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Sie waren mal Teenie-Stars: Nevada Tan packen aus

| Lesedauer: 6 Minuten
David Bonk und Timo Sonnenschein spielten in der Band Nevada Tan – der Roboter stammt aus ihrem ersten Musikvideo „Revolution“.

David Bonk und Timo Sonnenschein spielten in der Band Nevada Tan – der Roboter stammt aus ihrem ersten Musikvideo „Revolution“.

Foto: Timo Sonnenschein/David Bonk

Essen.  Ende der 00er-Jahre fand kaum eine Musikshow ohne Nevada Tan statt. Nun erzählen die Bandmitglieder unterhaltsame Geschichten aus ihrer Karriere.

Auf der Überholspur und zurück: Zwischen 2007 und 2009 veröffentlichten David Bonk und Timo Sonnenschein zwei Alben und mehrere Singles mit der Band Nevada Tan. Die Gruppe, die vor ihrem Durchbruch und erneut im Jahr vor ihrer Auflösung den Namen Panik trug, war Dauergast auf den großen Showbühnen und in den Teenager-Gazetten des Landes. Kaum ein „The Dome“ oder eine „Comet“-Verleihung fand ohne sie statt, in „Bravo“, „Popcorn“ & Co. häuften sich die Geschichten über die Jungs aus Neumünster. 2011 war es dann aber auch schon wieder vorbei mit der Band.

Zehn Jahre später ist es Zeit, zurückzublicken. So veröffentlichen Bonk (damals Gitarrist) und Sonnenschein (Rapper) nun jeden Mittwoch eine neue Folge ihres Podcasts „Wir waren mal Stars“. Die Idee, die damals hinter den Kulissen erlebten Geschichten nun öffentlich zu teilen, hatte David Bonk: „Im vergangenen Juni haben wir die ersten Folgen veröffentlicht und die Reaktionen der Fans waren sofort da. Dann waren wir motiviert, mehr zu erzählen. Mittlerweile kriegen das immer mehr andere Künstlerinnen und Künstler mit, die mit uns über die Musikindustrie und deren spannende Geschichten sprechen wollen.“ So waren unter anderem schon Bahar Kizil und Vivien Bauernschmidt von den damals ebenfalls populären Bands Monrose und Aloha From Hell zu Gast.

Vergleiche mit Linkin Park waren für Nevada Tan und Panik normal

Nachdem sich Panik einen Plattenvertrag erspielten, folgte die Umbenennung in Nevada Tan. Die Besetzung bestand aus einer Rockband mit Rapper und DJ, fast schon zwangsläufig kamen Vergleiche mit Linkin Park auf. David Bonk (33) erinnert sich: „Wir hatten es mit der Bandbesetzung ja darauf angelegt, waren aber eher glücklich, dass wir mit denen verglichen wurden. Blöd war nur, als Gülcan uns bei unserem ersten „The Dome“-Auftritt mit den Worten „Jetzt kommen Linkin Park auf Deutsch, aber in viel besser“ ankündigte – wie viel Druck konnte man uns bitte machen?“

Deutlich mehr Probleme als semi-glückliche Ansagen ehemaliger Viva-Moderatorinnen bereitete den Jungs allerdings ihr Vertrag mit dem für sie zuständigen Produzenten-Duo, zu dem sich das Verhältnis rapide verschlechterte. Der Streit gipfelte in einer gerichtlichen Auseinandersetzung um die Namensrechte. „Unser Anwalt, der uns aus dem Vertrag herausbrachte, arbeitete sogar umsonst für uns, vermutlich aus Mitleid. Er meinte, dass wir wohl den schlimmsten Vertrag aller Zeiten hatten. Unsere Produzenten hatten sich die Rechte am Namen Nevada Tan gesichert. Sie hätten uns den verkauft – für eine Million Euro“, erzählt Sonnenschein. Die Band tourte national wie international, kletterte mit der LP „Niemand hört dich“ in die Top Ten der Charts – finanziell kam für die Mitglieder allerdings nichts dabei herum.

Unter dem alten Schülerbandnamen Panik folgte 2009 das zweite Album. „Das performte nicht wie das erste. Dazu kam der Psycho-Terror der Ex-Produzenten, die unter anderem private Videos von uns ins Netz luden. Das ließ dann das Gleichgewicht zwischen schönen Momenten und Stress zum Überkippen bringen“, begründet Sonnenschein das Aus der Band.

In Russland noch populärer

Eine kurze Reunion gab es 2017, als die Schleswig-Holsteiner zwei Konzerte in Hamburg und Moskau spielten. „Wir hatten einfach Lust darauf. In Russland waren wir eh immer erfolgreicher als in Deutschland. Da standen ein paar Hundert Mädels am Flughafen und warteten auf uns“, blickt Sonnenschein zurück. Bonk ergänzt: „Das hat uns noch einmal kurz daran erinnert, wie es damals war. Eine Zeit lang konnte ich nicht mal mehr einkaufen gehen, so sehr wurden wir belagert.“ Weitergehende Pläne für Panik gibt es aber nicht, David Bonk ist als Songwriter und Produzent unter anderem für Stars wie Helene Fischer oder Sarah Connor tätig, Timo Sonnenschein arbeitet als Kameramann und Regisseur für Filme und Musikvideos.

Unterhaltsame Storys von früher hat das Duo aber genug zu erzählen, daher umfasst „Wir waren mal Stars“ jetzt auch schon 30 Folgen. Immer wieder gerne diskutiert werden alte Artikel aus der „Bravo“ und ähnlichen Illustrierten, die vorwiegend minderjährige Fans ansprechen. Sonnenschein: „Zitate wurden fast immer gefälscht beziehungsweise um 200 Prozent nach oben gedreht. Da wurdest du nach deinem Frauentyp gefragt und im Artikel stand dann „Timo will Angelina Jolie“.“ Sein Kollege pflichtet ihm bei: „Es gibt Interviews, die nie stattgefunden haben, mit Wörtern, die ich nie benutzt habe.“

Blamage neben dem Plattenboss

Deutlich lustiger hingegen ist im Rückblick so manche Geschichte ohne Beisein der Presse. Richtig unangenehm für Timo Sonnenschein wurde es ausgerechnet beim Essen mit den Plattenchefs: „Der Deutschland-Boss von Universal fragte mich, ob ich Freestyle-Rap kann. Ich habe auf dicke Eier gemacht und meinte ,Ja’. Dann fing einer am Tisch an zu beatboxen und ich konnte natürlich überhaupt nicht freestylen. Ich habe dann einen uralten Text von mir gerappt, der überhaupt nicht zur Situation passte und irgendwann schauten alle peinlich berührt weg.“ Und: Mit Rapstar Bushido geriet er bei „The Dome“ mal aneinander. „Der hätte mir fast auf die Fresse gehauen. Das war ziemlich knapp.“ Was die ebenfalls längst aufgelöste Band Debbie Rockt! damit zu tun hatte, erzählt der heute 34-Jährige in Folge 18.

Die Lieblingsanekdote von David Bonk spielt im Kosovo, wo Panik bei der Bundeswehr ihr wohl ungewöhnlichstes Konzert gegeben haben: „Wir sind in ein Soldaten-Camp geflogen und sollten die dort etwas aufmuntern. Das ist auf jeden Fall ordentlich nach hinten losgegangen.“ Ob das spontan ins Set aufgenommene Puhdys-Cover „Hey, wir woll’n die Eisbären sehen“ die Stimmung im Lager retten konnte? Das erfahren die Hörerinnen und Hörer in Folge vier ...

„Wir waren mal Stars“, neue Folgen immer mittwochs, abrufbar auf wirwarenmalstars.podigee.io.

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