PREISVERLEIHUNG

Golden Globes 2019 waren ein breit gestreutes Oscar-Orakel

Freudentränen: Glenn Close, beste Drama-Hauptdarstellerin.

Freudentränen: Glenn Close, beste Drama-Hauptdarstellerin.

Foto: RTR / Handout

Washington.   Golden Globes für Glenn Close, den Queen-Film „Bohemian Rhapsody“ und „Green Book“. Favoriten gingen immer wieder leer aus, ebenso die Deutschen.

Gäbe es einen Preis für die glaubwürdigste Ach-Gottchen-damit-habe-ich-ja-nun-im-Traum-nicht-gerechnet-Reaktion, Glenn Close hätte ihn sicher. Als die 71-Jährige am Sonntag in Beverly Hills für ihre Rolle in „Die Frau des Nobelpreisträgers“ (The Wife) den „Golden Globe“ für den besten weiblichen Drama-Part zugesprochen bekam, kochten die Emotionen kurz so authentisch über wie selten bei Preisverleihungen für Menschen, die auskömmlich dafür bezahlt werden, überrascht tun zu können. Close nahm die Ehrung freudentränenreich zum Anlass, Frauen zu ermutigen, ihre Träume zu verfolgen und sich nicht männlichen Allüren zu unterwerfen.

Dass sie das Rennen machte und nicht Lady Gaga für das bezaubernde Musikdrama „A Star Is Born“, war gewissermaßen symptomatisch für die 76. Ausgabe der zwischen Emmys und Oscars um Aufmerksamkeit buhlenden Leistungshow. Die knapp 90 Auslands-Journalisten in Hollywood, deren Tun oft als Orakel für die prestigeträchtigeren Oscars (24. Februar) gewertet wird, streuten auch diesmal ihre Gunst so breit, dass am Ende der drei Stunden kein Film so richtig über alle anderen triumphierte. Deutschland hatte nichts zu freuen. „Werk ohne Autor“ von Florian Henckel von Donnersmarck blieb gegen das von Netflix produzierte Mexiko-Melodram „Roma“ als bester nicht-englischsprachiger Film berechtigterweise chancenlos. Auch Daniel Brühl, der mit der Krimiserie „The Alienist“ nominiert war, ging leer aus.

„Green Book“ als stiller Großgewinner

Generell galt diesmal: Je mehr Nominierungen vorher, desto größer die Enttäuschung. Davon profitieren konnten Werke wie „Bohemian Rhapsody“ (bestes Drama), die Verfilmung der leider an vielen Stellen nicht ganz akkurat erzählten Geschichte der Rock-Band Queen. Rami Malek (37) gewann hier für seine vorbissige Darstellung von Front-Mann Freddy Mercury den Preis als bester Drama-Hauptdarsteller. Zu den stillen Großgewinnern des Abends zählt Peter Farellys „Green Book“, der als beste Komödie reüssierte und fürs beste Drehbuch und, mit Mahershala Ali, für den besten Nebendarsteller ausgezeichnet wurde.

Der in Deutschland ab 31. Januar zu sehende Film folgt (ebenfalls nicht ganz tatsachentreu) dem Leben des New Yorker Jazz-Musikers Don Shirley, der sich in den rasend rassistischen 60er-Jahren von einem weißen Chauffeur (berührend: von Viggo Mortensen) durch die Südstaaten kutschieren ließ. Danach sind beide Männer wie verwandelt. Was man auch Christian Bale attestieren muss. Für die Aneignung der mimisch spartanischen Rolle von Schlimmfinger-Ex-Vizepräsident Dick Cheney in „Vice“ fraß sich der heitere Waliser gut 25 Kilogramm an. Bale, der die Ehrung als bester Nebendarsteller in einer Komödie erhielt, bezog die Inspiration für die Rolle nach eigenen Angaben bei Satan persönlich.

Moderation oft bemüht und flachwitzig

Weniger teuflisch oder gar provozierend gebärdeten sich die Moderatoren. Hätte die kanadisch-koreanische Aktrice Sandra Oh für die BBC-Produktion „Killing Eve“ nicht selbst einen Preis erhalten, man hätte schnell vergessen, dass sie mit dem Komiker Adam Samberg oft bemüht und flachwitzig durch den Abend führte. Was wiederum Leute wie Olivia Colman kompensierten. Für die unbedingt zu empfehlende Komödie „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ (ab 24. Januar), die herrlich zerstörerische Frauenpower am königlichen Hofe im England des 18. Jahrhunderts thematisiert, heimste die urkomische Frau aus Norwich den Preis als beste Darstellerin in einer Komödie ein.

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