ARCHÄOLOGIE

Pompeji ist ein Besuchermagnet für Tagestouristen aus Rom

Eindeutig griechisch-römisch: Ein Fragment aus dem Apollo-Heiligtum von Pompeji aus roter Keramik (470 - 460 v.Chr.).

Eindeutig griechisch-römisch: Ein Fragment aus dem Apollo-Heiligtum von Pompeji aus roter Keramik (470 - 460 v.Chr.).

Wesenberg.   Pompeji ist zu zwei Dritteln ausgegraben. Statt einstürzender Altbauten gibt es jetzt Events. Und eine Ausstellung über griechische Wurzeln.

Eigentlich herrscht heutzutage in Pompeji, der 79 nach Christus beim Vesuvausbruch verschütteten Stadt im Golf von Neapel, wieder geschäftiges Treiben. Wie vor rund 2000 Jahren, als sich dort reiche antike Römer vergnügten. Millionen Touristen besichtigen jährlich die Ruinen, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Gleichzeitig sind Archäologen, Architekten, Restauratoren und jede Menge Bauarbeiter im Einsatz, seit das „Großprojekt“ läuft. Das ist die EU-Finanzierung, um die Stadt und ihre Kunstwerke der Nachwelt zu erhalten.

Zwei Drittel der 66 Hektar sind ausgegraben. 105 Millionen Euro Fördermittel wurden schon bis 2014 in Renovierungsarbeiten investiert. Jetzt läuft, bis 2020, der vorläufig letzte Abschnitt. Mit weiteren 50 Millionen Euro aus Brüssel werden Gebäude restauriert, kostbare Wandfresken überarbeitet, ein Wasser- und Abwassersystem geschaffen. Aber längst gibt es – dafür ist Geld da – auch attraktive Events. „Pompeji bei Nacht“ ist eines. Durch die beleuchtete Ruinenstadt im Dunkeln zu spazieren, das zieht viele Touristen an. Aber auch Opern, Ballett und Theaterstücke werden in restaurierten antiken Stätten zeitweise geboten. Ein „Nachleben“ also in der sonst toten Stadt, was noch vor ein paar Jahren undenkbar erschien, als immer wieder Mauern und Monumente einstürzten, weil Gelder für ihre Stabilisierung fehlten.

Erst Etrusker, dann Samniten

Auch Sonderausstellungen sind jetzt im Programm. Eine läuft in der Großen Palästra, dem anderthalb Hektar umfassenden Fitness-Zentrum der alten Römer gegenüber des Amphitheaters. „Pompeji und die Griechen“ heißt sie und befasst sich anschaulich mit dem Vorleben der Stadt, ehe sie römisch wurde.

Videos mit antiken Seefahrern laufen die Wände entlang. Dazu rauschen Meereswellen und plätschert Wasser. Auch eine für die antike Welt bedeutende Seeschlacht im Jahre 474 v. Chr. wird so auf der Wand effektvoll rekonstruiert. Dazwischen stehen Statuen, Köpfe von Gottheiten, Krüge, Büsten, Reliefs. Silber- und Goldschmuck glitzert in Schaukästen. Und so manches Fragment, klein und unscheinbar wirkend, demonstriert geschichtsträchtig, wie sich schon früh im Golf von Neapel die verschiedensten Kulturen begegneten.

Die Vorgeschichte Pompejis veranschaulichen

Insgesamt 600 Fundstücke wurden vornehmlich aus italienischen Museen wurden herbeigeschafft, um diese Vorgeschichte Pompejis zu veranschaulichen. Die beginnt schon gegen Ende des siebten Jahrhunderts v. Chr., nicht als griechische Gründung wie so vieles in diesem Magna-Graecia-Gebiet Süditaliens, sondern als Handelsstadt, die sich die Anwohner ringsherum anlegten. Das waren zunächst Etrusker und dann Samniten. Der Einfluss der Griechen rührt von der Nähe zu Cumae, einer der ältesten und zugleich die nördlichste griechische Kolonie in Italien. Aber auch die Tendenz der Etrusker, Bestandteile der griechischen Kultur wie das Alphabet, Alltagsgegenstände, selbst Tempel und Göttergestalten zu übernehmen, spiegelt sich im frühen Pompeji wider.

So hat die kleine Bronzefigur der Orakelhüterin und Priesterin Sibylle von Cumae schon deshalb einen Ehrenplatz in der Ausstellung, weil sie aufs achte Jahrhundert v. Chr. datiert wird und so eines der ältesten Fundstücke ist. Zeus mit Poseidon sowie Aphrodite und Eros auf einem Relief sind auch nur einige Jahrhunderte jünger. Die Gottheit Apoll, verehrt von Etruskern, Griechen und römischen Pompejanern, taucht als Statue immer wieder auf.

Unter Vulkanasche und Bimsstein

Nicht wenige dieser alten Kunstschönheiten überlebten auch dank der Sammelleidenschaft der letzten Pompeji-Bewohner und wurden bei den Ausgrabungen ihrer unter Vulkanasche und Bimsstein verschütteten Häuser gefunden. Erst ab dem zweiten Jahrhundert v. Chr. steuerten immer mehr Römer die Stadt an. Reiche Pensionäre ebenso wie Aristokraten und Händler, die sich rings um den Stadtkern pompöse Villen bauten und diese besonders gern mit Marmorkopien griechischer Statuen ausschmückten.

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