ALBUM

Jonas Kaufmann führt ins Reich der französischen Oper

Der Tenor Jonas Kaufmann.

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Der Tenor Jonas Kaufmann. Foto: dpa

  Schon wieder gibt es ein Album von Jonas Kaufmann: „L’Opéra“. Darauf zeigt er sich mehr als Kraft-Tenor – und weniger als eleganter Zauberer.

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Es gibt wenig, was Deutschlands derzeit wohl populärster Tenor noch nicht gesungen und eingespielt hat. Nun hat sich der 48-Jährige in seinem jüngsten Album „L’Opéra“ konzentriert mit der französischen Oper des 19. Jahrhunderts auseinandergesetzt – um kurz nach den Aufnahmen dazu bereits live in London als Verdis „Otello“ stramm zu stehen.

Fast alles was Kaufmann zusammen mit dem elegant-schwelgerischen Bayerischen Staatsorchester unter Bertrand de Billy jetzt bei Sony vorlegt, klingt dagegen kraftvoll. Jeder Takt, jede Phrase zeugt vom unbedingten Gestaltungswillen, einer über Jahre erarbeiteten Auseinandersetzung mit dem französischen Fach. Zu dessen Exponenten gehören Meyerbeer, Thomas – den Wilhelm Meister in „Mignon“ hatte Kaufmann vor Zeiten auch in seinem Bühnen-Repertoire – Gounod, Massenet, Berlioz, Offenbach oder der fast vergessene Edouard Lalo.

Kaufmanns Stimme zeigt keine Ermüdungserscheinungen, klingt wohl aber kehlig-gaumig im Piano, in der tieferen Lage. Da scheint oft eher der väterliche Freund als der jugendliche Held zu singen. Und: Die typisch französische „voix mixte“, eine Mischung zwischen Brust- und Kopfstimme, produziert Kaufmann auf eine eher grobkörnige Art.

Musikalisch nur bedingt „französisch“

Hörbar länger ist es her, dass er Massenets „Werther“ auf der Bühne sang. Und auch bei Carmens Don José oder Gounods Roméo klingt vieles wattig, manches steif und vor allem: wenig elegant.In den Duetten mit Sonya Yoncheva (Massenets „Manon“) prunkt Kaufmann mit Wucht, präsentiert sein intaktes Instrument ohne Höhenprobleme. All das klingt trotz fast perfekter Behandlung der Sprache musikalisch nur bedingt „französisch“.

Bei den Partien wie Massenets „Cid“ oder Berlioz’ Énée aus „Les Troyens“ bewegt er sich bereits im Bereich des Heldentenors, für den er über genügend Kraft, Aplomb und Virilität verfügt. Nur damit allein verzaubert ein Des Grieux keine Manon, kein Vasco da Gama eine meyerbeersche „L’ Africaine“ und Roméo keine Juliette.

„L’Opéra“ (Sony, ca. 16 Euro) bietet also ein überwiegend gemischtes Hörerlebnis.

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