Nachruf

Mehr als Musik: Mit Martin Geck starb ein Universalgelehrter

Martin Geck (1936-2019) in seinem Haus in Witten.

Martin Geck (1936-2019) in seinem Haus in Witten.

Foto: kai KITSCHENBERg

Bochum.  Ein überragender Musikwissenschaftler, ein unermüdlicher Motivator seiner Studierenden, ein origineller Kopf: Wir trauern um Martin Geck.

Er hätte bei dem Vergleich wahrscheinlich abgewinkt, aber mindestens eine Parallele zu Wolfgang Amadeus Mozart gab es bei Martin Geck: Wenn der große Musikwissenschaftler über seine zentralen Themen schrieb, dann fiel ihm das unglaublich leicht. Denn Geck rief nur noch ab, was er in sich trug. Seine Thesen und Analysen zu Schumann, Beethoven, Bach oder Wagner hatte er längst im Kopf. Das fügt sich zum Bild eines Universalgelehrten alter Schule, der – omnia mea mecum porto – all seinen Besitz in Form geistigen Reichtums bei sich wusste.

Was der Sohn eines evangelischen Pfarrers seit seiner Jugend so begierig aufgesogen hatte, was ihm Studien in Münster und Berlin gegeben, was er als junger Mann (noch in Gegenwart von Winifred Wagner) in Bayreuth forschend erlebt hatte – es hatte Martin Geck im wahrsten Sinne des Wortes gebildet.

Martin Geck war ein nie versiegender Motivator

Am vergangenen Freitag, wie unsere Redaktion erst jetzt erfahren hat, ist der Musikwissenschaftler, der lange Jahre als Professor in Dortmund lehrte und in seiner Geburtsstadt Witten wohnte, 83-jährig gestorben. Seine Studenten erlebten ihn als nie versiegenden Motivator. Geck scheute auch Naheliegendes nicht, um Ahnungslosen Zugänge zu schaffen. „Schauen Sie auf die Noten, das ist doch so schön wie Ostereier-Suchen“, sagte er, wenn seine Studenten über Bezüge in Partituren grübelten.

Martin Geck stand für eine Wissenschaft des großen Gegenstandes. Kleine Meister interessierten ihn wenig, um Werk und Wirken der bedeutenden Komponisten kreiste seine Forschung immer wieder. Dass schon der Nachwuchs die Lust an diesem unerschöpflichen Kosmos, den Geck fast bis zuletzt voller Lust erkundete, entdecken möge, schuf er heiter Anschauliches wie „Professor Jecks Tierlieder-ABC“.

Ein Stotterer mit gewaltigem Können, ein Scharfsinniger mit Schalk

Mit Martin Geck, einem Stotterer, der es trotz Handicap mit Mut, Ausdauer und gewaltigem Können auf die bedeutendsten Wissenschaftspodien gebracht hat, verlieren wir einen Leidenschaftlichen, einen Liebhaber – und einen Scharfsinnigen mit Schalk. Unsere Trauer ist Dankbarkeit.

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