Neues Album

Chrissie Hyndes verblüffende Wiederkehr mit Jazz und Dub

Chrissie Hynde PR FOTO

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Foto: JFurmanovsky / Jill Furmanovsky

Essen.  Mit den Pretenders wurde Chrissie Hynde berühmt. Nun kehrt sie zurück mit einem verblüffenden Album-Mix aus Jazz und Dub.

Es gibt diese Stimmen, die du unter 1000 anderen schon nach den ersten paar Tönen wiedererkennst. Die Kehle, um die es in diesem Fall geht, klingt irgendwie seit Ewigkeiten nach schlecht gelaunter Tiefkühlkost. Und sie ist dennoch ein hochwillkommener Begleiter für viele Musikgenießer geworden. Denn dieses Timbre ist einfach unwiderstehlich.

Die Stimme gehört Chrissie Hynde. Die knapp 68-jährige Sängerin wurde vor gefühlten Jahrhunderten mit ihrer Rock-Band „The Pretenders“ und Gassenhauern wie „Don’t Get Me Wrong“ weltberühmt.

Keine stilistische Schublade

Dass sie überhaupt noch aktiv ist, ist die erste Überraschung, die sie mit dem neuen Studioalbum „Valve Bone Woe“ (BMG, erscheint am 6. September) bereitet. Ihr 2014 erschienenes „Stockholm“-Album ist irgendwie im Wust der Veröffentlichungen unserer Tage untergegangen. Die zweite Überraschung ist das gewählte Genre. Wobei – von Genre kann man bei dieser Produktion, die in keine stilistische Schublade passen will, nicht wirklich reden… Hynde hat nämlich ein verblüffendes Album mit Kompositionen so unterschiedlicher Könner wie Charles Mingus, Brian Wilson, Ray Davies oder Hoagy Carmichael aufgenommen.

Das Ensemble in ihrem Rücken, das LA Philharmonic-Symphonieorchester, legt souverän diesen typischen amtlichen Edel-Soundteppich der Amis hin. Das wirkt mal jazzig inspiriert, dann klingt’s wie Winnetou-Filmmusik. Allerdings garniert Hynde diese Inspirationen immer mal wieder – und auch ziemlich massiv – mit Elementen des Dub, also der etwas abgedrehten, effektbeladenen Variante des Reggae.

Nicht ein Takt lang Mainstream

Klingt merkwürdig? Ist merkwürdig! Und auch anstrengend für den Zuhörer. Aber es ist eben auch nicht einen Takt lang Mainstream.

Hyndes Stimme hat durchaus nach wie vor das Kaliber, um die teils uralten Sound-Edelsteine zum Funkeln zu bringen. Sie macht das beispielsweise beim schon im Jahr 1941 herausgekommenen Jazzstandard „You Don’t Know What Love Is“ auf laszive, nachtschwere Art und durchaus überzeugend. Sie präsentiert „Once I Loved“ hingegen in einer eher dezenten Bossa-Version, während „Absent Minded Me“ am Ende in einem Meer aus sphärischen Sounds versinkt. Schmutzig, rotzig, rockig. Da schließt sich fast wieder der Kreis.

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