Kunst

Josef Albers von allen Seiten in der Villa Hügel

Albers zurm Quadrat: „Interaction“ in der Essener Villa Hügel

Foto: STEFAN AREND

Albers zurm Quadrat: „Interaction“ in der Essener Villa Hügel Foto: STEFAN AREND

Essen.   Die Villa Hügel in Essen zeigt den Bauhaus-Künstler Albers ebenso wie den Maler, der mit Quadraten die Farb-Wirkung erforschte.

Die Villa Hügel auf den Hängen des Baldeneysees hat schon vieles erlebt, aber einen derart krassen Gegensatz wohl selten: Die historistischen Gemächer des Kruppschen Prunkbaus sind die Kulisse für einen Künstler, der berühmt ist für abstrakte Malerei hoch zwei, für die radikale Reduzierung seiner Bildsprache: Josef Albers (1888-1976). Da atmet der Ausstellungstitel für die erste Albers-Retrospektive seit drei Jahrzehnten einen Hauch von Ironie: „Interaction“.

Der malende Erforscher von Farben und ihrer Wirkung steht in der Villa Hügel im Mittelpunkt, aber letztlich geht den Kuratoren Heinz Liesbrock und Ulrike Growe vom Bottroper Museum Quadrat um den ganzen Albers. So sehen wir auf dem frühesten der rund 170 gezeigten Werke eine „Westfälische Landschaft“ von 1914, die der in Bottrop geborene und aufgewachsene Malermeistersohn in zeittypisch expressionistischer Manier aufs Blatt warf. Der Volksschullehrer, der er auf Drängen des Vaters wurde, war doch kein Beruf für ihn. So ging Albers, nach weiteren Studienjahren in Berlin und München, mit 30 ans Bauhaus, als ältester Student, der sich dort je einschreiben sollte. In Weimar wurde er zum Glaskünstler.

Bitterarm, sammelte er auf der Müllhalde der Stadt weggeworfene Flaschen und anderes Glas und fertigte daraus Neues, indem er Flaschenböden und andere Scherben in holzgerahmte Zinkbleche einfügte, in die er passende Löcher geschnitten hatte. In der Villa Hügel sind die Arbeiten hinterleuchtet, auf dass die „Magie des Glases“ ihre Wirkung entfalte. Es sind die kühnsten Werke der Ausstellung, glühende Collagen, die einen Schwitters profan wirken lassen.

Die Bauhaus-Phase, in der Albers als Lehrer auch seine spätere Frau kennenlernte, ist mit monochrom bunten Satztischen, einem Armlehnstuhl, einem Teeglas oder einem Hocker vertreten. Seine Arbeiten aus gesandstrahltem Glas aus dieser Zeit erinnern frappierend an die Textil-Muster, die seine Frau in dieser Zeit entwarf, bevor sie dann ebenfalls ins Bauhaus-Kollegium aufschloss (was derzeit ja in der Düsseldorfer Kunstsammlung NRW nachzuvollziehen ist, die Anni Albers ebenfalls mit einer großen Retrospektive würdigt).

Was nach der von den Nazis erzwungenen Bauhaus-Schließung wie eine Flucht aussieht, erweist sich für Albers als Befreiung: Erst in den USA wird Albers zu dem Maler, als den ihn heute alle Welt kennt. Mehrere Dutzend jener „Homage to the Square“-Bilder versammelt die Ausstellung, darunter sowohl das erste (etwa 1950), das noch mit Weiß, Grau und Schwarz auskommt, als auch das letzte von 1976, das ein Himmelblau mit zwei Grün-Tönen umrahmt und, wie so viele dieser Quadrat-im-Quadrat-Bilder von innen her zu glimmen scheint. Zumal es ja gar keine Huldigung an die rechteckige Form war, sondern eine an die Farbe, die in unterschiedlichen Kombinationen und Geometrien je anders wirkte. 21 internationale Leihgeber sorgen für eine unvergleichliche Dichte an Variationen. Von diesen Farbforschungsversuchen hat Albers übrigens Hunderte weggeworfen, weil er unzufrieden damit war.

Meditative Ikonen des 20. Jahrhunderts

Die Austellung, von der Krupp-Stiftung zu ihrem 50-jährigen Bestehen gefördert, zeigt aber auch Albers’ Weg dorthin, der nicht zuletzt über eindrucksvolle Reisen führte: „Mexiko“, sagte Albers mit Blick auf indianische Malereien dort, „ist das gelobte Land der ab­strakten Kunst“. Und auch eine überraschende Seite beleuchtet die Schau: Albers, der gläubiger Katholik war, ging es eigenem Bekunden zufolge in seiner Malerei auch um „die meditative Ikone des 20. Jahrhunderts“. Diesem Zusammenhang ist ebenso ein eigener Raum gewidmet wie Albers’ Wirkung auf jüngere Künstler wie Agnes Martin, Donald Judd und Robert Ryman.

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