MUSIKPREISE

Grammys 2019 gerieten zur beeindruckenden „Ladies Night“

Diana Ross war Stargast der 61. Grammy-Verleihung.

Diana Ross war Stargast der 61. Grammy-Verleihung.

Foto: Emma McIntyre

Los Angeles  2019 waren Männer bei den Grammys nur Statisten. Gefeiert wurden bei der Vergabe der Musikpreise etwa Alicia Keys, Lady Gaga und Michelle Obama.

. Im Nachhinein kann man Neil Portnow fast dankbar sein für die ungeschlachten Worte. Nachdem die 60. Auflage der goldenen Grammophon-Vergabe 2018 wegen massiver Männer-Schlagseite in Verruf gekommen war, kramten US-Zeitungen eine Studie der Universität von Süd-Kalifornien hervor. Danach waren zwischen 2013 und 2018 über 90 Prozent der für den „Grammy“ Nominierten männlich. Trotzdem sagte der Präsident der „National Academy of Recording Arts and Sciences“ sinngemäß: Frauen müssten einfach mal einen Zahn zulegen, wenn sie gewinnen wollen. Der Sturm der Entrüstung, der im Zeitgeist von #MeToo einsetzte, kostete Portnow den Job.

Vor seinem Abgang im Juli wollten der Musik-Manager und die ihn tragende Jury offenbar demonstrativ zeigen, dass es auch radikal anders geht. Die 61. Auflage der bedeutendsten Musikpreisvergabe der Welt geriet am Sonntagabend zu einer beeindruckenden „Ladies Night“. Männer waren Statisten.

Alicia Keys als Zeremonienmeisterin des Abends

Dass es so kommen würde, deutete sich schon an, als die an Warmherzigkeit und Lässigkeit schwer zu überbietende Zeremonienmeisterin des Abends, Alicia Keys (selber schon mit 15 Grammys geehrt), zum Auftakt neben Kolleginnen wie Lady Gaga einen Rockstar aus dem Politikfach auf die Bühne bat: Michelle Obama.

Unter tosendem Beifall formulierte die beliebte Ex-Präsidentengattin ein Kurz-Plädoyer für die Strahlkraft der Musik: „Ob wir Country, Rap oder Rock mögen: Musik hilft uns dabei, uns selbst, unsere Würde und unser Leid, unsere Hoffnungen und Freude zu teilen.“ Danach rief Alicia Keys in das prall gefüllte Staples Center von Los Angeles: „Wer regiert die Welt?“

Album des Jahres kommt von Kacey Musgraves

Zum Beispiel Kacey Musgraves. Die 30-jährige Texanerin, die der Country-Musik mit psychedelischen Einsprengseln und sozialkritischen Texten ihre Biederkeit nimmt, nahm für „Golden Hour“ den Hauptpreis - Album des Jahres - mit nach Hause. Als erste Frau in der Grammy-Geschichte bekam Cardi B („Invasion of Privacy“) den Preis für das beste Rap-Album. Die erst 23 Jahre alte Britin Dua Lipa („Masseduction”) etablierte sich als beste Newcomerin. Gabriella Wilson (Bühnen-Name H.E.R.) legte das beste Album in der Kategorie R&B vor. Die Liedermacherin Brandi Carlile und ihr unter die Haut gehender Hit „The Joke“ holten drei Preise, wenn auch nicht in den prestigeträchtigen Kategorien. Lady Gaga wurde unter anderem in der Sparte bestes Duo für ihre Hymne „Shallow“ aus dem für den Oscar gehandelten Film „A Star is Born“ geehrt.

Der hohe Frauen-Anteil bei den Auszeichnungen, nur neun von 84 wurden während der fast vierstündigen Show im Fernsehen vergeben, spiegelte sich auch auf der Bühne wider. Nur in fünf von 18 Live-Darbietungen kamen Männer vor. Wobei nur der Auftritt des stimmgewaltigen Country-Duos Dan Smyers und Shay Mooney in Erinnerung bleiben dürfte. Stattdessen verbeugten sich Jung-Stars wie Miley Cyrus und Katy Perry gemeinsam mit der Country-Königin Dolly Parton bei Hits wie „Here you come again“ und „Jolene“ vor dem Lebenswerk der 73-Jährigen. Diana Ross durfte ganz in Rot mit Kleinodien wie „The Best Years of My Life“ und „Reach Out and Touch“ ihren im März nahenden 75. Geburtstag vorfeiern. Janelle Monáe nahm bei ihrer futuristischen Version von „Make me feel“ Anleihen bei Prince. Yolanda Adams, Andra Dey und Fantasia zauberten zur Erinnerung an die verstorbene Soul-Diva Aretha Franklin eine stimmgewaltige Version von „A Natural Woman“. Jennifer Lopez versuchte sich, nur halb gelungen, an einem sechs-minütigen Motown-Medley. Für Gänsehaut sorgten die jungen „Chloe x Halle“, die 40 Jahre nach dem Tod von Donny Hathaway dessen Klassiker mit Roberta Flack „Where is the love“ interpretierten.

Donald Glover sorgt für den besten Song

Gab es den gar keine Männer mit Grammys? Doch. Der multitalentierte Afro-Amerikaner Donald Glover (Bühnen-Name „Childish Gambino“) machte Geschichte mit dem großartig Waffengewalt und Rassendiskriminierung reflektierenden „This is America“. Zum ersten Mal wurde damit Rap für den besten Song und die beste Aufnahme prämiert. Aber Glover blieb der Feier wie viele andere Stars fern. Aus Protest. Männer können gewinnen. Und gleichzeitig doch verlieren.

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