EHRUNG

Literaturpreis Ruhr 2018 geht an die Autorin Elke Heinemann

Von links: Die Förderpreisträger Oliver Driesen und Ingrid Kaltenegger, Bochums Kulturdezernent Dietmar Dieckmann, Hauptpreisträgerin Elke Heinemann, Jurymitglied und Laudatorin Ulli Langenbrinck, Monika Simshäuser und Hannes Krauss. Verleihungsgala Literaturpreis Ruhr mit Jörg Tadeusz am Freitag, 07.12.2018 im Dampfgebläsehaus der Jahrhunderthalle Bochum. Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Von links: Die Förderpreisträger Oliver Driesen und Ingrid Kaltenegger, Bochums Kulturdezernent Dietmar Dieckmann, Hauptpreisträgerin Elke Heinemann, Jurymitglied und Laudatorin Ulli Langenbrinck, Monika Simshäuser und Hannes Krauss. Verleihungsgala Literaturpreis Ruhr mit Jörg Tadeusz am Freitag, 07.12.2018 im Dampfgebläsehaus der Jahrhunderthalle Bochum. Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Beharrlich widerständig, vielfältig schreibend: Die Autorin Elke Heinemann ist am Freitag mit dem Literaturpreis Ruhr ausgezeichnet worden.

Die in Berlin lebende Autorin Elke Heinemann ist so etwas wie ein Glücksfall für die Literaturförderung im Ruhrgebiet: Vor zwei Jahrzehnten schrieb sie einen Essay mit „Gedanken zu Bildern und Wörtern“, der sich

wehrte gegen das kulturpessimistische Mantra, die neue Bilderflut sei der Untergang der Sprache – und bekam dafür den Förderpreis zum Literaturpreis Ruhr. Über die Jahre hinweg entwickelte sich die in Essen geborene Elke Heinemann (57) zu einer überaus vielseitigen Autorin, die nach einer Journalismus-Ausbildung an der Hamburger Henri-Nannen-Schule vom satirisch-bösen Liebesroman bis zur parodistischen Krimi-Collage kaum ein Genre ausgelassen hat, bis hin zu biografischen Texten und Radio-Features, etwa über Ezra Pound, Ernst Ludwig Kirchner oder Meret Oppenheim.

In diesem Jahr schließlich erschien ihr dunkler Roman „Fehlversuche“ über eine Kindheitshölle im Ruhrgebiet der 60er-Jahre, in dem ein Mädchen den Schatten seiner alkoholkranken Mutter und eines weitgehend abwesenden Vaters ausgeliefert ist. Es ist der Romans eines Ichs, das lange keines sein durfte, weil seine Eltern genaue Vorstellungen von ihrem Nachwuchsgenie hatten. Alle Bemühungen der jungen Elisa, sich ein Reserve-Ich namens Alise zuzulegen, scheitern – lauter „Fehlversuche“ (Kein Kinderbuch. Edition taberna kritika, 118 S. Broschur, 18 Euro).

„So virtuos wie ironisch“

Dieser Roman gab schließlich den Ausschlag dafür, dass die promovierte Literaturwissenschaftlerin Elke Heinemann am Freitagabend im Dampfgebläsehaus der Bochumer Jahrhunderthalle den mit 10.000 Euro dotierten 33. Literaturpreis Ruhr für ihr bisheriges Gesamtwerk

zugesprochen bekam. Sie sei, so stellte die Lektorin Ulli Langenbrinck im Namen der sechsköpfigen Jury fest, „eine beharrlich widerständige Autorin, die ebenso virtuos wie ironisch gesellschaftliche Klischees, die Kommerzialisierung aller Lebensbereiche und menschlicher Bedürfnisse und die Glaubenssätze und vermeintlichen Gewissheiten unserer Gegenwart seziert.“

Der vom Regionalverband Ruhr gestiftete Literaturpreis, zu dessen Trägern auch Max von der Grün, Ralf Rothmann, Marion Poschmann und Frank Goosen gehören, umfasst zudem zwei Förderpreise, dotiert mit jeweils 2555 Euro. Sie waren diesmal unter dem Titel „Schmeckt’s?“ zum

Thema Essen und Ernährung ausgeschrieben. Als Sieger in diesem Schreibwettbewerb wurde Ingrid Kal­ten­egger aus Köln für ihre Erzählung „Wüstenplanet“ ausgezeichnet, in dem es vor allem um den Strukturwandel eines Bochumer Stadtteils und seine kulinarische Ausstattung am Ende der 80er-Jahre geht; Laudator und Jury-Mitglied Dr. Hannes Krauss schwärmte von Kalteneggers „lakonischer, ungemein treffsicherer Sprache“, die „reviertypischen Tonfall und Duktus exakt wiedergeben“. Es handele sich um eine „exemplarische Inszenierung der Regionalgeschichte von unten“. Der gebürtige Düsseldorfer Oliver Driesen, inzwischen in Hamburg ansässig, wurde für seine Erzählung „Borowiaks Suppe“ ausgezeichnet, die vom kometenhaften Aufstieg eines Flüchtlingsjungen im Fußball und seinem

Doping mit der Suppe eines Taubenzüchters erzählt. Hier sprach Krauss davon, dass die Geschichte zwar „alle Zutaten für ein Ruhrgebietsklischee“ enthalte, dem lesenden Publikum aber genau das erspare, weil der „zurückhaltende Erzählduktus“ mit „knappen, präzisen Dialogen und einem geschickt angelegten Spannungsbogen“ derlei „Klippen elegant umschifft“.

Lesereise der Preisträgerin

Das Literaturbüro Ruhr hat gemeinsam mit dem Netzwerk Literaturgebiet.ruhr eine Lesereise der Preisträgerin für den Sommer 2019 organisiert. Elke Heinemann wird am 12. Juni in der Essener Buchhandlung Proust lesen, am 13. Juni im Literaturhaus Dortmund und am 14. Juni im Literaturhaus Oberhausen.

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