Konzert

"The Eagles": Californian Harmonists

Foto: WR RALF ROTTMANN

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Köln. Sie hatten seit fast 30 jahren keinen großen Hit mehr und buchen trotzdem nur die großen Hallen: 14 500 Fans erlebten in Köln ein entspanntes Konzert der "Eagles" und waren von über dreistündiger Show begeistert.

So was nennt man Selbstbewusstsein. Seit fast 30 Jahren haben die Eagles keinen Hit im eigentlichen Sinn mehr gehabt. Trotzdem buchen sie für ihre aktuelle Tour nur die größten Hallen und rufen Eintrittspreise auf, die im unteren dreistelligen Bereich beginnen. Die Fans stört das nicht. Sie kommen in Scharen. In der Köln Arena waren es jetzt 14 500.

Sahen die Eagles früher bei Konzerten meist so aus, als seien sie gerade vom Feld gekommen, werfen sie sich mittlerweile auf der Bühne in Schale. Holzfäller-Shirt und Jeans haben Don Henley, Timothy B. Schmit, Glen Frey und Joe Walsh gegen dunkle Anzüge und Krawatten getauscht. Walsh sieht darin aus wie ein Gebrauchtwagenhändler aus einer US-Komödie, Frey wie eine Mischung aus dem jungen Ronald Reagan und dem älteren Gerhard Schröder.

Es darf geträumt werden

Musikalisch hat sich dagegen wenig geändert, wie sich an den drei Nummern aus dem letzten Album „Long Road Out of Eden” zeigt, mit denen die Band die fast vierstündige Show eröffnet. Eine Prise Country, viel Pop und ein wenig Rock – so haben sie es früher gemischt, so mischen sie heute. Dennoch ist der Beifall dafür zunächst nicht mehr als höflich. Weil Musik eben auch ganz viel mit Erinnerungen zu tun hat. Erinnerungen, die die Eagles wecken, als sie bereits mit dem vierten Song im „Hotel California” einchecken. So wird „höflich” zu „frenetisch”, Beifall zu Jubel – obwohl Henleys Stimme hier ein wenig angegriffen klingt.

Weiter geht es durch die Jahrzehnte. Hinein in die 1970er und wieder zurück. Mit Zwischenstopp in den 80ern, als die einzelnen Bandmitglieder solo unterwegs waren. Je länger das Konzert dauert, desto besser funktionieren auch die aktuellen Nummern. Denn sie fügen sich problemlos in den Klangteppich ein, den die Band so perfekt webt. Manchmal zu perfekt.

„Entspannt” ist das Wort, das die Stimmung im Saal am besten trifft. Auch weil die Harmoniegesänge der Band noch immer ihresgleichen suchen. Erst zum Ende drehen die vier auf – allen voran Joe Walsh. Da wird getanzt in der bestuhlten Halle. Doch schon zur Zugabe darf wieder geträumt werden. Mit „Desperado” entlässt die Band ihre Fans in die laue Nacht. Im Kopf hat man den Sommer von 1973. Im Herzen den Wunsch, ein Lagerfeuer anzuzünden.

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