Musik

Kölner „Summerjam“: Eine Insel mit zwei Bühnen

Sommer, Sonne, Liebe und Frieden: der „Summerjam“ 2018

Foto: HO

Sommer, Sonne, Liebe und Frieden: der „Summerjam“ 2018 Foto: HO

Köln.   Beim dreitägigen Kölner Reggae-Festival spielten Ziggy Marley, Milky Chance und Gentleman

Man kann nicht alle Konzerte sehen auf dieser Insel mit zwei Bühnen, also beginnen wir das dreitägige Kölner „Summerjam“-Festival im Fühlinger See am Samstag mit Bässen im Bauch, wah-wahbernde Gitarren und spanischen Texten. Dactah Chando stammt von Tenerifa, und macht Reggae für Traditionalisten, „Roots“ also, leicht modernisierter Bob-Marley-Sound. Jamaika hat’s erfunden, Europa hat’s erst kopiert und dann verfeinert.

Die karibische Szene hat sich einfach stärker hin zu härteren Gangarten wie Dancehall entwickelt, während man in Europa vor allem die spirituelle Seite des Genres schätzt, verknüpft mit der zugehörigen Alternativkultur. Hippies hören heute Reggae. Auf dem Summerjam kommt kein Konzert ohne die Botschaft von Liebe und Frieden aus.

Aber ein paar junge Wilde machen derzeit den Roots-Stil auf Jamaika wieder populär. Dazu zählen Chronixx, der das Festival am Sonntagabend beschließen soll, und Jesse Royal im Anschluss an den Spanier, ein Prediger mit charismatischer Soul-Stimme, der sich aber etwas zu offensiv selbst bewirbt. Auch Tarrus Riley aus den USA gehört zu den Größen der jüngeren Generation, die immer wieder Bezug nimmt zu den Ursprüngen, etwa mit einem Cover von „Rivers of Babylon“. Und nein, das Original stammt nicht von „Boney M.“.

Noch ein Crêpe mit Nougat und Banane? Ausspannen am Ufer der Konzertinsel?

Dankbar muss man sein, dass die Festivalmacher „Milky Chance“ in diesen etwas uniformen Samstag gemischt haben. Die Jungs aus Kassel („Stolen Dance“) machen eher Poprock, aber gehen so groovig mit ihren Rhythmen um, dass plötzlich ein großer Wind durch das in der Sonne dampfgegarte Publikum fährt.

Dass Ziggy Marley sich musikalisch schon früh von seinem Vater Bob, zugleich Übervater des Genres, emanzipiert hat, ist in Köln leider kaum zu spüren. Hochprofessionell, aber eher: die Bob-Marley-Experience.

Den Höhepunkt setzt ein Kölner, der vor vielen Jahren auf dem Campingplatz des „Summerjam“ seine Karriere begann. Gentleman, energetisch und gut gelaunt, macht dieses Festival zu seinem, auch indem er alte Freunde und neue wie Clemens Rehbein von Milky Chance auf die Bühne bittet. Und endlich ist etwas Raum da für einen echten „Jam“, für sommerliche Improvisationen, wie man den Festivalnamen auch übersetzen könnte.

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