Interview

World Club Dome: ESA-Astronaut wird DJ im All - und auf dem Mond?

Während des Festivals World Club Dome in der Arena Düsseldorf wurde ESA-Astronaut Matthias Maurer zum DJ. Sein Ausbilder ist Le Shuuk (re.)

Während des Festivals World Club Dome in der Arena Düsseldorf wurde ESA-Astronaut Matthias Maurer zum DJ. Sein Ausbilder ist Le Shuuk (re.)

Foto: Socrates Tassos

Düsseldorf.  Matthias Maurer fliegt als nächster Deutscher zur ISS-Raumstation. Für BigCityBeats wird der ESA-Astronaut dort zum DJ. Und eines Tages auf dem Mond?

Er war kurz. laut und heftig: Der DJ-Auftritt des ESA-Astronauten Matthias Maurer vor 30.000 Besuchern beim Elektro-Festival World Club Dome in der Arena Düsseldorf. Doch der größte Auftritt soll noch folgen: Der 49-Jährige wird der zweite Mensch sein, der im Rahmen der Kooperation der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA mit dem Veranstalter BigCityBeats ein DJ-Set in der Internationalen Raumstation ISS spielen wird. Über diese verrückte Idee und spannende Mond-Pläne sprach Maurer mit der Redaktion während des Festivals.

Worauf hättest Du vor zehn Jahren eher gewettet: Dass Du eines Tages zur Raumstation ISS fliegst? Oder dass Du vor 30.000 Menschen bei einem Festival am DJ-Pult stehst?

Matthias Maurer: „Bei beiden Vorschlägen hätte ich gesagt: Du spinnst!“ (lacht) „Bei der ISS hatte ich genau vor zehn Jahren die Absage in der Hand, dass ich nie Astronaut werden würde.“

Was war passiert?

Maurer: „Ich war in der Astronauten-Auswahl zusammen mit Alexander Gerst und 8500 weiteren Bewerbern aus ganz Europa. Wir wurden ein Jahr lang geprüft, bis nur noch zehn Leute übrig waren. Dann kam 2009 der Chef der ESA und sagte, er hätte nur sechs Tickets zur ISS, und ich war nicht dabei. Diese Entscheidung sei definitiv und wir sollten uns keine Hoffnung mehr machen. Aber er wollte uns trotzdem für die Raumfahrt und andere Projekte gewinnen. Die anderen Drei lehnten ab, aber ich habe das Angebot angenommen.“

Warum?

Maurer: „Ich finde das Thema Weltraum einfach spannend. Als Ingenieur kann ich über Projekte auch einiges auf dem Boden erreichen. Zudem konnte ich Alexander Gerst bei seiner Weltraum-Mission aktiv von unten unterstützen und hautnah dabei bleiben.“

Wie hast Du es dann doch noch zum Astronauten geschafft?

Maurer: „2014 hat man entschieden das ISS-Programm zu verlängern. Dann kam der Generaldirektor der ESA und sagte, er hätte neue Flug-Tickets zur ISS und fragte, ob ich denn noch zur Raumstation wollte? Da antwortete ich nur: Was für eine Frage… und bin nachgerückt. Dass ich aber mal DJ vor 30.000 Menschen bin, hätte ich noch vor einem halben Jahr kategorisch ausgeschlossen.“

Wie reagierte Dein privates Umfeld, als Du von der Anfrage erzähltest?

Maurer: „Die schmunzelten natürlich, haben aber mittlerweile mitbekommen, dass man als Astronaut Sachen machen muss, wo man früher nicht gedacht hatte, dass das überhaupt zum Job dazugehören könnte.“

Warst Du nervös bei dem Kurz-Auftritt auf der Mainstage des World Club Dome in der Düsseldorfer Arena?

Maurer: „Nein, da hatte ich ja DJ Le Shuuk an meiner Seite. Meine Rolle war da doch noch etwas passiv und ich musste nur schauen, dass ich nichts verkehrt mache.“

Wie war denn das Gefühl auf der Bühne vor 30.000 Menschen?

Maurer: „Das war ein unglaubliches Gefühl mit der Musik und dem Rhythmus die Emotionen des Publikums zu steuern“.

Wenn Du auf der Raumstation bist, hast Du Le Shuuk aber nicht an deiner Seite – was dachtest Du denn, als die Idee, ein DJ-Set im Weltraum zu spielen, an Dich herangetragen wurde?

Maurer: „Mein Kollege Luca Parmitano, der aktuelle Kommandant der ISS, wurde ja bereits im Rahmen der ESA-Kooperation mit BigCityBeats als DJ ausgebildet und hat in diesem Jahr aufgelegt. Ich war sehr erstaunt, dass die ESA und der Luca so etwas mitmachen. Das fand ich richtig cool und trete da gerne in die Fußstapfen, um diese neue Initiative weiterzuführen.“

Diese Aktion ist für beide Seiten in erster Linie ein Marketing-Schachzug…

Maurer: „Früher war das Thema Weltraum ein Selbstläufer. Aber heutzutage sind die Leute durch die Sozialen Medien von so vielen Informationen, coolen Jobs und Projekten überhäuft, dass wir uns sehr anstrengen müssen, um die Menschen für unsere ernsthaften Themen wie Technik, Raumfahrt und Wissenschaft zu begeistern.“

Welche Konsequenzen hat die ESA daraus gezogen?

Maurer: „Dass wir neue Wege gehen müssen und einer davon hat uns mit BigCityBeats und dem World Club Dome zusammengeführt, indem wir das Thema Musik verwenden.“

Was kann Musik im Zusammenspiel mit Wissenschaft bewirken?

Maurer: „Das wussten die alten Griechen schon: Über Musik kann man die Seele eines Menschen viel leichter erreichen als mit purer Logik.“

Musik gibt es ja in vielen verschiedenen Facetten – welche Verbindung hast du denn zur elektronischen Musik?

Maurer: „Ich bin nicht der Hardcore-Techno-Fan. Aber ich finde die Musik sehr cool und war früher auf der Loveparade. Als Astronaut muss ich viel Sport machen und im Fitnessraum ist Techno super geeignet. Ich habe auch mal versucht, selbst Musik zu machen.“

Was ist daraus geworden?

Maurer: „Wir hatten eine kleine Punk-Band. Aber da bin ich dann irgendwann rausgeflogen, weil ich angeblich zu melodisch war. Und dann hab ich zudem erkannt, dass ich nicht das große Musiktalent bin. Allerdings wissen die das bei BigCityBeats noch nicht.“ (lacht)

Dann wird das DJ-Training also keine leichte Aufgabe für Le Shuuk?

Maurer: „Ich glaube, der Le Shuuk weiß noch nicht, was er da für eine harte Aufgabe vor sich hat…“

Wobei das Astronauten-Training ja auch sehr hart ist…

Maurer: „Das stimmt, aber da habe ich einen Luxus-Vorteil gegenüber normalen Auszubildenden: Wenn ich nicht die Ziele erreiche, wird mit dem Ausbilder geschimpft und nicht mit mir (lacht). Von daher muss Le Shuuk da wohl ein paar extra Stunden einplanen.“

ESA-Astronaut Alexander Gerst hat die Faszination Weltraum gerade bei Kindern sehr liebevoll und spannend herübergebracht – etwa durch Beiträge in der „Sendung mit der Maus“ des WDR. Kannst Du dir das auch gut vorstellen?

Maurer: „Auf jeden Fall. Kinder saugen das Thema so richtig in sich auf. Gerne würde ich bei der Begeisterung für Raumfahrt und Technik auch den Mädchen vermitteln, dass sie es zu 100 Prozent genauso gut können wie die Jungs.“

Wie sieht es bei Ihnen denn aktuell mit der Mission zur ISS aus?

Maurer: „Es steht fest, dass ich der zweite Europäer bin, der fliegen wird. Luca Parmitano landet am 6. Februar. Danach fliegt erst noch Thomas Pesquet aus Frankreich. Es ist dann ein Wunsch der deutschen und französischen Regierung, dass ich Pesquet im Weltraum begegne und wir zusammen an einem deutsch-französischen Freundschafts-Projekt arbeiten.“

Gibt es einen konkreten Zeitplan?

Maurer: „Wann genau wir jeweils fliegen, ist noch ungewiss, weil wir in einer ganz neuen amerikanischen Kapsel starten werden. Da hat es jüngst noch Probleme mit den Testkapseln gegeben. Wenn in einigen Tagen der nächste Test klappt, sehen wir Ende Februar wieder amerikanische Kapseln mit Menschen fliegen. Falls das gut funktioniert, wird Thomas frühestens im Juli 2021 fliegen und ich dann wohl Ende 2021/Anfang 2022.“

Ein Projekt, das Du sehr spannend findest, ist die von NASA und ESA gemeinsam geplante Raumstation, die in einer Umlaufbahn um den Mond kreisen soll. Dann könntest Du als erster DJ auf dem Mond in die Geschichte eingehen…

Maurer (schmunzelnd): „Das wäre natürlich eine schöne langfristige Perspektive. Da muss ich den BigCityBeats-Chef Bernd Breiter zwar noch etwas überzeugen. Aber Mond-DJ wäre natürlich ein super Titel.“

Wie sieht beim Thema Mondstation der Zeitplan aus?

Maurer: „Das ist schon sehr konkret. Ab 2021 werden wir europäische Raumfahrtstruktur, die in Bremen gebaut wird, im All sehen. Diese treibt die Orion-Kapsel an, die Richtung Mond fliegt. Gleichzeitig wird noch eine kleine Station im Mond-Orbit ausgebaut. Die Astronauten fliegen dorthin, machen von dort ferngesteuerte Experimente auf der Mond-Oberfläche und später nutzen sie diese Station als Sprung zur Mond-Oberfläche.“

Wann betreten die ersten Menschen wieder den Mond?

Maurer: „Ab 2024 sehen wir wieder amerikanische Astronauten auf dem Mond. Bis 2028 sollen aber auch zwei/drei Europäer zu der Mondstation fliegen und hoffentlich dann auch einer auf die Mond-Oberfläche. Und ich denke, dass ich nicht schlechte Chancen habe, dabei zu sein.“

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