden Zeit für ein Jahr Ruhm

Bis Sonntagabend ist Düsseldorf Deutschlands Skateboard-Hauptstadt. Zunächst steht das künstlerische Element des Sports im Vordergrund. Die „Skateable-Art“-Ausstellung zeigt am heutigen Donnerstag ab 16 Uhr (Rheinufer, Oberkasseler Brücke) farbenfrohe Installationen, Plastiken und Board-Designs. Am Freitag geht es um 15 Uhr erstmals aufs Brett. Für besonders beeindruckende Leistungen bei der „Real Street-Challenge“ (Kunsthalle) werden die ersten 4000 Euro Preisgeld ausgeschüttet. Abends ab 22 Uhr flimmern Skateboard-Videos über die Leinwand des „Atelier Kino“. Die Deutsche Meisterschaft im Skatepark Eller startet mit einer für jeden offenen Qualifikation am Samstag um 13 Uhr (Anmeldung ab 10 Uhr), das Finale beginnt am Sonntag um 12.30 Uhr. In jeweils einer Minute müssen die Sportler in den Kategorien „Street“ (Kursaufbau nach Straßenvorbild mit u.a. Geländern und Treppen) und „Park“ (freies Fahren in der Rundung) möglichst viele Tricks fehlerfrei zeigen – um bestenfalls nächstes Jahr als Titelverteidiger wiederzukommen.

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