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Liam Neeson wird zum eiskaltem Racheengel in „Hard Powder“Liam Neeson wird zum eiskaltem Racheengel in „Hard Powder“

Liam N

Liam N

Hans Petter Moland bringt seine vielgelobten Rache-Thriller „Einer nach dem anderen“ nochmal in die Lichtspielhäuser.

Es war nicht der erste Auftritt des 1955 im norwegischen Oslo geborenen Regisseurs im Rahmen der Filmfestspiele an der Spree: Hans Petter Moland hat im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale seinen neuen Film „Pferde stehlen“ gezeigt. Auch Molands „Einer nach dem anderen“ feierte einst im Rahmen des Festivals Premiere. Das war vor fünf Jahren.

Leben aus den Fugen

Die schwarzhumorige, oft gelobte Satire kommt nun noch mal in die Lichtspielhäuser – diesmal als Remake, als amerikanisch-norwegisch-britisch-kanadische Koproduktion. Regisseur Moland hat es sich nicht nehmen lassen, auch diese Neuauflage zu inszenieren. In „Hard Powder“ ist es kein Stellan Skarsgård (wie noch im norwegischen Original) – vielmehr ein Liam Neeson (Bild), dessen Leben aus den Fugen gerät. Der sich in einem Sturm aus Rache, Blut, Schnee und Gewalt wiederfindet.

Als der Sohn des wortarmen Nels Coxman, Schneeflugfahrer in Kehoe, Bundesstaat Colorado, von Bösewichten ob verschwundener Drogen gen Jenseits befördert wird, wandelt sich der Vater und Ehemann zu einem Racheengel eisig­ster Art. Ein Gangster nach dem anderen muss dran glauben, mit abgesägter Schrotflinte killt Nels sie alle: ob sie nun Speedo, Limbo oder Santa heißen. Selbst vor Viking, dem Oberbösewicht (wunderbar: ein tiefstimmiger Tom Bateman als Mafioso im Maßanzug, der bei seinem Sohn streng über die Einhaltung einer makrobiotischen Diät wacht), schreckt Nels nicht zurück. Im Verbrecher-Milieu schließlich sorgt sein Rachefeldzug für so viel Aufruhr, dass sich auch eine Bande amerikanischer Ureinwohner einmischt. Höher als der Blutzoll sind in „Hard Powder“ nur die Schneemassen, durch die sich Nels, einem zeitgenössischen Sisyphos gleich, tagein, tagaus hindurch wälzt. Die soghafte und abwechslungsreiche Filmmusik tut ein Übriges – flugs verliert man sich in diesem politisch unkorrekten, indes nie rassistischen, die Natur des Menschen auf durchaus schlaue Weise sezierenden Gewaltrausch.

Erfreulich unstereotyp

Ganz abschalten sollte man das Hirn nicht: Die Ureinwohner etwa porträtiert Moland auf fürs US-Kino erfreulich unstereotype Art. Die Native Americans sind weder einfach nur die armen Opfer, noch werden sie als edle Wilde verklärt. Vielmehr handelt es sich bei den indianischen Protagonisten um einen so lustigen wie listigen Haufen an Kriminellen. Gangster, die sichtbar Spaß an ihrem Tun haben.

Am Rande zeigt Moland aber auch, auf wie respektlose Art und Weise in den Vereinigten Staaten immer wieder mit indigener Kultur umgesprungen wird. Erfrischend auch der so offene wie humorvolle wie hintersinnige Umgang mit dem Thema Drogen. Und obwohl dies in mancherlei Hinsicht ein „Männerfilm“ ist, so sind es doch vor allem die randständigen Frauenfiguren, die sich als zurechnungs- und em­pathiefähig, als noch nicht völlig dem Gewaltrausch anheimgefallen präsentieren. Darunter – nebst der von Laura Dern verkörperten, indes mit nur wenig Leinwandzeit ausgestatteten Frau des Schneeflugfahrers – eine Polizistin, die ihren männlichen Kollegen in Sachen IQ mehr als nur ein paar Prozentpunkte voraus zu sein scheint.

USA/Norwegen/Großbritannien/Kanada 2019, 119 Min., R: Hans Petter Moland, D: Liam Neeson, Tom Bateman, Laura Dern
FSK 16, Wertung: 4 von 5 Sternen

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