Musik

Gänsehautmomente zum Finale der Ruhrtriennale

Steven Sloane, Generalmusikdirektor der Bochumer Symphoniker.

Foto: Felix Heyder

Steven Sloane, Generalmusikdirektor der Bochumer Symphoniker. Foto: Felix Heyder

Bochum.   Die Bochumer Symphoniker glänzen im Anneliese-Brost-Musikforum der Stadt unter Steven Sloane mit Ludwig van Beethovens „Missa Solemnis“.

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Mag die Ruhrtriennale sich als Hort der Kunst-Kreationen verstehen – ihr musikalisches Finale war ganz und gar puristisch. Mit einem Zitat aus Beethovens Neunter („Seid umschlungen“) hatte Johan Simons seine drei Intendanten-Jahre betitelt, mit Beethovens „Missa Solemnis“ gingen sie am Wochenende ihrem Ende zu.

Ein heikles Werk, ein schwieriges Werk, bis heute in Teilen gar provokant, denkt man nur an die militärmusikalische Aura, die im „Agnus Dei“ aufzublitzen wagt: Der Notentext kann das Ringen und Kämpfen des Bonner Titanen nicht verhehlen. Steven Sloane weiß, dass man viele Schlüssel braucht, um die Tür zum Mysterium des fast 80-minütigen Riesenwerks aufzustoßen. Bochums Generalmusikdirektor erlag nicht der Versuchung zur nivellierenden Deutung „aus einem Guss“. Klar, dramatisch trennscharf und mit jenem Mut zu Extremen, an den die Partitur ohne Zweifel appelliert, ließ er Bochums Symphoniker spielen.

Hier pastos an der Grenze zum Hörbaren, dort (beispielhaft im anspruchsvollen Triumph des „Gloria“-Finales) in bestechender Präzisionsarbeit. Über die feingliedrige Klangkultur des Orchesters darf man nur staunen. Wenn im „Sanctus“ Holzbläser und Streicher das schlanke Echo eines Lamento der Renaissance bildeten, das war, wie Raphael Christs bewegendes Violinsolo, ein Gänsehautmoment dieses Abends im Musikforum. Apropos Gänsehaut: Was für ein Pfund, zum Triennale-Finale den Tschechischen Philharmonischen Chor Brno zu gewinnen. Allein die Piano-Kultur: zum Frommwerden schön! Es war ein guter Abend. Weniger Stör-Huster hätten ihm eine noch größere Konzentration geschenkt.

Die „Missa“-Konzerte waren Teil der großen „Beethoven Experience“ der Bochumer Symphoniker: Noch den ganzen Oktober ist die Vielfalt des großen Komponisten vom Kunstlied bis zum Kinderkonzert zu erleben. Einzelheiten und Termine unter: www.bochumer-symphoniker.de

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