Jonas Brothers

Jonas Brothers in Köln: Publikum kreischt sich die Seele aus dem Leib

Die Jonas Brothers sorgten für gute Stimmung in der Lanxess-Arena.

Die Jonas Brothers sorgten für gute Stimmung in der Lanxess-Arena.

Foto: Thomas Brill

Köln.  Neben vielen Songs aus dem Album Happiness Begins präsentierten die Jonas Brothers in Köln auch frühere Werke. Das war der Höhepunkt des Abends.

Die Mutter hat Tränen in den Augen und singt inbrünstig jede Zeile mit. Die Tochter tippt. Das Teeniemädchen hüpft auf und nieder, der Vater checkt sein Handy. Eine Frau Anfang 20 reißt begeistert die Arme hoch, ihr Partner starrt ins Leere. Wer beim Konzert der Jonas Brothers am Dienstagabend in der Kölner Arena genau hinschaut, kann sie sehen: Die Mitgebrachten, die Nicht-Fans. Diejenigen, die nicht ganz freiwillig hier sind. Aber trotzdem vor Ort.

Weil Mama, einst glühender Fan des Brüder-Trios, ihre Glücksgefühle ob der Wiedervereinigung 2019 unbedingt teilen wollte. Weil der Nachwuchs noch zu jung ist, um unbegleitet dabei zu sein. Oder weil die Partnerin zum Äußersten gegriffen hat: „Wenn du mich liebst….“. Aber das sind Ausreißer. Das Gros der Besucher, zu 99 Prozent weiblich, genießt den 90-minütigen Abend hingerissen – und kreischt sich die Seele aus dem Leib.

Jonas Brothers präsentieren viele Songs aus dem Album „Happiness Begins“

Joe, Nick und Kevin, unterstützt von einer Band und einer Backgroundsängerin, liefern eine Show im gängigen Deluxe-Format ab. Auf einer Bühne, die mit ihren von Leuchtstoffröhren gerahmten Rampen, Treppen und Schrägen an eine Schwarzlicht-Minigolf-Anlage in XXL erinnert, mit Plattform im Innenraum, dicht an dicht gespickten Lautsprecher-Trauben und einem Dreifach-Ring aus schwenkbaren Spots. Mit Feuerfontänen, Funkenregen und Konfetti. Ballons, die von innen beleuchtet sind und künstlerischen Einspielern, die Titel tragen wie „Träume werden wahr“.

Auch das Einschweben von oben, der Marsch durch den Innenraum und das schlussendliche im Bühnenboden-Versenkt-Werden sind obligatorisch. Viele der Songs, darunter das Intro „Rollercoaster“, die Ballade „Hesitate“ oder das richtungsweisende „Comeback“ stammen vom 2019 veröffentlichten Album „Happiness Begins“. Es ist das erste seit zehn Jahren, es markiert das Ende einer sechsjährigen Bühnenpause und gibt der Tour ihren Namen.

Höhepunkt des Abends mit „Cake By The Ocean“

Dazwischen kommen auch Stücke von früheren Scheiben (vier an der Zahl) zu Ehren. Die neue Single „What A Man Gotta Do“ vom allerneusten Album, das noch in diesem Jahr erscheinen soll, wird vorgestellt. „Gotta Find You“ erinnert an die Zeiten, als die heute 30, 27 und 32 Jahre alten Brüder mit dem Disney-TV-Film „Camp Rock“ ihren Durchbruch erlebten. Bei den Kollegen von der britischen Boyband Busted leihen sie sich „Year 3000“ aus und bei DNCE „Cake By The Ocean“.

Letzteres ist einer der Höhepunkte des Abends. Acht aufblasbare, biegsame Figuren in Pink, Grün, Gelb und Blau, die aussehen wie Riesenmakkaroni mit Kulleraugen, Winkeärmchen und Flatterhaaren, tanzen durchs Publikum und es kommt mitreißende Partystimmung auf. Da stellt sogar die Tochter kurzzeitig das Tippen ein, der Teeniemädchen-Vater wippt im Takt mit den Füßen, im Blick des gelangweilten Partners flackert Interesse auf. Alles, was sonst noch zwingend auf die Setlist gehört, wird in ein Medley gepackt.

Die Mischung aus Sehnsuchtssahnekaramellen, Boygroup-Bubblegum und nicht allzu rabiat daherkommendem Rock hat das Zeug, Zehntausenden gefallen. Da stört es kaum, dass Songtexte im Soundbombastmorast versinken und Ansagen vom Kreisch-Orkan übertönt werden. Dass „Mandy“ blond (aber nicht blöd) ist, „S.O.S“ der Hilferuf eines Liebeskranken und „Burnin’ Up“ der Versuch, die allzu kühle Angebetete zu entflammen, weiß jede im Publikum. Und Sätze, die davon handeln, wie toll es ist, wieder auf der Bühne zu stehen, muss man nicht verstehen. Man kann sie sich denken.

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