Nach dem Terror

Nach den Anschlägen: Menschen in Sri Lanka wollen hoffen

Auch sie hofft: Charitha Penfold besitzt das kleine Boutiquehotel Reef House an der Südküste am Surfstrand von Madiha.

Auch sie hofft: Charitha Penfold besitzt das kleine Boutiquehotel Reef House an der Südküste am Surfstrand von Madiha.

Foto: n.n. / xxx

Colombo.  Zwei Monate nach den Bombenanschlägen steckt Sri Lanka in der Krise. Die Reisewarnungen wurden gelockert - die Menschen haben wieder Hoffnung.

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Beklemmende Leere empfängt mich in der gewöhnlich proppenvollen Ankunftshalle des Flughafens, als ich nach einigen Wochen Abwesenheit wieder in Sri Lanka lande. Die perlweißen Tropenstrände sehen leergefegt trostlos aus. Die schlanken Kokospalmen wiegen einsam im sanften Küstenwind. Den schrecklichen Bombenangriffen der IS-Terroristen an den Ostertagen bin ich knapp entkommen. Wäre ich 15 Minuten eher in Colombo gewesen - nicht darüber nachdenken.

Ich hatte Glück während des Bürgerkriegs, und bin auch dem Tsunami in letzter Sekunde entwischt. Diesmal hatte ich erneut großes Glück, viele andere nicht. Nie habe ich Colombo so ausgestorben erlebt wie nach den mehrfachen tödlichen Bombenanschlägen am Ostersonntag und den Tagen danach.

Sri Lanker warten sehnsüchtig auf die Urlauber

Jetzt, einige Wochen später, hat sich nicht viel geändert. Sri Lankas Herz schlägt nicht mehr schnell und laut, es blubbert nur noch ganz langsam und leise vor sich hin. Die Sri Lanker warten sehnsüchtig darauf, wieder Urlauber mit ihrer berühmten Gastfreundlichkeit empfangen zu können. Ihnen die rund 20 Millionen Einwohner-Insel, die etwa so groß wie Bayern ist, zu zeigen. Kaum jemand ist auf dem sonst so kunterbunt belebten Galle Face Green entlang Colombos berühmter Hotelmeile zu sehen. Hier tobte das Leben außerdem in den späten Abendstunden bis die Bomben auch in zwei Hotels gegenüber viele Leben zerstörten. Oster-Attentate in Sri Lanka – Hauptverdächtiger gefasst

Die einst leuchtenden Augen vieler Sri Lanker sind leer geweint. 258 getötete Familienmitglieder und Freunde werden schmerzlichst betrauert und vermisst. Fast 500 Menschen sind verletzt worden, es liegen noch Schwerverletzte in Krankenhäusern. Das Land ist vor Schock gelähmt. Nackte Existenzangst spiegelt sich in verzweifelten, abgehetzten Blicken wider.

Etwa 70 Prozent weniger Touristen kommen am Flughafen an

Arbeitsplätze sind gestrichen, Einkommensquellen aus dem Tourismus versiegt. Plötzlich, unerwartet, unbegreiflich. Tuktuk-Fahrer Lal hat normalerweise 10 Touristenfuhren pro Tag, abends hilft er seiner Frau im kleinen Restaurant Shirani. Ich bin sein erster ausländischer Fahrgast seit Ostersonntag.

Die kleinen Hotels mit insgesamt ca. 100 Zimmern in seinem Dorf an der Küste von Weligama sind geschlossen. Lal und seine 20 Tuktuk-Kollegen halten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser.

Laut Touristenbehörde sind im Mai etwa 70 Prozent weniger Touristen auf dem Colombo Flughafen angekommen. Viele Restaurants, Hotels und Geschäfte sind vorübergehend geschlossen, einige für immer. Die Besitzer haben aufgegeben. Betroffen sind nicht nur Touristenfahrer und Hotelangestellte, sondern auch Souvenir-, Fisch-, Gemüse-, Obst und Lebensmittelhändler und so viele mehr. „Rund zwei Millionen Menschen hängen vom Tourismus ab“. Sanath Ukwatte, Chairman der Mount Lavinia Hotel Gruppe und Präsident der Hotelverbands, schätzt, dass die Tourismusindustrie 2019 etwa 1,5 Milliarden US-Dollar verlieren wird.

Das wird auch viele besonders hart treffen, die Kredite aufgenommen haben aufgrund des sicher geglaubten Einkommens.

Nach Ostersonntag wurde alles storniert

Die blinkenden Lichter der Fischerboote reihen sich Nachts aneinander wie aufgeschnürte, glitzernde Perlen am Horizont des Indischen Ozeans. Jetzt entdeckte ich nur vereinzelt helle Punkte - 1, 2, 3 Boote höchstens. Es gibt kaum noch Touristen, die sich die leckeren Fischgerichte schmecken lassen. „Ich kann nur noch die Hälfte des Lohns an meine Angestellten zahlen”, bedauert Charitha Penfold. Sie besitzt das kleine Boutiquehotel Reef House an der Südküste am Surfstrand von Madiha. Das ist die Existenzgrundlage für sie und ihre zwei Töchter. Veranstalter sagen bis Juni Reisen nach Sri Lanka ab

Sie war ausgebucht bis zum Jahresende, nach Ostersonntag wurde alles storniert. „Wir hatten ein großartiges Jahr vor uns, da wir von „Lonely Planet“ als DAS Urlaubsland für 2019 empfohlen wurden”, erläutert Sampath Siriwardene, Managing Director Galadari Hotel. „Es wird alles Menschenmögliche getan, um die Sicherheit der Gäste zu gewährleisten.”

Experte beteuert, dass das Land wieder sicher ist

Wie in allen anderen Hotels sind nur wenige Zimmer gebucht. Die Restaurants sind fast leer. Sicherheitsexperte Richard de Zoysa, Chairman Elite Security Lanka und World’s Best Retreats, beteuert, dass das Land wieder sicher ist.

„Ich sehe keine Sicherheitseinbrüche in der Zukunft”, so seine Einschätzung nach 38 Jahren Erfahrung im Security Service. Er betont die unermüdlichen Einsätze von Geheimdiensten, Armee mit Spürhunden, Luftwaffe, Marine und Polizei, die für Sicherheit sorgen und Terrorzellen aufgedeckt haben. Zaghaft meldet sich das Nachtleben zurück. Vereinzelt öffnen Bars und Clubs an Wochenenden. Ein Lichtblick in diesen dunklen Stunden. Das Leben muß weitergehen – irgendwie!Viele Botschaften, auch die Deutsche Botschaft in Colombo, haben die Reisewarnungen gelockert. Das gibt Zuversicht. Auf Facebook und Instagram rufen Sri Lanker auf, wieder Urlaub auf dieser wunderschönen Tropeninsel zu verbringen, die außergewöhnliche Vielfalt von Tier- und Pflanzenwelt zu genießen und an traumhaften Stränden die Seele baumeln zu lassen. Der Indische Premierminister Narendra Modi traf am Pfingstsonntag zu einer Stippvisite ein. Laut einheimischer Medien ein Zeichen, dass die Insel sicher ist. Das gibt Hoffnung auf bessere Tage. Hoffnung darauf, dass die traurigen Tränen der Verzweiflung ganz schnell fröhlichen Freudentränen weichen werden. Hoffnung darauf, dass das warme Lächeln der Sri Lanker bald wieder viele Urlauber begrüßen wird. Hoffnung darauf, dass das Glück wieder einzieht in die Häuser, dass die großen, dunklen Kinderaugen wieder strahlen. Hoffnung darauf, dass Sri Lanka wieder wie eine schimmernde Perle im Indischen Ozean leuchten wird.

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