OPER

M.I.R. entdeckt „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ wieder

Piotr Prochera als Schwanda mit dem Ensemble.

Piotr Prochera als Schwanda mit dem Ensemble.

Foto: Forster

Gelsenkirchen.  Jubel für die sehenswerte Rarität: Die Märchenoper „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ von Jaromír Weinberger begeistert das Premieren-Publikum.

Jaromír Weinbergers Oper „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ gehört zu den vielen Märchenopern des frühen 20. Jahrhunderts, die ihrerzeit Riesenerfolge erzielten, aber nach dem Krieg nahezu in Vergessenheit gerieten. Am Musiktheater im Revier erweist sie sich als effektvolles, unterhaltsames Werk mit Repertoirequalitäten.

Obwohl erst 1927 uraufgeführt, zeigt Weinberger nicht die geringsten Ambitionen, sich den Zeichen der Zeit anzupassen. Der Böhme bleibt den großen Vorbildern Dvořák und vor allem Smetana treu, fügt ein paar herbe Klänge im Fahrwasser von Leoš Janáček ein und geizt nicht mit Polka-Klängen, die er bisweilen symphonisch anrührt wie Richard Strauss die Walzer im „Rosenkavalier“. Umgekehrt sucht man vergebens nach einer eigenen kompositorischen Handschrift.

Das mindert kaum den Unterhaltungswert des Stücks um den Musikus Schwanda, der auf seinem Dudelsack die Menschen und Fabelwesen genau so betören kann wie der legendenhafte Orpheus. Glücklich ist er mit Dorota verheiratet, bis sich Babinsky, ein Räuber mit Robin-Hood-Gesinnung, für die Dame interessiert und Schwanda davon überzeugt, in die Welt zu ziehen und mit seinem Spiel berühmt zu werden. Das versucht Schwanda auch, erleidet freilich bei der Königin Eisherz ebenso Schiffbruch wie in der Hölle.

Brillante Licht-Regie und Farbe in Überfülle

Der niederländische Regisseur und Bühnenbildner Michiel Dijkema stellt den naiven Märchencharakter des Zweiakters ohne jeden Hang zu aktualisierten Anspielungen in den Mittelpunkt, wobei die Bühnenoptik zusammen mit den fantastischen Kostümen von Jula Reindell für ein prall-buntes Theatererlebnis sorgt. Ob die kalte Bläue im Schloss der Eis-Königin oder das gemütliche Idyll in Schwandas Heimat: Mit einer brillanten Licht-Regie und Farbe in Überfülle werden Erinnerungen an die Kindertage wach. Gipfelnd im überwältigenden Szenario der Hölle, bestehend aus einer riesigen Menschenpyramide.

An Turbulenz mangelt es der Aufführung nicht, was sich im Orchestergraben der Neuen Philharmonie Westfalen niederschlägt. Giuliano Betta, der junge stellvertretende Generalmusikdirektor des Musiktheaters im Revier, bevorzugt kräftige Farben und schafft einen Mix an Stimmungen, der die mosaikartige Struktur des Werks reflektiert.

Sopranstimme ohne Fehl und Tadel

Vokal präsentiert sich das Ensemble nicht sonderlich homogen. Wunderbar Uwe Stickert als Babinsky mit seinem hellen, ideal artikulierenden Tenor. Piotr Prochera verfügt als Schwanda zwar über einen starken, aber recht rauen Bariton, der sich der eher lyrischen Rolle nur bedingt fügt. Petra Schmidt gibt der Königin Eisherz eine Sopranstimme ohne Fehl und Tadel, auch wenn die Spitzentöne allmählich ebenso hart gelingen wie die von Ilia Papandreou als Dorota. Joachim G. Maaß bietet als Teufel ein komödiantisches Kleinod. Michael Heine als Magier und der Opern- und Extrachor des Musiktheaters runden den positiven Eindruck ab. Eine lohnende Begegnung mit dem lange Zeit vergessenen Kassenknüller. Das Premieren-Publikum war begeistert.

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