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Raus aus dem Ruhestand:Sylvester Stallone belebt „Rambo“ neuRaus aus dem Ruhestand:Sylvester Stallone belebt „Rambo“ neu

Die Rambo-Filme 1 bis 3 feiern aktuelle ein Kino-Comeback.

Die Rambo-Filme 1 bis 3 feiern aktuelle ein Kino-Comeback.

Foto: Metropolitan FilmExport

Mit „Last Blood“ führen Sylvester Stallone und Regisseur Adrian Grunberg die „Rambo“-Saga fachmännisch fort

Im Actionklassiker „Rambo“ tötete der allbekannte Titelheld „nur“ einen Menschen. Und eigentlich sollte der (Polit-)Actionthriller mit Rambos Tod enden, doch man erahnte das Kassenpotenzial der Figur, die perfekt in die Reagan-Ära passte. Stand „First Blood“, so der Originaltitel, noch im Zeichen der Charakter-Thriller des vorangegangenen Jahrzehnts, so agierte Stallone ab „Rambo II“ als die inzwischen sprichwörtliche Killermaschine und tötete 69 Widersacher. Der stupide dritte Teil (132 Tote) und „John Rambo“ (236 Opfer) setzten den Trend zu mehr Abschüssen fort.

37 Jahre nach dem ersten Blutvergießen folgt nun das wohl letzte Gefecht. Die Welt hat sich längst weitergedreht, Vietnam ist lang her, der Kalte Krieg vorbei. Ein neuer Angstherd unserer Zeit sind die korrupten Zustände in Mexiko, wo Kartelle und paramilitärische Banden wüten. Praktisch, dass Rambo nahe der US-mexikanischen Grenze residiert. Dann hat er es nicht so weit, als Gangster seine Ersatztochter entführen.

Mit Herz und Hand – aber auch extrem rabiat

Rambo ist viel umhergereist, doch schöne Urlaube waren es nie. Stattdessen trug der Kämpfer das Vietnam-Trauma zuerst in die Heimat, dann wieder zurück nach Vietnam, dann nach Afghanistan und Burma. Mittlerweile ist er in Arizona sesshaft, wo er mit seiner Haushälterin Maria und deren Tochter Gabriella auf der Ranch seines Vaters lebt. Die seelischen Narben vergangener Feldzüge unterdrückt er mit Pillen, doch als Gabriella in Mexiko in die Gewalt eines brutalen Menschenhändlerrings gerät, geht das Morden wieder los.

Mit eineinhalb Stunden fällt der Film recht kurz aus und kommt daher in allem sofort auf den Punkt. Trotzdem nimmt sich Adrian Grunberg zunächst Zeit, Rambos väterliche Bindung zur bald rettungsbedürftigen Gabriella einzuführen, denn schließlich soll der Mann nicht grundlos töten. Die Vergeltung inszeniert der Regisseur ebenso prägnant: Rambo geht extrem rabiat in den Nahkampf, durchsticht Hälse und schneidet Körperteile ab. Wer dem Berserker das gerade erst befriedete Herz rausreißt, muss damit rechnen, dass Rambo die Metapher wörtlich nimmt.

„Last Blood“ ist modern und knüpft zugleich an frühere Motive an. Vor allem der Originalfilm schimmert immer wieder durch, wenn etwa die heftigste Actionszene in einem mit Fallen präparierten Tunnelsystem stattfindet. Es gibt Schurken mit Kalaschnikows, den olivgrünen Parka von einst und eine gelungene Variante der Titelmelodie. Die Action ist aber keineswegs augenzwinkernd, sondern überaus grimmig. Zwar ist die Mordrate so niedrig wie seit dem ersten Teil nicht mehr, doch seinem Image macht Rambo alle Ehre. Man kann das reaktionär finden. Oder dem Mythos, der seine B-Film-Wurzeln gar nicht erst verleugnet, bei der Arbeit zuschauen.

USA 2019, 89 Min., R: Adrian Grunberg, D: Sylvester Stallone, Paz Vega, Yvette Monreal, Louis Mandylor, Sergio Peris-Mencheta
FSK 18, Wertung: 4 von 5 Sterne

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