Bayreuther Festspiele

Mein Bayreuth: Ausgeschlafen

Kultur-Redakteurin Monika Willer berichtet in ihrem Tagebuch von den Bayreuther Festspielen 2019.

Kultur-Redakteurin Monika Willer berichtet in ihrem Tagebuch von den Bayreuther Festspielen 2019.

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

In Bayreuth ist es im Publikum genauso spannend wie auf der Bühne. Davon berichtet Kultur-Redakteurin Monika Willer in ihrem Tagebuch.

Die blutjunge Reporterin von der Lokalpresse hat sich feingemacht. Sie kommt vor der Eröffnungspremiere zu unserer Bank auf dem Grünen Hügel und erklärt, sie würde gerne Gäste interviewen, was sie von den Festspielen halten. „Darf ich Ihren Namen und Ihren Beruf wissen?“, fragt sie den freundlichen Herren mit der Goldrandbrille neben mir. „René Kollo. Ich bin Sänger“, antwortet der. „Und waren Sie schon mal bei den Festspielen?“, will die Journalistin wissen. Ich kann nicht mehr. Ich hab‘ es kommen sehen, nun muss ich sehr laut lachen, ebenso wie die Begleiter des seinerzeit besten Wagner-Tenors der Welt, der Bayreuth wahrhaftig geprägt hat. Jedes Jahr kommt René Kollo auf den Grünen Hügel. Die jungen Leute kennen ihn nicht mehr.

Was gibt es sonst noch zu berichten? Im dritten Tannhäuser-Akt rutscht ein Besucher zwei Reihen vor mir vom Stuhl und kauert sich auf dem Boden zusammen. Panik! Was tun? Laut nach dem Notarzt rufen? Die Dame neben dem (ohnmächtigen? kollabierten? noch schlimmer?) Herrn bleibt gelassen und blickt ungerührt nach vorne. Als die Oper vorbei ist, setzt sich der Wagnerianer wieder auf seinen Sitz und plaudert ausgeschlafen mit seiner Frau. Im Publikum ist es doch genauso spannend wie auf der Bühne.

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