LIT.RUHR

Nick Hornby ist lange noch nicht fertig mit dem Schreiben

Nick Hornby hat immer über Themen geschrieben, die ihm am Herzen liegen. Seine Leser führte er in Fußballstadien.

Foto: Volker Hartmann

Nick Hornby hat immer über Themen geschrieben, die ihm am Herzen liegen. Seine Leser führte er in Fußballstadien. Foto: Volker Hartmann

Essen.  Der britische Autor kam als Star-Gast zur Lit.Ruhr. Dort plauderte er über seine großen Leidenschaften: Arsenal London, Plattenläden und Frauen.

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So muss das mal gewesen sein: der rosafarbene Himmel, die dunkle Silhouette des Förderturms und ein überraschend breiter Strom der Menschen – nur dass nicht der Morgen, sondern der Abend die Massen gen Zollverein treibt. Eine Zeitreise also beschert uns die Lit.Ruhr am Donnerstagabend und das gleich doppelt, ließ sich doch der Brite Nick Hornby zum 25. Geburtstag seines Romans „Fever Pitch“ mit einem plaudernden Galopp durch die Schriftstellerkarriere feiern. Ein „exklusiver“ Besuch im Revier war dies, wie Festivalmacherin Traudl Bünger betonte (und damit indirekt auf Kritik reagierte, dass andere prominente Lit.Ruhr-Gäste bereits vorab in Köln Station gemacht hatten).

Schmerzliche Leerstellen und Verluste

Geht es in Nick Hornbys Romanen immer auch um schmerzliche Leerstellen und Verluste im Leben, so mussten die Zuschauer solche gleich zu Beginn verdauen: Joachim Król war sturmbedingt in Berlin geblieben; Moderator Philipp Schwenke übernahm seinen Lesepart, immerhin stilecht mit schwarz-gelbem Borussia-Fanschal. Hornbys Verein ist natürlich Arsenal. Und jenen Zeitungsleser, die nun schlechte Laune bekommen, weil hier eine vom Fußball unkenntnissreiche Frau sich erdreistet, über Fußball zu schreiben, sei ein Hornby-Zitat entgegengehalten: „Mein Roman Fever Pitch wäre niemals so gut geworden, hätte ich nicht eine weibliche Agentin und eine weibliche Lektorin gehabt.“ Denn wären sie Männer gewesen, so Hornby, wäre er wohl versucht gewesen, mit seinem Fachwissen anzugeben.

So aber konnte er im Roman von magischen Rituale erzählen, vom emotionalen Gehalt des Fan-Seins in einer Zeit, in der Fußball die Coolness der Straße besaß und eine Karte zum Preis eines U-Bahn-Tickes erhältlich war. Heute dagegen sei der Stadionbesuch für Jugendliche so teuer und exklusiv wie ein Theaterbesuch, bedauerte Hornby die Gesetze der Fußballindustrie. „Warum tun sich Bayern München, Real Madrid und Barcelona nicht zusammen und spielen ihr eigenes Spiel?“, fragte er und erntete begeisterten Applaus.

Die Welt der Musik in der Hosentasche

Die zweite große Leidenschaft des 60-Jährigen und das zweite große Thema der Romane ist die Musik. Bedauert er hier ebenfalls die aktuellen Entwicklungen? Keinesfalls! „Ich habe damals viel Zeit in Plattenläden verbracht, aber nicht, weil ich Plattenläden so toll fand. Ich wollte einfach die Musik haben, und die war schwer zu bekommen.“ Heute dagegen sei nahezu jeder Song der Welt „in einer kleinen Box in meiner Tasche“ – toll! Nur eines sieht (und hört) er heute mit Bedauern: „Die Intros dauerten in den 80er Jahren noch 20 Sekunden, heute sind es nur noch fünf Sekunden. Niemand will mehr so lange warten, bis die Musik losgeht!“

Fußball, Musik – was fehlt? Klar, die Frauen. So ein großes Mysterium waren sie Hornby eigentlich nie, jedenfalls kein so großes wie seinen Romanhelden. Und auch hier speiste sich das Geheimnis wohl eher aus dem Rätsel, das Zwanzigjährige einst umtrieb: Aus der Frage, „Warum will diese Frau nicht mit mir ins Bett?“ hätte sich so der generalisierte Ausruf „Ich verstehe die Frauen nicht!“ ergeben.

Wenig gute Drehbücher für Frauen

Dass Hornby in seinen Roman (etwa „Miss Blackpool“) und auch in seinen Drehbüchern zuletzt Frauen in den Fokus rückte, hatte zwei Gründe, verriet der Autor. „Für weiße Männer in der westlichen Welt sind die Karten immer gezinkt – zu ihren Gunsten. Die Schwierigkeiten ihres Lebens befinden sich in ihnen selbst. Die Frauen hingegen haben mit äußeren Hindernissen zu kämpfen, das ist spannender.“ Und bei den Drehbüchern sei es so, ging Hornby hart mit Hollywood ins Gericht: Es gebe so wenig gute Drehbücher für Frauen, „du bekommst die besten Schauspielerinnen, wenn du für Frauen schreibst“. Also wird Hornby dies weiterhin tun. Denn, so verriet er seinen begeisterten Zuhörern, fertig sei er noch lange nicht: „Im Grunde habe ich immer noch nicht das Buch geschrieben, das ich schreiben wollte.“

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