Kino

„Dem Horizont so nah“: Eine komplizierte Beziehung„Dem Horizont so nah“: Eine komplizierte Beziehung

Jessica (Luna Wedler) und Danny (Jannik Sch¸mann) auf ihrer Reise in den USA

Jessica (Luna Wedler) und Danny (Jannik Sch¸mann) auf ihrer Reise in den USA

Foto: Bernd Spauke

Die Verfilmung des Teenager-Dramas „Dem Horizont so nah“ bewegt sich weitgehend auf dem Niveau der Romanvorlage – überzeugt aber schauspielerisch

Was ist die nächstbeste Rolle nach dem Durchbruch? Luna Wedler (Foto li.), 1999 in Zürich geboren, hatte zur Beantwortung dieser Frage das seltene Glück einer doppelten Chance. Erste nachhaltige Aufmerksamkeit erregte sie vor zwei Jahren mit „Blue My Mind“, einem intensiven Teenagerdrama, für das sie den Schweizer Filmpreis bekam und für ihr Land als European Shooting Star nominiert wurde. Für die nächste Hauptrolle ein Jahr später in „Das schönste Mädchen der Welt“ – einer modernen Liebesgeschichte unter Teenagern auf der Basis von Rap-Einlagen – drehte sie erstmals in Deutschland und wurde völlig zu Recht zum vielversprechendsten Talent ausgerufen.

Mit „Dem Horizont so nah“ ergab sich für die junge Schauspielerin nun wieder die Möglichkeit, in einer Hauptrolle zu glänzen. „So ganz ist das zwar nicht mein Genre, weil ich mit Liebe, Kitsch und Freude eher nicht so gut beim Spielen umgehen kann,“ sagt sie. „Aber deshalb wollte ich mich mit diesem Film mal richtig fordern, mit Vollgas in eine Liebesgeschichte reingehen.“

Ein Geheimnis, das alles verändern wird

Diese Rollenwahl war nicht ohne Risiko, denn Jessica ist eine behütete 18-Jährige, die eine vielversprechende Zukunft vor sich hat und erste eigene Schritte wagen will.

Als ein Samstagabend unter Freunden aus dem Ruder zu laufen droht, kommt Danny (Jannik Schümann, Foto re.) ins Spiel, der etwas älter ist, unverschämt gut aussieht und als Model arbeitet. Auch wenn es nicht auf Anhieb funkt, werden die beiden ein Paar. Da ist aber erstens noch Tina (Luise Befort mit einem starken Auftritt), die merkwürdigerweise bei Danny wohnt, und es gibt ein persönliches Geheimnis, das er Jessica jedoch erst nach heftigem Drängen anvertraut; ein Geheimnis, das alle Gefühle der beiden einer harten Prüfung unterzieht.

Allen wichtige Aspekte des Romans sind drin im Film

Es gibt laut Verkaufszahlen eine Menge Leute unter 30, die Jessica Kochs seit 2016 erschienene, autobiografische „Danny“-Trilogie verschlungen haben. Denen darf gesagt sein, dass Tim Trachtes Verfilmung des ersten Danny-Romans auch alle wesentlichen Aspekte der anderen beiden Bücher enthält.

Was die eine gute Nachricht ist: Man wird also wohl nicht mit weiteren Filmen aus diesem Zyklus rechnen müssen. Die andere gute Nachricht ist, dass Luna Wedler und Jannik Schümann durchaus ein schickes Leinwandpärchen mit viel Strahlkraft abgeben, was in Filmen aus Deutschland ja keine Selbstverständlichkeit ist.

Zu dick aufgetragen, zu wenig abgebrüht

Etwas problematisch sind die zahlreichen dramatischen Wendungen, die im Buch schon schwer zu schlucken sind, auf der Leinwand aber genau das Stück zu dick auftragen, dass der Film immer wieder aus der Kurve zu fliegen droht.

Für die lässige Selbstgewissheit der Filme nach Romanen von John Green oder Nicholas Sparks gibt es ein Zuwenig an professioneller Abgebrühtheit und ein Zuviel an sorgloser Regie mit Blick auf Szenenwechsel und atmosphärische Verdichtung. Wedler und Schümann allerdings haben – nicht zuletzt durch diesen Film – das Zeug, zu den Posterstars dieses Kinoherbstes aufzusteigen. Was, so gesehen, natürlich auch eine Kinoempfehlung sein kann ...

D 2019, 117 Min. R: Tim Trachte, D: Luna Wedler; Jannik Schümann; Luise Befort , Victoria Mayer, Frederick Lau, Stephan Kampwirth
FSK 12, Wertung: 4 / 5 Punkte

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