Film

„Filmwissen online“ – ein Portal für Einsteiger und Fans

| Lesedauer: 4 Minuten
Fast 100 Jahre ist es her: 1928 filmten MGM-Mitarbeiter den Löwen Jackie für das Firmenlogo.

Fast 100 Jahre ist es her: 1928 filmten MGM-Mitarbeiter den Löwen Jackie für das Firmenlogo.

Foto: Deutsche Filmakademie e.V.

Essen.  Zusammen mit sechs anderen Institutionen bietet das Düsseldorfer Filmmuseum nun einen interaktiven Einstieg in die Historie des Mediums an.

Hand aufs Herz: Kennen Sie Lotte Reiniger? Wenn nein, geben wir hier gerne ein wenig Nachhilfe. Die 1899 in Berlin geborene Künstlerin hatte in ihren jungen Jahren zwei große Leidenschaften: Silhouetten-Puppenspiel und Film, insbesondere die im frühen 20. Jahrhundert entstehende Animationskunst faszinierte sie. Nach einigen Jahren Schauspielunterricht am Deutschen Theater in Berlin versuchte sich Reiniger selbst als Regisseurin. Und kreierte 1926 mit „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ einen Meilenstein. Denn bei dem 66 Minuten langen Silhouetten-Animationswerk handelt es sich um den ältesten noch erhaltenen Trickfilm der Welt.

Wie Reiniger bei der Gestaltung und Technik vorging, erfahren Interessierte nun auf einer neuen Internet-Plattform. „Filmwissen online“ heißt das gemeinsame und kostenfreie Projekt der Deutschen Filmakademie mit dem DFF Frankfurt, dem Filmmuseum Düsseldorf, dem Hamburger CineGraph-Zentrum, dem Haus des Dokumentarfilms Stuttgart, der Stiftung Deutsche Kinemathek sowie dem Filmmuseum Potsdam.

„Filmwissen Online“ beschäftigt sich mit abwechslungsreichen Themen

Da kommt natürlich so einiges an exklusiven Exponaten und Fachwissen zusammen, Teile des Nachlasses von Lotte Reiniger besitzt beispielsweise das Filmmuseum Düsseldorf. Texte, Bilder und gar kurze, teils über 100 Jahre alte Videoclips geben Einblicke in Drehbuch und Handlung sowie technische Feinheiten bei der Produktion eines Films. Das Themenspektrum ist groß: Neben den bereits erwähnten Pioniertaten in Sachen Animationsfilm gibt es Kapitel zu Western, Dokus, Werbung, Reisereportagen sowie Texttafeln in Stummfilmen.

Letztere waren zu ihrer Hochphase in den 1920er-Jahren nicht überall beliebt. Gegen den Willen der Regie wurden sie von den Produzenten regelmäßig in die Filme montiert. Grund dafür: Sie glaubten, das Publikum so besser zu erreichen und eventuelle Missverständnisse zu beseitigen. Nicht wenige Regisseure verstanden das als Angriff auf ihre künstlerische Arbeit. Zudem bargen die oft Dialoge abbildenden Tafeln das Risiko, die ursprünglich von der Regie angedachte Handlung zu verändern.

Vor- und Nachteile von Texttafeln

René Claire, ein bis in die 60er-Jahre aktiver Regisseur erfolgreicher früher Tonfilme wie „Unter den Dächern von Paris“ (1930) formulierte eine klare Meinung: „Einer der Schwachpunkte des Stummfilms waren die schlechten Zwischentitel. Dafür gibt es im Tonfilm den schlechten Dialog, der aber wenigstens die Bildkette nicht zerlegt.“

Ein anderes Kapitel handelt von einem weiteren Pionier. Julius Pinschewer, 1883 in Hohensalz im heutigen Polen geboren, war ausgebildeter Volkswirt. 1910 gründete er die erste deutsche Werbefilmproduktion. Mit einiger Überredungskunst gelang es ihm, innerhalb von zwei Jahren Verträge mit rund 500 Kinos abzuschließen. So lief vor jeder Vorstellung ein ein- bis zweiminütiger Werbefilm für Pinschewers Geschäftspartner. Oder, wie er seine Erfindung selbst bezeichnete: „Ein lebendes Plakat.“

Material und Technik

Darüber hinaus stellt „Filmwissen Online“ auch alte Videokamera-Modelle vor. Die wurden zum Großteil noch aus Holz gefertigt, waren sehr schwer, ließen sich nicht schwenken. Das Filmmaterial im Magazin der Kamera ermöglichte Aufnahmen von maximal 120 Sekunden Länge.

Jeweils zehn Quizfragen zu den einzelnen Kapiteln runden das kostenfreie Angebot ab. Erweiterungen sind noch im laufenden Kalenderjahr geplant. Eins wollen wir an dieser Stelle aber vorab noch verraten: Julius Pinschewers erster Werbefilm pries 1910 eine Berliner Boutique für Korsette an. Die erste deutsche Bewegtbild-Werbung widmete sich – in überaus konservativen Zeiten – also ausgerechnet Frauenunterwäsche. Anscheinend galt diesbezüglich also schon vor 112 Jahren: Nichts ist unmöglich.

Zu finden ist das Angebot unter https://filmwissen.online

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