Comedy Arts

Moers Comedy Arts - ein Lacherfolg auch im 43. Jahr

Luccetino (Luca Regina und Tino Fimiani) am Samstag, den 14.09.2019, beim 43. Internationalen ComedyArts Festival in Moers. Foto:  FUNKE Foto Services

Luccetino (Luca Regina und Tino Fimiani) am Samstag, den 14.09.2019, beim 43. Internationalen ComedyArts Festival in Moers. Foto: FUNKE Foto Services

Foto: Oleksandr Voskresensky

Moers.  Die Handschrift der neuen Leitung könnte noch deutlicher sein, aber der Erfolg des Comedy Arts Festival, gibt dem Heiterkeitstreff an sich Recht.

Nun ist das Moerser Comedy Arts Festival in seinem 43. Jahr und schafft es immer noch, mit Neuem zu verblüffen. So einfach der Name Wall Clown, so einfach eigentlich das Konzept. Und doch noch nie da gewesen. Zwei Wände, ums Eck gebaut, alles, was sich davor abspielt mit der Kamera aufnehmen, die das ganze zeitgleich um 90 Grad gekippt auf die Leinwand daneben projezieren. Alles eine Frage der Perspektive.

Schon ist die Schwerkraft aufgehoben, kleben Flaschen waagerecht an der Wand, sind Liegestütze, Spitzentanz und Moonwalk ein Klacks und die Zuschauer verlieren sich voller Wonne in den zwei Welten. Wenn es denn so bis ins Detail und perfekt auschoreografiert ist wie bei Tobias Wegener, der es zudem auch noch schafft, in seiner Ein-Mann-Schau ohne Worte treffsichere Pointen zu setzen. Hoffentlich hat er sich die Idee patentieren lassen. Zurecht wurde er vom Publikum mit stehendem Beifall gefeiert und ihm der Förderpreis der NRZ verliehen.

Zum 43, Mal begeisterte das Comedy Arts Festival in Moers am Wochenende ein extrem amüsierbereites Publikum

Der Wall Clown war einer derer, die diese typischen Comedy-Arts-Momente erzeugte. Comedy ist eben mehr als ein Mann oder eine Frau, eine Bühne, ein Mikro und Worte. Zu den komischen Künstlern gehören auch solche wie die Niederländer Stenzel und Kivits, die die klassische Musik einmal auf links drehen und die Zuschauer mit Assoziationsketten strubbelig reden – da kann der Niederrheiner sich noch eine Scheibe abschneiden.

Auf der Suche nach dem Erfolgskonzept eines André Rieu werden sie nicht mal mit der schönen blauen Donau fündig – retten aber den Flügel nur kurz vor knapp vor dem Totalabsturz von der Bühne. Zur Hälfte hing er schon unten. Ein Bild, das sich ins Hirn brennt. Derweil wirft sich das Publikum weg vor Lachen.

Jeder ist froh, die Schussel nicht zu Hause zu haben: Wo die sind, liegt hinterher alles in Asche. Musikalisch sind sie dabei auf hohem Niveau. Tenor Stenzel kann es sich leisten, im Duett mit Caruso (von der Schallplatte) zu singen. Klassische Clownerie boten die beiden Italiener Lucchettino: Distanzlos gegenüber dem Publikum richten sie dem einen oder anderen mit Spucke die Haare, klauen Schuhe und kämpfen den klassischen Kampf mit dem Mikroständer. Die große Kunst des Scheiterns, dargeboten auf hohem Niveau mit Präzisions-Timing. Abgeräumt haben auch die beiden frechen Kernölamazonen. „Sex Bomb“ auf wienerisch – das ist zum Brüllen komisch, vor allem, wenn der Gesang einen professionellen Hintergrund hat.

Die neue künstlerische Leitung lässt auch eine ganze Menge altbekannter Formate auf die Comedy-Bühne

Dies war das erste Comedy Arts Festival, das die neue künstlerische Leiterin Betti Ixkes gestaltet hat, deren erklärtes Ziel es ist, genau solche Momente noch häufiger anzubieten. Zugegeben, in diesem Jahr gab es noch viel Standups. Mit beispielsweise Kai Magnus Sting, Özgür Cebe, Markus Barth, Onkel Fisch oder Sissi Perlinger auf hohem Niveau. Aber letztlich kehren Themen so immer wieder: Altern, Alltag oder – seltsamerweise – die Aida. Vielleicht ist das dem Durchschnittsalter eines Publikums geschuldet, das mit dem Festival in die Jahre gekommen ist. Nur so ist zu erklären, warum „der Wolli“ mit dem schlichten Abspielen von „missheard Lyrics“ wie Agathe Bauer (I Got The Power) einen Saal noch zum Toben bringen kann.

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