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Kino-Komödie „Die Goldfische“: Ein Roadtrip mit HerzKino-Komödie „Die Goldfische“: Ein Roadtrip mit Herz

Axel Stein als Rainman, Jella Haase als Laura, Luisa Wöllisch als Franzi und Kida Khodr Ramadan als Eddy (v.l.n.r.) in einer Szene des Films "Die Goldfische".

Axel Stein als Rainman, Jella Haase als Laura, Luisa Wöllisch als Franzi und Kida Khodr Ramadan als Eddy (v.l.n.r.) in einer Szene des Films "Die Goldfische".

In der herzlich-frechen Komödie „Die Goldfische“ unternimmt eine WG von Menschen mit Behinderung einen Chaos-Ausflug in die Schweiz.

Dass Menschen mit geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen auf der Straße angefeindet werden, kommt leider vor. Viel alltäglicher sind allerdings die kleinen und großen Unsicherheiten, die viele Menschen ohne Behinderung im Umgang mit ihnen haben. Welche Fragen sind okay? Sollte überhaupt etwas gefragt werden oder reduziert das die Leute auf ihr Handicap?

Eine Komödie zum Thema könnte leicht schiefgehen, indem sie entweder zu zaghaft und politisch korrekt oder zu plump und von oben herab daherkommt. Dem Langfilmdebütanten Alireza Golafshan gelingt der Spagat zwischen Slapstick und Liebe zu den Figuren in „Die Goldfische“ allerdings sehr gut. Der überraschungsfreie Ablauf des Plots fällt dank der insgesamt tollen Ensembleleistung und der unverkrampften Herangehensweise kaum ins Gewicht.

Kamel-Therapie in Zürich und absurde Situationen

Die Auftaktszene genügt, um den Manager Oliver (Tom Schilling) als Karrieristen zu zeichnen, für den Geld an erster Stelle steht. Daran ändert auch ein selbst verschuldeter Autounfall nichts, der Oliver querschnittsgelähmt in den Rollstuhl bringt. Drei Monate später gibt der Egoist auch in der Reha-Klinik beruflich Vollgas – seine größte Sorge gilt dem stockenden WLAN. Ein weiteres Problem kommt hinzu, als Oliver erfährt, dass seine in der Schweiz deponierte Schwarzgeld-Million ins Visier der Steuerfahndung geraten ist. Doch wie soll der Rollstuhlfahrer das Geld rechtzeitig abholen?

Die zündende Idee kommt Oliver, als er die blinde Magda beim wie selbstverständlich ausgeführten Ladendiebstahl ertappt. Menschen mit Behinderung scheinen bei Verdächtigungen und Kontrollen eine Sonderbefreiung zu besitzen. Welche Grenzbeamten würden schon einen Bus voller behinderter Menschen durchsuchen? Also spendiert Oliver der Wohngruppe „Goldfische“ eine Kamel-Therapie in der Schweiz. In Begleitung der Betreuer Laura und Eddy starten Oliver, die blinde Zynikerin Magda, die am Down-Syndrom erkrankte Franzi und die Autisten „Rainman“ und Michi eine Bus-Tour nach Zürich und erleben allerhand absurde Situationen.

Schauspielerin Luisa Wöllisch mit Down-Syndrom

Neben dem prominenten Ensemble, von Schilling über Jella Haase, Kida Khodr Ramadan bis hin zu Birgit Minichmayr, ist außerdem Luisa Wöllisch, Schauspielerin mit Down-Syndrom, in ihrer ersten Hauptrolle zu sehen.

Der Autor und Regisseur Alireza Golafshan scheut sich nicht vor Zuspitzungen und spielt auf meist gelungene Weise mit Klischees über Behinderungen. Weil Olivers Entwicklung vom Egomanen zum mitfühlenden Menschen allzu naheliegend ist, fällt insbesondere die Vorgeschichte bis zum Bus-Trip ziemlich schablonenhaft aus. Doch sobald die Reise losgeht, findet die Komödie in die Spur. „Die Goldfische“ ist somit meistens lustig, manchmal kindisch, aber immer unterhaltsam.

D 2019, 111 Min.,
R: Alireza Golafshan,
D: Tom Schilling,
Jella Haase, Birgit Minichmayr, Axel Stein. FSK 12,Wertung: 4 von 5 Sternen

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