Roman

„Der Zorn der Einsiedlerin“: Fred Vargas und die Todesspinne

Fred Vargas heißt eigentlich Frédérique Audoin-Rouzeau.

Fred Vargas heißt eigentlich Frédérique Audoin-Rouzeau.

Foto: Alberto Morante

Berlin.   Fred Vargas’ neuester Roman ist kein klassischer Krimi, treibt es mit dem Prinzip Zufall aber gelegentlich doch etwas zu bunt.

Dieser Krimi ist definitiv nichts für Arachnophobiker. Denn Loxosceles reclusa, auch Einsiedlerspinne genannt und nur zwei Zentimeter groß, soll verantwortlich sein für den Tod von zwei alten Männern im Süden Frankreichs. Diese Häufung der Todesfälle ist äußerst ungewöhnlich. Hat es vielleicht eine Mutation gegeben? Sind Insektizide für die starke Wirkung des Spinnengifts verantwortlich? Oder liegt es doch am fortgeschrittenen Alter der Opfer?

Verwobene Skurrilitäten

Fans der Krimis von Fred Vargas werden auch bei „Der Zorn der Einsiedlerin“ mit den typischen Zutaten versorgt – inklusive einer skurrilen Gruppe Krimineller samt deren Chef Adamsberg, der „im Nebel am klarsten sieht“. Dazu werden Mythen, Geschichte und Wissenschaftliches geschickt in die Handlung eingewoben. Etwa die Erläuterungen zu den Einsiedlerinnen: Frauen, die sich im Mittelalter einmauern ließen und als Schutzpatroninnen verehrt wurden – ernährt einzig durch die Spenden von Menschen, die ihnen etwas zu essen durch eine kleine Luke ihres Verlieses warfen, in dem sie in ihrem eigenen Dreck standen und oft jämmerlich verstarben.

Das ist so grausam und anschaulich beschrieben wie die Taten, die in einem Waisenhaus vor etwa 60 Jahren geschahen. All das steht natürlich im Zusammenhang mit den oben genannten Spinnen.

Doch die Ermittlungen in dem Fall gestalten sich schwierig. Adamsberg, der ein genialer Kommissar ist, der durch unkonventionelle Methoden ans Ziel gelangt, wird von seinen Kollegen als Fantast angesehen, als er die Idee vorstellt, dass es sich bei den Spinnentoten um Mordopfer handelt. Dass ihm sein Team – das offensichtlich selbst entscheiden kann, ob es jeweils mit ihm ermitteln will – hier die Gefolgschaft verweigert, ist erstaunlich. Denn gerade noch, ganz zu Beginn des Romans, hat Adamsberg in genialer Sherlock-Holmes-Manier gleich zwei Fälle im Alleingang gelöst, an denen sich seine Kollegen zuvor die Zähne ausgebissen haben.

Jede Menge Nebenhandlungen

Adamsberg ermittelt also zunächst mit einem kleinen Team. Und wie immer bei Vargas ist auch dieser Roman kein klassischer Polizeiarbeitskrimi. Er bewegt sich oft an der Peripherie der Realität. Spleenige Figuren, humorvolle Dialoge, ungewöhnliche Ermittlungswege und jede Menge Nebenhandlungen erwarten den Leser.

„Der Zorn der Einsiedlerin“ ist ein unterhaltsamer Roman, den man gern und mit Spannung liest. Im Kosmos der Krimiwelt kann man ihn getrost als solide und – dank der Figuren – als originell bezeichnen und ihm vier von fünf Sternen geben. Gemessen an Vargas-Maßstäben enttäuscht er aber an einigen Stellen. So stößt einem das überstrapazierte Prinzip Zufall auf. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass gleich zwei Figuren aus Adamsbergs Team indirekt mit diesem weit zurückliegenden Fall zu tun haben, der noch dazu einige Hundert Kilometer entfernt geschehen ist, ist wenig glaubwürdig. Und für eine so große Krimiautorin ist es auch eher schwach, dass es zufällige Begegnungen und Psychologen-Gespräche beim Mittagessen sind, die den Kommissar letztlich auf die richtige Spur führen.

>>>INFO: Der Zorn der Einsiedlerin

Autorin: Fred Vargas, Limes Verlag, 512 S., 23 Euro. ISBN-10: 380902693X, IBSN-13: 978-3809026938

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