Filmpreise

Netflix unterliegt bei den „Globes“ trotz „Irishman“-Hype

Joe Pesci (li.) und Robert De Niro in „The Irishman“: Der Streaming-Riese Netflix freute sich vor der Preisverleihung über insgesamt 34 Nominierungen für den Film – am Ende ging es er leer aus.

Joe Pesci (li.) und Robert De Niro in „The Irishman“: Der Streaming-Riese Netflix freute sich vor der Preisverleihung über insgesamt 34 Nominierungen für den Film – am Ende ging es er leer aus.

Foto: - / dpa

Washington/Los Angeles.  Bei der Verleihung der „Golden Globes 2020“ waren die großen Hollywood-Produktionen auf Siegeskurs – und Netflix blieb hinter den Erwartungen.

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Dass die in Würde verwitterten Gesichter von Al Pacino, Robert de Niro und Regisseur Martin Scorsese im Laufe der 77. Verleihung der „Golden Globes“ immer länger wurden, hatte nichts mit dem streng veganen Menü zu tun, das den Gästen im Hilton-Hotel von Beverly Hills mit einer kalten Rübensuppe eingeläutet wurde. Auch die inzwischen etwas abgenutzte Haudrauf-Stinkstiefeligkeit von Moderator Ricky Gervais (fünfter Auftritt - uff!) kann den Titanen der Film-Branche nicht wirklich aufs Gemüt geschlagen sein.

Eher schon die überraschend kalte Schulter, die die knapp 90 abstimmungsberechtigten Auslandsjournalisten Hollywoods, die ihre Gunst für gewöhnlich salomonisch breit streuen, den Protagonisten von „The Irishman“ zeigten. Das rund 150 Millionen Dollar teure Drei-Stunden-Epos um den Mafia- und Gewerkschafts-Gangster Frank Sheeran galt unter den 34 (!) Nominierungen, mit denen der Branchen-Unruhestifter Netflix antrat, als aussichtsreicher Kandidat. Ging aber wie fast durchgehend auch die anderen hoch gehandelten Werke des Streaming-Riesen – „Marriage Story“ (mit Adam Driver und Scarlett Johansson) und „Die zwei Päpste“ (mit Jonathan Pryce und Anthony Hopkins) etc. – leer aus. Ein klassischer Nasenstüber. Wären nicht Laura Dern (Marriage Story) und Olivia Colman gewesen, die für die TV-Serie „The Crown“ in der Rolle von Königin Elizabeth II. geehrt wurde – Netflix hätte den Abend komplett gedemütigt beendet.

Klassische Hollywood-Produktionen als Sieger bei den „Golden Globes“

Stattdessen durften sich klassische Hollywood-Produktionen, die für die großen Leinwände und nicht für Laptop oder Smartphone gemacht sind, als Sieger fühlen. Mit drei Preisen in den Disziplinen beste Komödie, bestes Drehbuch und bester Nebendarsteller (Brad Pitt) drückte Quentin Tarantinos „Once Upon a Time... in Hollywood“ dem Abend den Stempel auf.

In den Königs-Kategorien – bestes Drama, bester Regisseur – durfte zur eigenen Verblüffung zweimal der Brite Sam Mendes für das in Deutschland am 16. Januar startende Weltkriegs-Epos „1917“ aufs Podium. Mendes wusste sich demütig zu bedanken: „Jeder Regisseur auf der Welt steht im Schatten von Martin Scorsese.“

Erfolg auch für Taron Egerton als Elton John in „Rocketman“

Überhaupt, die Briten. Gäbe es eine Nationen-Wertung für Nicht-Amerikaner bei den Globes, lägen Vertreter aus dem Königreich mit Abstand vorn. Von Olivia Colman war schon die Rede. Ihr tat es Taron Egerton (bester Darsteller in einer Komödie) für seinen Part als Elton John in „Rocketman“ nach.

In der Drama-Sparte Fernsehen räumte „Succession“, die Serie um einen gerissenen TV-Mogul, der nach Rupert Murdoch modelliert ist, ab. Der Schotte Brian Cox, der das Werk durch unerschütterliche Biestigkeit trägt, wurde bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie.

„Fleabag“ ausgezeichnet als beste Serie

m leichteren Fach wurde die britische Produktion „Fleabag“ als beste Serie prämiert. Phoebe Waller-Bridge, die Ideengeberin und hinreißende Hauptperson, nahm die Trophäe als beste Comedy-Hauptdarstellerin in Empfang. Gegen jeweils starke Konkurrenz setzten sich als beste Hauptdarsteller im Drama-Fach Renée Zellweger für ihre bewegende Interpretation der Sängerin Judy Garland in „Judy“ durch. Joaquin Phoenix siegte für seine nervenzehrende Rolle des traurigen Clowns in „Joker“. Als erste Schauspielerin mit asiatischen Wurzeln holte sich die als Rap-Sängerin gestartete Awkwafina den Preis in der Sparte Komödie für ihre zu Herzen gehende Enkelin-Rolle in „The Farewell“.

Feierlichkeit und Freudentränen bei den Sonderpreisen

Erwartungsgemäß feierlich-freudentränenreich wurde es bei zwei Sonder-Preisen. Die Moderatorin Ellen DeGeneres wurde für ihre seit drei Jahrzehnten Empathie verströmende Fernseh-Karriere geehrt – und ihr Engagement für Schwule und Lesben. Tom Hanks, der Über-Schauspieler, bekam schwer erkältet für sein Lebenswerk den Cecil B. DeMille Award überreicht.

Obwohl Moderator Gervais, dessen Tiraden vom übertragenden Sender NBC manchmal stumm geschaltet wurden, ausdrücklich erbeten hatte, auf Kommentierungen zur allgemeinen Weltlage zu verzichten, wurden die „Globes“ natürlich auch wieder politisch. Die Feuersbrünste in Australien beschäftigten unter anderen Cate Blanchett, Pierce Brosnan und via vorgelesener Botschaft Russell Crowe, der zurzeit „down under“ ist, um Familie und Haus vor den Flammen zu bewahren. Seine Botschaft: „Vertut euch nicht, die Tragödie, die sich in Australien abspielt, hat mit dem Klimawandel zu tun.“

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