Klassik

„Hänsel und Gretel“ machen Musikforum Ruhr opernreif

Szene aus „Hänsel und Gretel“ - es gab am Wochenende drei Aufführungen im  Musikforum Ruhr.

Szene aus „Hänsel und Gretel“ - es gab am Wochenende drei Aufführungen im Musikforum Ruhr.

Foto: Sabine Hahnfeld

Bochum.   Große Oper im Bochumer Musikforum: Steven Sloane leitete am Wochenende drei Aufführungen von „Hänsel und Gretel“.

Es war einmal ein neu erbautes Konzerthaus, dem als I-Tüpfelchen zur Schönheit ein kompletter großer Opernabend fehlte... Nicht immer hilft das Wünschen, aber das wahr gewordene Märchen des 2016 eröffneten Anneliese Brost Musikforums Ruhr hat mit dem letzten Wochenende Opernreife erlangt.

Ob halbszenische Konzepte, die im Revier bislang selten glücklich ausgingen, tragfähig sind, wird man auch nach den drei stark besuchten Aufführungen von „Hänsel und Gretel“ fragen dürfen. Ein Plädoyer für das Haus als Ort großer Opernklänge war das ehrgeizige Unternehmen zweifellos. Vielleicht hat Bochum unter den (Duisburg mitgezählt) vier neuen Konzerthäusern der Region die wärmste, nahbarste Akustik: Hier umarmt einen die innige, nie schwülstige Romantik regelrecht, wie Steven Sloane sie mit Bochums Symphonikern feinstschattiert auffächert. Exemplarisch schön: das Zwischenspiel „Waldmorgen vor dem Knusperhaus“ – die Linien, die Engelbert Humperdinck so raffiniert zeichnet, flossen wundergleich natürlich, hatten Glut, wo nötig, spiegelten aber nicht minder farbenreich einen Kosmos aus Hoffen und Bangen, der nicht von dieser Welt ist.

„Hänsel und Gretel“ in Bochum - ein Triumph der Symphoniker, die szenische Lösung ist ambivalent

Dem Ziel, Oper für die ganze Familie zu bieten, war die Yannick Verweij und Lotte de Beer anvertraute Inszenierung geschuldet. Sie hilft sich in einem Haus, das für Musiktheater nicht gebaut ist, so gut es geht. Es gab von sichtbaren Spielern geführte Puppen (zu klein, um ernsthaft Wirkung zu entfalten) und hinter dem Orchester eine große Projektionsfläche, die mit Armutsbezügen und Kinderzeichnungen (Angst vor dem Mann vom Jugendamt) einen Bogen zur Gegenwart schlägt. Aber ein einsam kreisendes Bonbon als Symbol für die Magnetwirkung des Hexenhauses, das war recht mager.

Das respektable Sänger-Ensemble, aus dem Peter Marshs heldisch auftrumpfende Knusperhexe, Thomas Oliemans deftiger Vater und der betörend reine Sopran Alexandra Floods (Gretel) herausragten, kam nicht weniger in den Genuss heftigen Applauses als der Kinderchor der Dortmunder Chorakademie.

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