Kino

Robert Redfords letzter Film „Ein Gauner und Gentleman“

Sissy Spacek als „Jewel“ und Robert Redford als „Forrest Tucker“ in „Ein Gauner und Gentleman“.

Sissy Spacek als „Jewel“ und Robert Redford als „Forrest Tucker“ in „Ein Gauner und Gentleman“.

Foto: Eric Zachanowich

  Auch Großen fällt der Abschied schwer. Als Ganove mit Stil sagt Hollywood-Legende Robert Redford dem Kino jetzt Lebewohl.

Das ist wohl das Schwierigste: Den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören zu finden. Das gilt sowohl für Bankräuber – hier der legendäre Forrest Tucker – wie auch für Filmlegenden – hier Robert Redford. Seine Inszenierung als „Gauner und Gentleman“ im gleichnamigen Leinwandepos ist vor allem eine Hommage an den Filmhelden Redford.

Was es über die Handlung von „Ein Gauner und Gentleman“ zu sagen gibt, steht weitgehend schon im Titel: Wir sehen einen Bankräuber ohne Maske, bei dem das Schmunzeln Falten wirft und der mit wachen Augen und im Dreiteiler in aller Seelenruhe in Bankfilialen spaziert und sie ausraubt. Allenfalls fließen ein paar Tränen, niemals aber Blut.

Redfords letzte Rolle: Ein Gangster mit guten Manieren und ganz ohne Blutverlust

Dabei verwirrt er gediegene Filialleiter und noch lieber gut aussehende Kassiererinnen mit seinen Manieren so sehr, dass sie am Ende nicht nur des Geldes, sondern auch weitgehend ihrer Erinnerung beraubt sind. Das wiederholt sich gefühlte 25mal, so wie in Forrest Tuckers wahrem Leben auch, den Menschen gab es wirklich.

Gut , das klingt jetzt ziemlich nach verfilmtem Seniorenteller. Es ist in der Tat dramaturgische Hausmannskost, aber die Zutaten sind gut ausgewählt und stimmen, die Verfolgungsjagden hier sind weniger Materialschlacht als Blechwalzer auf Asphalt mit richtig schönen alten Autos.

Der Film – ein feiner Seniorenteller: Robert Redford verabschiedet sich als „Gauner und Gentleman“

Zudem ist der Film perfekt dekoriert und gut angerichtet. Aber – wie so viele Seniorenteller – die Rezeptur ist seit Jahrzehnten unverändert: Er sieht aus wie ein Film aus den 80ern, ist routiniert inszeniert von David Lowery (Buch und Regie, zuletzt gefeiert für „A Ghost Story“). Leider, kleines Manko, vermasselt Lowery ein gescheites Finale. Der Vorhang hebt sich am Ende noch ein paar Mal zu oft.

Und es bleibt ein Film mit, sorry, Menschen in den 80ern, respektive Stars aus den 80ern. Wir erleben Sissy Spacek als gute Freundin Jewel, kennengelernt auf der Flucht, und Vertraute des Räubers. Bei einigen Überfällen begleiten ihn Tom Waits und Danny Glover und es gibt sogar einen Gegenspieler, den ziemlich schlecht gelaunten Ermittler John Hunt (Casey Affleck).

Kein Wunder, war er doch bei einem Überfall Tuckers dabei und hat es nicht einmal mitbekommen zwischen Kindern und Kreditanfrage. Und weil alles so ruhig und gesittet abläuft bei den Überfällen von Tucker in „A Man and a Gun“. So der irreführende Originaltitel: der Colt hat für Tucker kaum eine Bedeutung. Seine gefährlichste Waffe ist sein Lausbuben-Charme.

Redfords Film „Ein Gauner und Gentleman“ ist auch eine cineastische Rückschau

Ermittler Hunt nun ist zurecht gereizt, will die Scharte auswetzen und fahndet in der Überfallserie sogar noch nach Feierabend mit den Kindern vorm Kamin. Auch dann noch, als ihm das FBI die Ermittlungen entzieht. Zu den stärksten Szenen der stillen Jagd gehört eine Begegnung mit Forrest Tucker auf dem stillen Örtchen eines namenlosen Diners: Der alternde Gentleman richtet dem Fahnder die Krawatte und gibt ihm gute Tipps – darüber, wie man Frauen verhaftet. Also: als Gentleman.

Das ist eines der Schmankerl dieses Films, so wie die in den Film integrierte Rückschau auf Leben und Werk Redfords, der mit Sissy Spacek so auf der Veranda sitzen darf wie einst mit Meryl Streep auf der Farm in Afrika. Er darf auch noch einmal mit einem Pferd flüstern und seine diversen Fluchten aus etlichen Filmen werden zu einer schönen Collage zusammengeschnitten, als ein Fernsehnachrichtensender die erfolgreichen Ausbrüche Tuckers alias Redford zusammenfasst.

Ja, es liegt der Verdacht nahe, dass Robert Redford diesen Film auch für sich selbst produziert hat. Um noch einmal elegant gekleidet, den Hut ziehen zu können vor dem großen Kinopublikum. Er gestattet sich und uns sogar einen Blick in die Zukunft seiner nächsten Lebensjahre: In einer Szene sitzt er gemeinsam glücklich lächelnd mit Sissy Spacek im Kinosessel. Der Leinwandstar von einst – er sitzt ab jetzt mit uns vor der Leinwand. Schöne Vorstellung, Hut ab!

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ZUR PERSON

Die Kino-Karriere des 1936 in Kalifornien geborenen Robert Redford begann spät, er war bereits renommierter Bühnenschauspieler, als er mit „Barfuß im Park“ durchstartete. Es folgten u.a. „Der große Gatsby“ und „Der Pferdeflüsterer“.

Redford, der auch Regie führte, ist Gründer des unabhängigen Filmfestivals „Sundance“.

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